Die Paplitzer wollen sich der Gebührenerhöhung entziehen, die für alle Friedhöfe der Einheitsgemeinde Genthin bevorsteht. Ortsvorsteher und Stadtrat Franz Schuster überraschte am Donnerstag den Hauptausschuss mit einem ungewöhnlichen Vorschlag. Die Paplitzer wollen einen Alleingang unternehmen.

Genthin/Paplitz l Nachdem die neue Friedhofsgebührenordnung schweren Herzens von allen Ortschaftsräten abgesegnet wurde, deutete eigentlich nichts daraufhin, dass es noch nennenswerten Widerstand aus den Reihen des Hauptausschusses geben wird.

Doch der weht der Stadt nun ausgerechnet aus einem der kleinsten Ortsteile, aus Paplitz, ins Gesicht.

Denn die Paplitzer wollen die Pflege ihres Friedhofes selbst übernehmen, um so die Anlage zu geringeren Kosten bewirtschaften zu können.

Franz Schuster sagte, dass dieser Vorschlag das Ergebnis einer Einwohnerversammlung sei, an der sich etwa 50 Paplitzer beteiligt hätten. Er habe den Paplitzern eingangs dieser Versammlung die geplante Gebührenerhöhung dargelegt. Vernünftig und sachlich, ohne polemisch zu sein, betonte der Ortsvorsteher.

Die Mitglieder des Hauptausschusses reagierten auf diesen Vorschlag zunächst verhalten. Als Erster meldete sich Heinrich Telmes (Pro Genthin) zu Wort: "Das wird nicht funktionieren", sagte er unter Kopfschütteln.

Andy Martius (CDU-Fraktion): "Ich kann die Bemühungen der Paplitzer durchaus nachvollziehen." Doch die Umsetzung des Vorschlages werde zum einen zeitlich schwierig. Martius gab zum anderen zu bedenken, dass auch für einen Verein nicht unerhebliche Personalkosten für einen Sachbearbeiter anfallen würden.

Hier hakte auch Bürgermeister Thomas Barz ein. Der Löwenanteil der Bewirtschaftung eines Friedhofes, sagte er, liege nicht allein in den Grünschnittarbeiten, die die Paplitzer selbst ausführen wollen. Barz warnte die Paplitzer deshalb davor, dass ihnen mit diesem Vorschlag der große Wurf gelungen sei. Er gab zu bedenken, dass unter anderem in die Gebührenkalkulation Kosten für Sanierungen Eingang finden. Als Hauptargument gegen den Verein führte er allerdings an, dass es bei der Unterhaltung und Pflege eines Friedhofes keine Vermischung mit hoheitlichen Aufgaben geben dürfe.

Barz appellierte mehrfach, mit dem Thema in der weiteren Diskussion sehr sensibel umzugehen. Gleichwohl räumte er ein, den Grundgedanken der Paplitzer zu verstehen.

Als Fürsprecher des Vorschlages erwies sich Harry Czeke (Die Linke): "Wenn die Leute das wollen, sollen sie das machen." Es gebe für alles eine Lösung, sagte er an Telmes gerichtet, der Bedenken hinsichtlich der Versicherung vorgetragen hatte.

Letztlich lenkte der Bürgermeister ein: "Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, ob der Paplitzer Vorschlag vorstellbar und umsetzbar ist." In diesem Jahr sei dies allerdings nicht mehr möglich. Die neuen Friedhofsgebührensatzung geht nun auch mit der Zustimmung des Hauptausschusses in den Stadtrat, der am 27. November darüber abstimmt.