Uhland-Sporthalle, das Objekt der Diesterweg-Grundschule, die Halle an der Berliner Chaussee... Um Genthins Sportstätten steht es schlecht. Genthin ist diesbezüglich Sorgenkind im Landkreis, sagt Kreissportbund-Geschäftsführer Bernd Mittelstädt.

Genthin l Betreffs Sportstätten ist Genthin ein Entwicklungsland. Aktuell diskutieren die Stadtväter über die Zukunft der maroden Sporthalle an der Uhlandschule. Sportler, Lehrer und Schüler können unterdessen nicht verstehen, warum es nicht längst ein Sanierungskonzept für diese Halle gibt. Stadtrat und Ex-Volleyballer Lutz Nitz (Grüne) sagte kürzlich: "Ich verstehe nicht, warum eine solche Sportstätte zur Disposition steht."

"Weil die Sanierung der Halle wohl zeitnah nötig ist, finanziell für die Stadt aber nicht leistbar", erklärt Genthins Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) auf Volksstimme-Nachfrage. Fördermittel seien für die Uhland-Halle momentan nicht zu bekommen. "Beim Programm Stark III fiel sie wegen der zu hohen Vereinsnutzung und den veralteten energetischen Bedingungen durch. Auch bei der Sportstättenförderung bekam sie eine Absage."

Eine mögliche Schließung der Halle stößt auf viel Kritik (Volksstimme berichtete).

"22 000 Euro allein für Heizkosten"

Dass die Halle zeitnah nicht mehr genutzt werden kann, scheint sicher. Barz betont aber, dass das keine Schließung für die Ewigkeit sei. "Das Objekt kostet uns jährlich 22 000 Euro an Heizkosten. Wenn wir sie für ein paar Jahre schließen, sparen wir viel Geld an den Betriebskosten." Dieses Geld könne dann später als Eigenanteil für eine Sanierung oder einen Neubau an diesem Standort eingesetzt werden. "Bis 2020 werden wir versuchen, eine Lösung zu finden."

Allerdings ist die Uhland-Halle nur ein Beispiel von vielen. Kreissportbund-Geschäftsführer Bernd Mittelstädt sagt zum Genthiner Sportdesaster: "Diesbezüglich ist die Stadt tatsächlich unser Sorgenkind. Orte wie Gommern oder Burg haben in den vergangen Jahren viele Sportstätten geschaffen oder saniert." In Genthin sei diesbezüglich sehr wenig passiert. Als Beispiel nennt er die Sport- und Schwimmhalle an der Berliner Chaussee: "Das war in den 70er Jahren ein Vorzeigeobjekt. Doch 40 Jahre später sind das Haus und die Ausstattung immer noch identisch - hier ist nie investiert worden."

Noch trauriger steht es um die Sporthalle an der Diesterweg-Grundschule in Altenplathow. Schulleiterin Ute Kliem sagt: "Die Halle ist seit 40 Jahren in einem sehr schlechten Zustand. Wir haben jedes Jahr darauf aufmerksam gemacht, dass eine Sanierung dringend nötig ist." Außer kleinen Schönheitsreparaturen sei aber nie etwas passiert.

Auch für dieses Objekt scheint es nun zu spät. "Wir können auch diese Halle nicht sanieren", sagt Thomas Barz. Sie werde in Betrieb bleiben, bis eine neue Lösung für die Grundschüler gefunden ist. Wie die aussehen könnte, erklärt er so: "Wir werden dem Stadtrat am 27. November eine Vision vorstellen, wie wir das Stadtkulturhaus und das gesamte Areal entwickeln könnten. Klarhalten müssen wir vorab, dass es eine multifunktionale Halle wird, aber der Charakter einer Stadthalle erhalten bleibt. Momentan befindet sich das Stadtkulturhaus und das gesamte Areal im Eigentum der QSG mbH. Ergänzt werden soll die Möglichkeit der Nutzung als Sportstätte für die Grundschule und die Vereine. Klassische Ballsportarten werden nicht möglich sein."

"Vision für das Stadtkulturhaus"

Schulleiterin Ute Kliem zeigt sich zuversichtlich. "Ich habe jetzt das Gefühl, dass der neue Bürgermeister und die Stadtverwaltung sich bemühen, eine Lösung zu finden."

Kreissportbund-Vorsitzender und Ex-Landrat Lothar Finzelberg bringt die frisch sanierte Sporthalle an der Schule Am Baumschulenweg als Gegenbeispiel: "Dieses Objekt kann sich wirklich sehen lassen." Lutz Nitz: "Hier muss man aber auch die ganze Wahrheit sagen. Hätte es seinerzeit dort nicht einen Brand gegeben, wäre die Halle nicht in diesem Zustand." Im Sportausschuss des Kreistages sagte Kreisvorstand Bernhard Braun: "Der Landkreis hat in den vergangenen Jahren sehr viel in neue Sporthallen sowie Sportstätten-Sanierungen investiert." Er sagte aber auch: "Ob im Jerichower Land tatsächlich jede neue Sporthalle an der richtigen Stelle steht, darüber lässt sich trefflich streiten."

Thomas Barz bekräftigt auf Volksstimme-Nachfrage, dass in Genthin etwas passieren müsse. "Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren alle Kindereinrichtungen, Schulen und Sportstätten in einen Zustand zu bringen, der 25 Jahre nach dem Mauerfall angemessen und würdig ist, sprich saniert."

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