Das Waschmittelwerk Genthin steht vor einer ungewissen Zukunft. Am Wochenende verhandelten die Gemini-Holding, die die Hansa Group übernehmen will, und die Gewerkschaften über die Fortführung der Unternehmensteile.

Genthin l Gewaltig geknirscht hat es in der vergangen Woche während der Verhandlungen zwischen dem möglichen neuen Eigentümer und den Gewerkschaften. Von überhöhten Forderungen des Investors und dem Ende der Unternehmensgeschichte sprach die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) Hannover am vergangenen Donnerstag.

Grund für die Wut der Mitarbeitervertreter waren die ersten vorgelegten Zahlen des Investors, bei der, so die Gewerkschaft, ein Einsparziel beim Personal von zehn Millionen Euro angepeilt wurde. Die Rede war zudem von einem Personalabbau von 100 Mitarbeitern (Die Hansa Group hat knapp 500 Beschäftigte) und einem Gehaltsverzicht der verbleibenden Mitarbeiter von 30 Prozent. "Das macht rund 1000 Euro im Monat aus", beziffert dies ein Gewerkschaftsvertreter.

Man habe die Bereitschaft gezeigt, den Personalabbau mitzutragen und die Einkommen um zehn Prozent zu kürzen. Das macht ein Finanzvolumen von sieben Millionen aus. Zudem forderte die IG BCE einen einheitlichen Tarifvertrag für alle Standorte. Das sei das Maximum des Zumutbaren, machte die Gewerkschaft deutlich.

Eine Einigung konnte zum Ende der letzten Woche nicht erzielt werden. Am Wochenende kehrten beide Seiten an den Verhandlungstisch zurück. Am Freitag und Sonnabend wurden ein möglicher Interessenausgleich und Sozialplan zwischen den Betriebsparteien unter Beteiligung der IG BCE verhandelt, so die Gewerkschaft in einer Presseinformation. Seitens der Arbeitgeber blieben die Volksstimme-Anfragen unbeantwortet. Gestern Nachmittag lief die Bewertung der Verhandlungen. Der Investor werde sich äußern müssen, ob er die Grundlage gegeben sieht, den Kaufvertrag zu erfüllen. Wenn die Gespräche scheitern, droht die Gefahr, dass die Mitarbeiter entlassen werden.

Hintergrund der Verhandlungen ist die geplante Übernahme der Hansa Group durch die schweizerische Gemini-Holding. Zur Hansa Group gehören die Luhns GmbH, die chemische Fabrik Wibarco und auch das Waschmittelwerk Genthin.

Hier ist die Bitterkeit über die schwierigen Verhandlungen besonders groß, haben viele Mitarbeiter doch noch die Verwerfung im Waschmittelwerk nach dem Rückzug der Firma Henkel im Jahr 2009 im Gedächtnis. Damals stand vorübergehend auch die Schließung des Werkes in Genthin im Raum.

Der Standort hat eine mehr als 90-jährige Geschichte. In schweres Fahrwasser ist er durch die Probleme der Hansa Group gekommen, die nach einem gescheiterten Schuldenabbau im Sommer Insolvenz angemeldet hatte. Nach einer umfangreichen Investorensuche war in der vergangenen Woche der Verkauf der Hansa Group verkündet worden.

Endgültig besiegelt wird dieser allerdings erst am Donnerstag, sofern die Gläubigerversammlung in Duisburg dem Verkauf zustimmt.