Mit einem besonderen Blick an die Kirchendecke startete in diesem Jahr der Schlagenthiner Kulturwinter. Im ersten Vortrag der Reihe ging es um die dort abgebildeten musizierenden Engel, die Martin Geißler vom Förderverein in Wort und Bild vorstellte.

Schlagenthin l Selten gehen die Köpfe in einem Gotteshaus so häufig in die Höhe wie in der Kirche in Schlagenthin. Denn dort befinden sich die 58 in diesem Jahr restaurierten Engel. Für den Auftakt der diesjährigen Reihe zum Kulturwinter haben sich die Mitglieder des Fördervereins der Schlagenthiner Kirche daher etwas Besonderes einfallen lassen.

"Wir stellen Ihnen heute die 22 Engel vor, die ein Musikinstrument spielen", erklärte Fördervereinsmitglied Martin Geißler. Er hatte einen Vortrag vorbereitet, in dem er nicht nur die Engel, sondern auch deren historische, heute kaum noch bekannten Instrumente vorstellte. "Die Instrumente aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind sehr exakt und detailgenau ausgearbeitet und sagen viel über ihre Zeit aus. So gibt es an der Decke ein ganzes Engelorchester mit Schlag-, Streich-, Zupf- und Blasinstrumenten.

Die Engel haben so schöne Instrumente wie Schellentrommeln, Doppelfelltrommeln mit zwei Öffnungen oder kleine Pauken. "Diese Instrumente gab es auch in Wirklichkeit", bestätigte Martin Geißler.

Die Trommeln waren zumeist mit Tierhäuten bespannt und wurden mit den Händen oder Klöppeln bedient. Für jedes Instrument hatte das Pfarrerehepaar Daniela und Johannes Möcker Klangbeispiele vorbereitet. Bei den Schlaginstrumenten waren das zumeist durchdringende, sehr kräftige Töne.

Eine Triangel mit Klirr-Ringen erzeugt dagegen einen eher filigranen Klang, der durch die Schellen Akzente bekommt. Das sei in früheren Jahrhunderten ein durchaus gebräuchliches Instrument aus Messing oder Silber gewesen.

Besonders exakt ist der Maler einst bei den historischen Streichinstrumenten vorgegangen. Unter ihnen befinden sich Darstellungen von viersaitigen Violinen oder auch Engel mit Lauten. "Die gab es schon in einer Zeit 2000 vor Christus." Besonders passend für die Abbildung mit Engeln sind natürlich die Harfen, die in den historischen Bildern als Rahmen- oder Schoßharfen daherkommen. Bei den Blechblasinstrumenten fallen die Engel mit Naturtrompeten ins Auge.

"Das sind Trompeten auf denen nur Töne gespielt werden können, die ohne Verkürzung oder Verlängerung der Luftsäule im Instrument zustande kommen. Ganze zehn Engel mit Trompeten kann der Besucher an der Decke finden. Auch so eigenwillige Flötenarten wie Zink oder Dulcia sind an der Decke zu finden.

Auf zwei besondere Engel machte Geißler die Zuhörer aufmerksam. "Es gibt einen Streber, der gleich zwei Instrumente spielt, und einen Linkshänder." Die Engel in Schlagenthin werden auch von der wissenschaftlichen Forschung mit Interesse gesehen.

"Da die Malerei sehr exakt erstellt wurde, ist sie für uns durchaus eine Quelle der Instrumentenkunde", erläutert Uwe Fischer, Leiter des Bachhauses in Eisenach. Es seien Darstellungen, die zeitlich eingeordnet werden können. "

Ein Restaurator hat dadurch die Möglichkeit, bei der Instrumenten- oder Zeitbestimmung seiner Arbeit auf die Schlagenthiner Abbildungen zurückzugreifen. Der Musikexperte empfiehlt den Schlagenthinern sogar die Publikation der Engel in einem eigenständigen Werk. "Damit verdient man sich keine goldene Nase, aber der wissenschaftliche Wert für Musikforscher ist enorm."

Der Schlagenthiner Kulturwinter wird am 21. November um 19 Uhr im Pfarrhaus fortgesetzt. Dann hält Pfarrer Andreas Breit aus Parey einen Bildvortrag über Australien.

 

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