Seit heute ist die Ausstellung "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" im Kreishaus (Brandenburger Straße 100) in Genthin zu sehen. Was dort in den kommenden Wochen gezeigt wird, erläutert Miteinander-Referent Mirko Wolff im Gespräch mit Redakteur Mike Fleske.

Volksstimme: Worum geht es in der Ausstellung?

Mirko Wolff: Die vom lokalen Aktionsplan Genthin und Jerichow geförderte Schau zeigt auf 30 großformatigen Plakaten die lange Jahre nicht erforschten Lebenwege von Häftlingen in sogenannten Jugendlagern in der NS-Zeit.

Was waren das für Lager?

Das waren Internierungslager für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 25 Jahren in Moringen und der Uckermark. Bis in die 90er Jahre hinein war über diese Lager kaum etwas bekannt.

Wie wird das Thema nähergebracht?

Die Tafeln zeigen Lebensläufe von Inhaftierten und den Alltag in den Lagern.

Warum kamen Kinder ins Konzentrationslager?

Oft wegen Kleinigkeiten. Es gab zum Beispiel die Swing-Jugend. 16- oder 17-jährige, die Swing-Musik hörten. Ein bekannter ehemaliger Häftling ist der vor zwei Jahren verstorbene Günter Discher.

Jugendlager, weil man die falsche Musik hört. Ist die Ausstellung auch deshalb interessant für Schulklassen?

Ja, man kann mit den Schülern darüber diskutieren, wie es wäre, wenn sie keinen Hip-Hop oder keine Rap-Musik mehr hören dürfen. Auch der Umgang mit der Vergangenheit ist ein Aspekt. Aber nicht nur, die Ausstellung zeigt auch, was Intoleranz und Gewalt anrichten. Das bleiben aktuelle Themen.

Die Ausstellung ist bis zum 5. Dezember im Foyer des Kreishauses zu sehen. Für Gruppen werden Führungen angeboten. Diese können in der Stadt- und Kreisbibliothek angemeldet werden. Telefonnummer: 03933/80 56 27