In Genthin ist ein Meinungsstreit über den Zustand der Sportstätten entbrannt. Die Volksstimme forderte Leser auf, ihre Meinung zu äußern.

Von Kristin Schulze

Genthin l Wurde in der Vergangenheit genug für Genthins Sportstätten getan?, fragte die Volksstimme in der vergangenen Woche. Hintergrund ist die Äußerung von Bernd Mittelstädt. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes sagte: "Gommern oder Burg haben in den vergangen Jahren viele Sportstätten geschaffen oder saniert." In Genthin sei diesbezüglich sehr wenig passiert. Horst Leiste und Birgit Vasen hatten ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht und als Beispiele die Schwimmhalle und die Sporthalle an der Berliner Chaussee angeführt.

"Recht haben sie", sagt auch Elko Bernau, langjähriger Mitarbeiter der Schwimmhalle: "In anderen Städten sieht es nicht besser aus." Die Schuld sieht er bei Land und Bund, nicht bei der Stadt. "Die Zuweisungen sinken. Wovon sollen Sanierungen denn bezahlt werden?"

Erhard Hölzel - ehemaliger Sportler und Schiedsrichter - sieht das völlig anders. "Die Stadträte klopfen sich auf die Schulter und stellen fest, dass es uns eigentlich an nichts fehlt ..." Man könne aber vom guten Zustand der Schwimmhalle nicht darauf schließen, dass es um andere städtische Sportstätten ebenso gut steht. "Die Genthiner Räte haben sich jetzt und in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Leidtragende sind besonders die Leichtathleten und die Judosportler." In der Nachkriegszeit sei Genthin eine Hochburg des Leistungssports im Gehen gewesen, Wettkämpfe mit internationaler Beteiligung fanden statt. "Als der Leichtathletikverband den schlechten Zustand der Laufbahn auf dem Genthiner Sportplatz zum Anlass nahm, die Veranstaltung nach Naumburg zu verlegen, war das Geschrei groß. Es tat sich aber nichts, um die Bahn zu modernisieren. In diesem Zustand ist sie noch heute." Hölzel weiter: "Die Genthiner Leichtathleten bringen viele Pokale und Medaillen von Wettkämpfen mit, weil derartige Wettkämpfe in Genthin nicht möglich sind. Die Stadträte sollten sich einmal die Arbeit machen und den Trainingsbetrieb dieser Kinder auf unzumutbaren Sportanlagen an der Uhlandschule anschauen." Auch die Umstände, unter denen die Judosportler trainieren, kritisiert Hölzel: "In den 70er Jahren erhielten sie eine nicht mehr genutzte Bauarbeiterbaracke im Baumschulenweg als Trainingsstätte." Auch hier hätten die Stadträte Gelegenheit, um für diese großartige Truppe Verbesserungen zu schaffen. Hölzel resümiert: "Genthin hat sehr viel verpasst. Bei einem Vergleich mit Gommern, Burg, Tangermünde, Stendal, Rathenow... hat Genthin das Nachsehen."

So sieht das auch der ehemalige Landrat Detlev Lehmann vom Genthiner Volleyballverein. "In den zurückliegenden Jahren habe ich sowohl beruflich wie auch als Sportler viele Sporthallen kennengelernt. Aus dieser Vergleiche ermöglichenden Kenntnis heraus muss man dem Geschäftsführer des Kreissportbundes, Bernd Mittelstädt, zustimmen. Die Genthiner Sporthallen geben kein gutes Bild ab und hinken der Entwicklung anderenorts hinterher. Dabei erkenne ich durchaus an, dass die eine oder andere Investition stattgefunden hat. Betrachtet man jedoch die Zeiträume, in denen die Investitionen getätigt wurden und dazu den relativ starken normalen Verschleiß bei hoher Auslastung durch Schulen und Vereine, müsste jedem klar sein, dass punktuelle Investitionen nicht ausreichen, sondern Geld konzeptionell und in kürzeren Perioden zur Werterhaltung eingesetzt werden muss. Dabei erwarten die Sportler keinen Luxus. Aus den Gesprächen untereinander höre ich auch immer wieder Verständnis für die Einführung von Hallennutzungsgebühren. Das setzt aber voraus, dass man die Sporthallen in einem geordneten Mindestzustand vorfindet. Doch so wie ich es wöchentlich in der Uhland-Sporthalle erlebe, wo man zu Trainingsbeginn regelmäßig zum Besen greifen oder gar das Parkett nach Glassplittern heruntergefallener Leuchtstoffröhren absuchen muss, kann es dafür keine Akzeptanz geben.

Der Zustand der Uhland-Sporthalle ist ein trauriges Beispiel dafür, dass durch mangelnde Werterhaltungsmaßnahmen Einrichtungen in den Zerfall gespart werden. Später dann notwendige Neuinvestitionen dürften der klammen Stadtkasse um ein Vielfaches teurer kommen."