"Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" ist der Titel einer Ausstellung, die sich der Jugendkonzentrationslager im Dritten Reich widmet. In der vergangenen Woche wurde die Schau im Genthiner Kreishaus eröffnet.

Genthin l Es ist ein bewegendes Thema, über das derzeit im Foyer des Kreishauses berichtet wird. Es geht um die Jugend-KZ Moringen und Uckermark, in denen zwischen 1940 und 1945 Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 25 Jahren inhaftiert waren. Die "Verbrechen" der Kinder und Jugendlichen bestanden darin, einen individuellen Lebenstil zu pflegen, nicht angepasst oder auch kulturell "entartet" zu sein - wie es im Nazijargon hieß. Kinder von politisch aktiven Eltern waren ebenso unter den Gefangenen wie jugendliche Hörer des damals aktuellen Swing.

Mit einer Hörprobe dieses Musikstils begann auch die Ausstellungseröffnung, zu deren Besuchern neben Vertretern des Stadtrates und der Jugendarbeit auch der Ethikkurs des Bismarck-Gymnasiums gehörte. Die Neuntklässler waren auch die Ersten, die der Initiator der Schau Martin Guse durch die Schau führte.

Rund 3000 junge Menschen waren damals in den Lagern inhaftiert. "Sie waren dem Terror und der Repression der Wärter ausgesetzt und bekamen auch nach dem Zweiten Weltkrieg keine Unterstützung. "Während viele Peiniger wieder in hohe Ämter aufrücken konnten, bekamen die Opfer keine Entschädigung oder Rente." Schlimmer noch: Das Schicksal der ehemaligen Häftlinge der Jugend-KZ wurde Nachkriegsdeutschland Ost wie West vergessen. Erst in den 90er Jahren setzte sich die wissenschaftliche Forschung mit der Thematik auseinander. Auch die Aufarbeitung des Unrechts, ist Teil der umfänglichen Darstellung. Die Bismarck-Schüler zeigten sich sehr bewegt. "Mich macht das Thema traurig, ich habe großen Respekt vor den Opfern", meinte beispielsweise Sandra Pisch. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man in solchen Situationen überleben kann", fügte Denise Ehrke hinzu. "Die waren damals in unserem Alter, wie kann man die einsperren?", fragte Sarah Eckhold, die zum Thema auch einen Artikel in der Schülerzeitung schreiben wird. Sie könne ihren Mitschülern, den Besuch der Ausstellung nur empfehlen. Aber nicht nur dort wird sich die Thematik niederschlagen. "Wir werden die Informationen auch im Unterricht besprechen", erläuterte Lehrerin Claudia Kruse. Themen wie Intoleranz, Hass und Gewalt könnten vor diesem Hintergrund besprochen, Parallelen zu aktuellen Geschehnissen verdeutlicht werden.

Einen Ansatz, den auch Bürgermeister Thomas Barz in seinen Worten zur Eröffnung aufgriff. "Heute sind diese Geschehnisse Geschichte und für Manchen weit weg. Aber sie bleiben aktuell." Denn angefangen habe alles viel früher mit einfachen Wahrheiten, die aus purem Machtdünkel verbreitet wurden. Das seien aber keine Lösungen, auch heute nicht. Landrat Steffen Burchhard sah den Wert der Ausstellung in der Möglichkeit die eigene Geschichte kritisch zu hinterfragen. "Wenn man aus der Historie lernen will, muss man wissen, woher man kommt", sagte er.

Die Ausstellung ist mit 3400 Euro aus dem Fördertopf des Lokalen Aktionsplanes Genthin und Jerichow finanziert worden. Zu sehen ist sie bis zum 5. Dezember. Für Gruppen werden Führungen angeboten. Diese können in der Stadt- und Kreisbibliothek angemeldet werden. Telefonnummer: (03933) 80 56 27.

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