Bedarf für acht Radwege sieht die Stadtverwaltung. Mit dem vom Land eingeplanten Geld lässt sich wohl keiner davon realisieren. Gut sieht es dagegen für die Wege zwischen Genthin und Parchen sowie Jerichow aus.

Genthin l In Sachsen-Anhalt sollen im nächsten Jahr laut Landeshaushalt etwa eine Million Euro in Radwege investiert werden. "Wenig", sagte Bürgermeister Thomas Barz im Bauausschuss. "Wir wollen trotzdem, dass an allen Bundes- und Landesstraßen in ganz Genthin Radwege entstehen", ergänzte er. Dem schlossen sich die Mitglieder des Bauausschusses an und stimmten einstimmig für die Radweg-Anträge der Stadt. Wo zwischen 2015 und 2020 Bedarf an neuen Radwegen besteht, wird vom Land gerade ermittelt. Dabei geht es um Radwege außerhalb der Ortschaften. Thomas Barz erklärt, wie die Bedarfsanalyse funktioniert: Den potentiellen Wegen werden Dringlichkeitsstufen zugeordnet. Stufe 1 für sehr dringend, Stufe 2 für nicht ganz so dringend. Um den Bedarf zu ermitteln, wurden in der Stadtverwaltung etliche Fragebögen ausgefüllt. Wichtigstes Bewertungskriterium ist der Verkehr an den jeweiligen Straßen. Dazu wurden Angaben aus einer Verkehrszählung 2010 sowie eine Prognose für 2015 herangezogen. Der erforderliche Wert, der den Bau eines Radweges rechtfertigt, wird an allen Bundesstraßen der Stadt Genthin erreicht. Die zwei betroffenen Landstraßen (L 52 und L 54 in Gladau und Schopsdorf) erreichen den Wert nicht, hier ist aber die Bedeutung als Schulweg, das Erreichen des zentralen Ortes und die Nähe zu Großobjekten ebenfalls zu berücksichtigen. "Die endgültige Festlegung der Prioritäten erfolgt durch das Ministerium für Landwirtschaft und Verkehr Sachsen-Anhalt sowie die Landesstraßenbaubehörde", sagte Barz. Die Stadt hat Bedarf für acht Radwege angemeldet (siehe Infokasten). Dass auch nur einer davon gebaut wird, ist unwahrscheinlich, da man mit dem vom Land eingeplanten Geld laut Barz nicht weit komme. Deshalb gelte es nun, nach Alternativen zu einer Finanzierung durch das Land zu suchen.

Der Bürgermeister verwies aber darauf, dass alles, was begonnen wurde, weitergemacht wird. "Gut für Genthin", urteilte er. Das beträfe die Radwege zwischen Genthin und Jerichow sowie zwischen Genthin und Parchen. Bei Letzterem läuft das Planfeststellungsverfahren, das laut Barz zwischen einem und unendlich vielen Jahren dauern könne, abhängig davon, wie viele Anwohner klagen.

Lutz Nitz (Grüne) kritisierte die Zuordnung zu den Dringlichkeitsstufen nach bestimmten Kriterien. "Da werden Autofahrer gezählt, das macht Sinn. Den Bau eines Radweges aber davon abhängig zu machen, wie viele Radfahrer dort unterwegs sind, ist absurd." Ohne Radweg würde man sich kaum mit dem Fahrrad auf eine Bundesstraße trauen. Thomas Barz merkte an, dass er diesen Kritikpunkt bereits beim Land vorgetragen habe. Jetzt hieße es abzuwarten, wo Genthin im Punktesystem landen würde.