Die ersten Schritte in Deutschland hat Austauschschüler Kosuke Hiramatsu getan. Jetzt hofft der 18-Jährige, für den Rest des Schuljahres eine Gastfamilie in Genthin zu finden.

Genthin l "Hallo", ruft Kosuke, als er das Haus betritt. Er stellt seine Schultasche zur Seite und begrüßt seine Gastmutter Swetlana Struck. "Schön, dass du da bist, es gibt gleich Kaffee und Kuchen." An der Kaffeetafel greift der junge Mann beherzt zum Kuchen.

"Der ist lecker", sagt er und lächelt. Ein alltäglicher Nachmittag im Hause Struck. Das Besondere an Kosuke Hiramatsu ist, dass er aus dem rund 9000 Kilometer entfernten Chita-Shi in Japan kommt und nun zu Gast in Güsen ist.

Möglich macht das Auslandsschuljahr die Jugendaustauschorganisation AFS (American Field Service). "Wir geben jungen Leuten die Möglichkeit, andere Länder und Kulturen kennenzulernen", sagt Marina Hebekerl, die ehrenamtlich für den AFS tätig ist.

Das funktioniere mit deutschen Schülern, die ins Ausland gehen, aber auch umgekehrt wie bei Kosuke. Der junge Mann hat sich mittlerweile schon recht gut in Deutschland eingelebt. Im Genthiner Bismarck-Gymnasium geht er in die elfte Klasse und hat dort auch schon Freunde gefunden. Mit ihnen geht er auch Fußball spielen und kommt auch sonst schon ganz gut zurecht. "Deutsch ist eine schwierige Sprache", bekennt er. Doch gerade bei den sportlichen Aktivitäten im Gymnasium lässt sich die Sprachbarriere überwinden und mittlerweile versteht er seine Lehrer und Mitschüler auch schon ganz gut.

Gastmutter Swetlana Struck kennt die Probleme: "Meine älteste Tochter war in Japan und hatte mit den fremden Schriftzeichen und der Sprache auch Probleme." Dennoch seien es für die jungen Menschen einprägsame Erfahrungen. "Ich habe an meiner Tochter gesehen, wie viel selbstständiger sie im Ausland geworden ist." Auch Kosuke werde, wenn er wieder in seiner Heimat sei, seinen Freunden etwas voraus haben.

Für die Familie Struck ist es immer eine besondere Erfahrung, junge Gäste aus dem Ausland zu beherbegen. Sie werden voll in den Alltag integriert und mit der Zeit fast zu einem Teil der Familie. "Kosuke ist unser neunter Gast", erzählt Swetlana Struck. Einer von Kosukes Vorgängern war der Venezolaner Gustavo Moor, dessen Aufenthalt im Jerichower Land in einer preisgekrönten Dokumentation festgehalten wurde. Diesmal wolle die Güsener Familie aber nur als Auftaktgastfamilie fungieren.

"Es sind immer viele Hürden zu überwinden, bis die Einreise möglich ist", fügt Marina Hebekost hinzu. Visa müssten beantragt, Anmeldungen vorgenommen werden. Ein ganzer Batzen von Auflagen ist im Vorfeld zu erfüllen, das gehe nie, ohne dass ein fester Wohnsitz in Deutschland angegeben ist. "Wir sind deshalb immer dankbar, wenn jemand sagt, wir nehmen einen Schüler für die ersten Monate auf, damit er zunächst überhaupt anreisen kann." Aus diesem Grund hofft Kosuke nun auf eine neue Gastfamilie in Genthin. Dann hätte er auch kürzere Wege zur Schule und zu Vereinen. Im Moment muss er mit dem Zug zum Training oder zu Freizeitaktivitäten fahren.

Mit seiner Familie war er schon unterwegs, ob beim Kartoffelfest in Genthin oder im Friedrichstadtpalast in Berlin bei einer Revue.

"Ich denke, dass er an diesen Dingen genau so viel Spaß hatte wie wir", meint Swetlana Struck. Es sei sehr interessant gewesen zu sehen, wie der junge Gast sich immer besser zurechtgefunden habe.

"Ich denke, dass Kosuke einen guten Start hatte und sich auch in einer anderen Familie gut integrieren kann."

Der 18-Jährige hingegen fiebert schon der Weihnachtszeit in Deutschland entgegen, den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest und den Weihnachtsmärkten. "Das ist alles völlig anders als in Japan, wir feiern das Fest nicht so ausgiebig."

Ein spannendes Aufeinandertreffen der Kulturen könnte das werden.

Wer Kosuke aufnehmen möchte, kann sich beim AFS unter der Telefonnummer (040)39922290 oder per E-Mail unter gastfamilie@afs.de melden.