Der Verkauf der Hansa Group an die Gemini Holding muss heute von der Gläubigerversammlung bestätigt werden. In der Sitzung des Genthiner Wirtschafts- und Umweltausschusses wurde das Thema hochemotional diskutiert. Denn es geht auch um Arbeitsplätze am Standort Genthin.

Genthin l Heute soll die Zukunft der Hansa Group und damit auch die des Waschmittelwerkes Genthin besiegelt werden. Denn in Duisburg kommt die Gläubigerversammlung zusammen, um den Verkauf des insolventen Konzerns an den Schweizer Investor zu bestätigen.

Zuvor sind jedoch die Gespräche zwischen dem Käufer und den Gewerkschaften ins Stocken geraten. Angeblich sollen laut internen, inoffiziellen Informationen am Standort Genthin 60 Mitarbeiter entlassen werden und die verbliebenen Beschäftigten auf 35 Prozent ihres Lohnes verzichten. Diese angeblichen Forderungen des Arbeitgebers seien für die Gewerkschaftsvertreter der IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) unzumutbar gewesen, sodass die Gespräche abgebrochen wurden.

Gestern Nachmittag sind beide Seiten wieder zusammengekommen, um einen letzten Einigungsversuch zu unternehmen. Ob es zu diesem gekommen ist, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Die Verwerfungen um den Hansa-Verkauf erregten auch im Wirtschafts- und Umweltausschuss die Gemüter.

Lutz Nitz (Grüne) hatte seinen Redebeitrag penibel vorbereitet. Er schob zahlreiche Unterlagen und Dokumente zur Hansa Group vor sich her, die er aus dem Internet bezogen hatte. Er erinnerte an die aufregenden Ereignisse des Jahres 2009, als Henkel wegging und Stadtrat, Bürgermeister, Landespolitik und Wirtschaftsministerium laut dagegen ihre Stimmen erhoben.

Jetzt hingegen, führte Nitz seinen Gedanken fort, wo 120 Arbeitsplätze gefährdet sind, wird über die Vorgänge der Mantel des Schweigens gelegt. "Hier passiert etwas sehr Schlechtes für Genthin. Warum wird man nicht hellhörig?"

Nitz erwartete von Bürgermeister Barz eine Antwort auf die Frage, inwieweit er Kontakte mit der Gewerkschaft und dem Wirtschaftsministerium in dieser Angelegenheit aufgenommen hat. Bürgermeister Barz und der Geschäftsführer des TGZ, Dr. Heinz Paul, gaben sich daraufhin zunächst zurückhaltend.

Man habe es im Unterschied zu 2009 mit einer grundlegend anderen Situation zu tun, erklärte Barz. Während vor fünf Jahren Henkel den Standort aufgab, handelt es sich jetzt bei der Hansa Group um ein Insolvenzverfahren. Ein Insolvenzgericht habe die Hand darauf, andere Möglichkeiten zu vermitteln, seien unredlich. Barz: "Wir haben keinen Einfluss darauf, wer als Investor vor der Tür steht".

Barz berichtete von einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium, um die sogenannten Entflechtung auf dem Gelände des Waschmittelwerks voranzutreiben. Momentan laufen über das Waschmittelwerk alle Versorgungs-Medien auf, darunter Gas, Abwasser und Strom. Sie wurden von dort an alle Unternehmen weitergeleitet. Mit den Zahlungsschwierigkeiten der Hansa-Group gerieten so auch die anderen Unternehmen im Chemiepark, der in Regie der Standortbetreibergesellschaft betreut wird, in Schwierigkeiten.

"Wir haben zum Glück das Schlimmste abwenden können", informierte Barz den Ausschuss. Dr. Paul als auch Thomas Barz vermittelten dem Ausschuss, dass 185 000 Euro über die Infrastrukturförderung für eine Machbarkeitsstudie zur Entflechtung ausgereicht werden.

Die Auskünfte stellten jedoch sowohl Lutz Nitz als auch Harry Czeke (Die Linke) nicht zufrieden. Nitz drängte Barz nach wie vor zu einer Antwort, ob die Stadt zum Betriebsrat und zur Gewerkschaft Kontakt aufgenommen habe, wobei der Bürgermeister erwiderte, dass er täglich mit dem Betriebsrat im Gespräch sei. Nitz und Czeke plädierten dafür, in der jetzigen Situation für die Arbeitnehmer "alles rauszuholen". Es sei ein Gebot der Stunde, ein Zeichen zu setzen. Czeke: "Warten, bis 120 Arbeitnehmer ihre Kündigung erhalten- das kann nicht sein".

 

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