Jerichow l Fotos von einem "See" mitten in der Stadt hatte Willi Lorenz zum Bürgerstammtisch in Jerichow mitgebracht. Bei längeren starken Regenfällen hat er diesen See genau vor seiner Haustür - und manchmal reicht die Wasserfläche auch bis auf sein Grundstück in der Friedrich-Naumann-Straße 21.

Das Problem ist nicht neu, wissen Bürgermeister Harald Bothe und Ortsbürgermeister Andreas Dertz. Es hat sich aber verschärft, seit die Fischerstraße im Rahmen der Stadtkernsanierung ausgebaut worden ist. Darauf wiesen ortskundige Jerichower hin. Denn weil diese Straße nun glatt ist und die Regenentwässerung dort funktioniert, läuft noch mehr Wasser in die Naumannstraße.

Diese allerdings lag nicht mehr im Stadtkernsanierungsgebiet, so dass keine Födermittel für den Ausbau zu bekommen waren. "Die Anwohner müssten einen großen Anteil selbst bezahlen, weil es auch nur eine Nebenstraße ist", erklärte Harald Bothe und ließ auch keinen Zweifel daran, dass er das ungerecht findet. An einen Ausbau der Naumannstraße sei deshalb in absehbarer Zeit nicht zu denken. "Das muss auch nicht sein, nur die Regenentwässerung müsste in Ordnung gebracht werden", entgegnete Willi Lorenz. Es liege an zu dünnen Rohren, die hier noch zu DDR-Zeiten verlegt worden waren, glaubt er. "Man traut sich ja bei Regen gar nicht wegzufahren, aus Angst, dass das Haus unter Wasser steht, wenn man nach Hause kommt!"

Bothe verabredete sich mit Willi Lorenz gleich für den nächsten Tag, um sich die Sache noch einmal anzuschauen. Viel freilich war erstmal nicht zu sehen. Die Straße ist derzeit trocken, und beim Öffnen der Regenwassereinläufe war auch nur ungefähr zu erkennen, in welche Richtung die Rohre weggehen.

"Wir werden versuchen, das mit eigenen Kräften der Stadt in Ordnung zu bringen", sagte der Bürgermeister. Die Leitungen sollen freigeschachtet und gegebenenfalls durch dickere ausgetauscht werden. Die Ableitung des Wassers in einen Graben in der Nähe sollte funktionieren, meint Bothe.

Nicht ganz so einfach zu lösen wird ein anderes Problem der Naumannstraße sein: Der alte Bahnübergang. Auch das hatte Willi Lorenz angesprochen. Man könne da kaum noch drüberfahren, kritisierte er. "Wir sind immer noch nicht rechtskräftig Eigentümer dieser Fläche", beschrieb Bothe die Langwierigkeit beim Kauf von Flächen von der Bahn. Dass hier etwas passieren müsse, darin stimmte er Willi Lorenz unbedingt zu.

Photovoltaik, Windräder, Erdbau, Abriss, Pflanzung

Langwierig ist die Realisierung eines anderen Vorhabens: Auf der ehemaligen Mülldeponie am Rand von Jerichow sollen Photovoltaikanlagen errichtet werden - von demselben Investor wie bei den Anlagen im Gewerbegebiet Redekin. Diese Fläche werde zur Zeit mit Erde abgedeckt, informierte Ortsbürgermeister Andreas Dertz. Diese Maßnahme habe aber nichts mit den Photovoltaikanlagen zu tun, betonte Bothe, sondern damit werde ein Forderung des Landkreises erfüllt. In diesem Zusammenhang wurden auch schon Bohrungen vorgenommen und Probenentnahmen sind erfolgt.

Auf die abgedeckte Fläche können dann die Anlagen gebaut werden. Und dass das doch noch in absehbarer Zeit klappt, sind Bothe und Dertz zuversichtlich.

Das Thema erneuerbare Energien führte Andreas Dertz gleich noch mit dem Vorhaben der Erweiterung des Windparks bei Mangelsdorf fort: Dort war der Bau von acht weiteren Windrädern vorgesehen - und die werden auch alle gebaut, betonte er. Begonnen wurde schon. Alle Anlagen werden im Windeignungsgebiet stehen, das im Regionalen Entwicklungsplan ausgewiesen ist.

Für den Bau dieser Windräder seien sogenannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen notwendig. Dazu gehöre der Abriss der ehemaligen Unterkünfte gegenüber vom Jugendklub (alte Bahnanlagen). Weiterhin gehören der Abriss des Melkstands von Busse (Mangelsdorf) dazu, die radwegbegleitende Bepflanzung zwischen Groß- und Kleinmangelsdorf, die Gestaltung des Burgbergs und der Abriss der Baracken des ehemaligen Waldbads. "Also wenn jemand sieht, dass da etwas passiert - nicht gleich `Hurra, wir bauen eine neue Badeanstalt` rufen. Das wird erstmal noch unser Traum bleiben..."