Nachdem der Schleichweg zwischen Kita Am Baumschulenweg, der Schwimmhalle und dem Möbelmarkt für den öffentlichen Verkehr dichtgemacht wurde, regt sich Kritik bei den Taxi-Fahrern an der Entscheidung von Stadt und Polizei.

Genthin l Manfred Huck ist als Taxifahrer eine Institution in Genthin. So leicht bringt den Mann hinter dem Lenkrad nichts aus der Fassung. Gleichwohl richtet er einen eindringlichen Appell an die Stadtverwaltung und die Polizei, den Taxis der Stadt wie den Anliegern eine Nutzung des sogenannten Schleichweges zu gestatten.

Der Altenplathower zaubert nach nur kurzer Zeit einige Beispiele aus dem Hut, die belegen, das Fahrten für seine Kundschaft aus dem östlichen Teil Genthins bei der Inanspruchnahme der Umleitung über Brettin und Roßdorf richtig ins Geld gehen. "Bei Entscheidungen sollte darauf geachtet werden, dass dem Bürger nicht zu tief in die Tasche gegriffen wird", so das Plädoyer des Taxi-Fahrers.

Die Kritik ist jedoch durchaus facettenreicher: Huck führt so den Fall einer Krankenhauspatientin aus dem Roßdorfer Weg (Nähe Ortsausgang Richtung Brandenburg) an, die entlassen wurde und dafür ein Taxi in Anspruch nahm. "Die Krankenkasse erstattet zwar einen Festpreis, in diesem Fall sieben Euro. Die tatsächlichen Kosten bei Nutzung der Umgehung liegen aber bei etwa 25 Euro. Die Fahrt wird unrentabel und ich müsste sie eigentlich ablehnen. Ich habe jedoch eine Beförderungspflicht, der ich auch nachkomme", sagt Manfred Huck.

Sensibel sei auch die Fahrt mit Dialysepatienten etwa aus dem Stremmegebiet, die sich jetzt auf eine längere Fahrtzeit auf Grund der Umleitung einstellen müssten.

Polizei und Stadtverwaltung reagierten am Donnerstag auf Hucks Appell allerdings sehr zurückhaltend. Es spreche nicht viel dafür, dass den Taxi-Fahrern eine Sondergenehmigung zum Befahren des sogenannten Schleichweges erteilt werde, formulierte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch ganz diplomatisch. Fange man bei dieser Branche an, stünde eine andere Berufsgruppe vor der Haustür und verlange für sich auch eine Ausnahme. Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch: "Deshalb ist es schwierig, eine Entscheidung zu treffen."

Genthins Bürgermeister Thomas Barz verwies auf Volksstimme-Anfrage nochmals auf die vielen Beschwerden über den Verkehr auf diesem Schleichweg, von dem sich unter anderem die Kita und Anlieger in ihrer Sicherheit bedroht sehen. "Ich kann die Einwände der Taxi-Fahrer zwar verstehen, aber wir als Stadt sind nicht für den fließenden Verkehr zuständig", wehrt Barz ab. Er wies darauf hin, dass es sich bei dem Schleichweg um keine Straße, um keinen Weg, um "gar nichts" handele, teilweise würden sich die Grundstücke noch nicht einmal im städtisches Eigentum befinden.

Das Stadtoberhaupt setzt darauf, dass sich die Situation mit Beendigung des ersten Bauabschnittes Ende November, bei der die Kreuzung Berliner Chaussee wieder freigegeben wird, entschärft.