Genthin l Nicht nur Kinderaugen werden leuchten, wenn in diesem Jahr die weihnachtliche Sonderausstellung im Genthiner Kreismuseum eröffnet wird. "Wir zeigen Fahrzeuggeschichte im Miniaturformat", erläutert Antonia Beran. Der Name Wiking lässt auch erwachsene Sammlerherzen höher schlagen. Steht er doch für Spritzgussmodelle von besonderer Güte. "Man kann das schön bei den kleinen Leitern der Feuerwehrautos sehen oder am Schild der Taxis", nennt Beran zwei Beispiele. Die Modelle haben zumeist einen Maßstab von 1:100 oder 1:90. Feuerwehrfahrzeuge, Rettungsdienst, Nutzfahrzeuge aus der Land- und Forstwirtschaft oder Pkw der verschiedensten Typen seit 1930. Noch warten viele der Modelle darauf, ausgepackt und vorsichtig in den Vitrinen des Museums aufgebaut zu werden. "Aber", da ist sich Antonia Beran sicher, "zur Eröffnung sind alle Modelle zu sehen."

Die Geschichte der kleinen Automodelle ist lang und hat ursprünglich auch gar nicht so viel mit Straßenverkehr zu tun. Die Firma Wiking wurde 1930 in Berlin von Karl Friedrich Peltzer gegründet. Damals fertigte man Schiffsmodelle aus Metallguss im Maßstab 1:1250. Schon vor dem Krieg begann Peltzer mit Kunststoffmodellen im thermoplastischen Spritzguss. Ab 1948 entwickelte die Firma, die heute in Lüdenscheid ansässig ist, die "Wiking-Verkehrs-Modelle".

Die kleinen Fahrzeuge seien ursprünglich nicht als Spielzeug hergestellt worden. "Eigentlich waren das Utensilien für Gerichte oder Fahrschulen, um Verkehrssituationen nachzustellen." Mit den Jahren habe sich aber eine immer größer werdende Fangemeinde gebildet, in der gesucht, getauscht und komplettiert wird. Zu den eifrigen Sammlern gehört die Wahlgenthinerin Verena-Ramona Volk. Sie hat dem Museum die Modelle für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. "Ich freue mich schon darauf, die Schau mitzueröffnen und den Menschen aus Genthin, vielleicht sogar aus ganz Sachsen-Anhalt, diese wunderbaren Stücke näherzubringen", blickt sie voraus.

Es ist wohl eine ganz besondere Sammelleidenschaft, die sie einst gepackt hat, seit die ersten Wiking-Autos in der Schultüte steckten. Mittlerweile ist die Sammlung auf 3021 Stücke angewachsen, geordnet in 16 Hauptgruppen und 139 Untergruppen. Es lasse sich die Fahrzeuggeschichte einzelner Baureihen nachzeichnen. "Die Besucher können nachvollziehen, wie sich Autos im Laufe der Jahrzehnte verändert haben."

Die Wiking-Sammlung gilt heute als eine der umfangreichsten in privater Hand und war bereits in Kissing, Augsburg und Friedrichshafen zu sehen. Verena-Ramona Volk möchte sich allerdings von der Sammlung trennen. "Ich bin fest entschlossen, der Stadt Genthin oder dem Landkreis Jerichower Land diese einmalige Sammlung mit einer Schenkungsurkunde zu überlassen." Ihre Auflage sei nur, dass die Stücke gesichert und dauerhaft in einer angemessenen Form gezeigt werden. Im Kreismuseum wird die Sammlung ab der kommenden Woche zu sehen sein. Kleine Beschreibungen erleichtern den Besuchern die Beschäftigung mit den Modellen. Es gibt einige sehr schöne Stücke, die wir besonders hervorheben möchten", so Antonia Beran. Neben den Miniaturen gibt es auch eine Reihe von Fotos historischer Fahrzeuge.

"Damit soll in Erinnerung gerufen werden, welche Gefährte einst auf den Straßen Genthins und der Umgebung unterwegs waren." Dabei seien einige ganz hübsche Aufnahmen zu sehen, macht Museumsmitarbeiter Wolfhard Meerkatz neugierig. "Es gibt ein Foto eines Postautos von Pferden gezogen mit der Postbotin hoch zu Ross", erzählt er mit einem Lachen.

Am 6. Dezember wird die Ausstellung ab 14 Uhr eröffnet. "Dann gibt es auch ein Preisrätsel für Kinder zwischen 6 und 16 Jahren, kündigt Antonia Beran an. Bis zum 15. Februar wird die Sonderschau zu sehen sein.

Gruppen können sich bereits jetzt unter der Telefonnummer 03933/80 35 21 für Führungen anmelden.

 

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