Drei Objekte in der Burger Innenstadt wurden vor kurzem beim Amtsgericht der Kreisstadt zwangsversteigert. Ein Bieter konnte sich durchsetzen. Für die drei Grundstücke will er insgesamt knapp 1,8 Millionen Euro hinlegen. Morgen entscheiden die Banken, ob die Angebote akzeptiert werden.

Burg l Der Saal 4 des Burger Amtsgerichtes ist gut besucht. Um 13 Uhr verliest Rechtspflegerin Doreen Knape Einzelheiten zu den zur Zwangsversteigerung stehenden Objekten in Burg. Dazu gehört das Gebäude Markt 20, das Pflegeheim und das Ärztehaus in der Brüderstraße. Neben ihr sitzen Zwangsverwalter und Mitarbeiter der jeweiligen Banken. Vor ihr nehmen Interessenten und Mieter der Gebäude Platz. Es ist 13.40 Uhr: "Die Bietzeit ist eröffnet", sagt die Rechtspflegerin.

Getuschel unter den Besuchern, hier und da werden Gespräche geführt, Unterlagen in dicken Ordnern werden studiert. Eine Firma aus Braunschweig gibt das erste Angebot ab. Ein junger Mann geht an den Tisch von Doreen Knape, weist sich mit Personalausweis aus und sagt: "990000 Euro für das Ärztehaus, 500000 für das Pflegeheim und 10000 Euro für das Grundstück Markt 20." "Sicherheit" rufen die Vertreter der Banken. Zehn Prozent des Verkehrswertes müssen vom Bieter hinterlegt sein. Das bedeutet 160 Euro für den Markt, 171000 Euro für das Pflegeheim und 212000 Euro für das Ärztehaus. Der junge Mann legt drei entsprechende Schecks auf den Tisch. Wenige Minuten später entscheidet sich auch ein älteres Ehepaar auf das Pflegeheim zu bieten. Ihr Gebot: 525000 Euro. Es ist 14 Uhr.

Die Braunschweiger bitten das Ehepaar nach draußen, "um sich mal zu unterhalten", so sagt der junge Mann im blauen Jackett. Die Gespräche werden hinter vorgehaltener Hand geführt. Außenstehende bekommen kein Wort mit. Währenddessen geht Andreas Rebenstein, ein Unternehmer aus dem Harz, an den Tisch der Rechtspflegerin. Turnschuhe, Anzug, lange Haare - mit der Hand in der Hosentasche erkundigt er sich nach den aktuellen Geboten. Er erhöht. 1,1 Millionen Euro für das Ärztehaus, 600000 Euro für das Pflegeheim und 15000 Euro für den Markt. Ernüchterung macht sich bei den anderen Interessenten breit. Die ersten verlassen den Saal. Andere rechnen weiter. Es geht um Prozente und Rendite. Es ist 14.12 Uhr. "Die Zeit läuft ab", verkündet Doreen Knape.

Bieterwettkampf um das Gebäude am Markt 20

Ein Mann mit osteuropäischem Akzent schaltet sich in den Bieterwettkampf mit ein. Er weist sich aus und bietet 15100 Euro für den Markt 20. Rebenstein erhöht auf 15200 und setzt den Preis für das Ärztehaus auf 1,15 Millionen Euro fest. Ein asiatisches Ehepaar ist auch interessiert und bietet in gebrochenem Deutsch 15300. "16000 Euro", ruft Rebenstein durch den Saal und bittet das asiatische Paar raus. Wieder werden Gespräche geführt. Der Mann mit dem osteuropäischen Akzent wirkt hin- und hergerissen, erkundigt sich noch einmal beim Insolvenz-verwalter und bietet für den Markt 20 schließlich 16100 Euro. Rebenstein kommt wieder in den Saal, setzt sich in seine Ecke zu seiner Begleiterin und sagt ganz entspannt: "20000 Euro". Das sorgt für Stille im Saal. Keiner macht den Eindruck, ein weiteres Angebot zu unterbreiten. "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten", sagt die Rechtspflegerin ohne einen Auktionshammer zu schwingen, im ruhigen Ton. Die Nachricht ist trotzdem deutlich. Der Unternehmer aus dem Harz hat soeben den Zuschlag für das Gebäude Markt 20 (20000 Euro), das Ärztehaus (1,15 Millionen Euro) und das Pflegeheim in der Brüderstraße (600000 Euro) erhalten. Die Versteigerung ist beendet. Es ist 14.27 Uhr.

Rebenstein will die ersteigerten Objekte zur Vermögensanlage verwenden. "Wir werden sie etwas renovieren und aufbessern und dann mal schauen", sagt er, ohne konkret zu werden. Allerdings darf der Unternehmer die Gebäude noch nicht sein Eigen nennen. "Beim Markt 20 sieht das ganz gut aus, aber bei den anderen beiden Gebäuden hatten die Banken preislich andere Vorstellungen. Es liegt ja beim Ärztehaus und beim Pflegeheim eine hohe Spanne zwischen Verkehrswert und Gebot", begründet Doreen Knape. Die jeweiligen Vertreter vor Ort hätten keine Erlaubnis, über eine entsprechende Grenze zu entscheiden.

Über Ablehnung oder Zustimmung der Gebote wird morgen entschieden. Wieder im Burger Amtsgericht, Saal 4.