Seit zwei Monaten sitzen Vertreter der Stadt, des TGZ und der QSG mit Versorgern und Unternehmen des Chemieparks an einem Tisch, um langfristig eine Entflechtung im Chemiepark zu avisieren. Bisher liefen alle Medien wie Gas, Wasser Strom und Dampf über das Waschmittelwerk. Der langwierige Prozess der Entflechtung ist in Gang gesetzt worden.

Genthin l Immer wieder habe in den letzten Tagen die Zukunft der Hansa Group im Vordergrund gestanden, dabei blieben die erheblichen Auswirkungen auf die anderen Unternehmen, die im Industriepark angesiedelt sind, außen vor, sagt Bürgermeister Thomas Barz.

Bedauerlicherweise, denn auch sie durchlebten mit einer möglichen Insolvenz des Waschmittelwerkes eine Zitterpartie um ihre Zukunft. Sie alle hängen, um es salopp zu sagen, "an dem Tropf des Waschmittelwerkes", was die Versorgung mit solchen Medien wie Gas, Wasser, Dampf oder Strom betrifft.

Es sei auf dem Gelände des Industrieparkes mit dem Weggang Henkels im Jahr 2009 strukturell nicht viel passiert. Hansa ging einfach in das Areal hinein, zwischenzeitlich siedelten sich auch noch weitere Unternehmen an bzw. die bereits vorhandenen Unternehmen hatten auch keinen Handlungsdruck, an der bisherigen Struktur Änderungen herbeizuführen, versucht Genthins Bürgermeister, die Komplexität dieser Entflechtung zu erklären. Dabei sei es die Aufgabe der QSG - vormals SBG - gewesen, so genannte Dienstleistungsverträge abzuschließen. Auch hier haben man sich "in die bisherige, für alle Beteiligten tragfähige Struktur eingefügt und ging davon aus, dass alles so bleibt, wie es ist."

Als das Waschmittelwerk dann in Bedrängnis geriet, drohte es, andere Unternehmen des Industrieparkes mit in den Abgrund zu reißen. Nachdem das Waschmittelwerk nicht mehr zahlungsfähig war und Forderungen nicht beglichen werden konnten, drohten einige Versorger die Leistungen einzustellen. Aufgrund einer sehr intensiven Zusammenarbeit zwischen allen Handelnden sei es immer wieder möglich gewesen, Lösungen zu finden. Ebenso habe es Pläne gegeben, wie im Falle des Falles weiter verfahren werden könnte, so Barz.

Zwar konnte diese akute Gefahr abgewendet werden, doch um den Standort Industriepark perspektivisch zu sichern und eine Entwicklung aufzuzeichnen, sei diese so genannte Entflechtung notwendig, macht Barz deutlich. Das Ziel dieser Entflechtung würde letztlich darin bestehen, die einzelnen Unternehmen, die sich auf dem Industriepark angesiedelt haben oder dies noch beabsichtigen, endverbraucherfähig zu gestalten.

"Das wird eine Arbeit sein, die uns mit Sicherheit über mehrere Jahre hinweg beschäftigt", sagt Barz. Ähnliche Vorgänge gab es beispielsweise an den traditionellen DDR-Chemie-Standorten in Bitterfeld und Leuna.

Dem vorangestellt ist allerdings eine Machbarkeitsstudie, für deren Anfertigung die Stadt Genthin einen Antrag auf Fördermittel gestellt hat. 185 000 Euro werden in diese Studie investiert.

Bei der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses hatte der Stadtchef informiert, dass die Stadt Genthin für diesen Fördermittelantrag die Unterstützung des sachsen-anhaltischen Wirtschaftsministeriums erhalte.

Barz versuchte, die Vielfalt der Aufgaben zu erklären, die mit dieser Entflechtung im Chemiepark verbunden sein werden. Es ginge beispielsweise um das Straßennetz, um den Verlauf verschiedenster Leitungen und deren technischen Standard sowie um Leitungsrechte. Zentrale Frage bleibe bei alledem die Zukunftsfähigkeit des Standortes. Man werde sich darüber hinaus bei der Entflechtung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen beschäftigen müssen. "Uns erwartet mit der Entflechtung in den nächsten Jahren eine echte Herausforderung, aber wir sollten diese Dinge nicht vor uns herschieben", sagt der Bürgermeister im Gespräch mit der Volksstimme.

Im Chemiepark sind derzeit etwa zehn Unternehmen angesiedelt, die knapp 400 Fachkräfte in Arbeit bringen.

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