Die reiche Katze Koschka feiert, singt und tanzt mit ihren tierischen Freunden. Doch als ihr Haus abbrennt, ist niemand da, der sie aufnehmen will.Niemand? Nicht ganz. Aber davon erzählt das diesjährige Weihnachtsmärchen des Gat-Ensembles.

Genthin l Als der Vorhang nach der Premiere fiel, konnten die Zuschauer ein großes Plumpsen hören. Es waren die Steine, die den Mitwirkenden des diesjährigen Weihnachtsmärchens des Genthiner Amateurtheaters (gat) vom Herzen gefallen sind.

Regisseur und gat-Chef Eckhard Neumann genoss nach der Premiere einen winzigen Moment des Rückzuges hinter der Bühne. "Zum Glück ist alles gut gegangen", sagte er mit großer Erleichterung. Diesmal gab es mehr als den üblichen Premierenstress. Denn das Team hatte im Vorfeld mit Erkrankungen und damit bedingten Umbesetzungen zu kämpfen. Die Generalprobe am Vormittag war in einigen Rollen noch anders besetzt als die spätere Premierenvorstellung. Das Stück, bereits 1984 und 1997 vom gat auf die Bühne gebracht, bestach dessen ungeachtet durch eine schwungvolle Inszenierung und die Spielfreude des gesamten Ensembles. Die Geschichte um die kaltherzige Katze Koschka steht in dieser Saison auf vielen Spielplänen, da sich der Todestag des Autors Samuil Marschak in diesem Jahr zum 50. Mal jährt.

Der Erwartungsdruck, der auf dem gat vor dieser Premiere lag, war natürlich groß. Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Saal, erstmals ein erleuchteter Weihnachtsbaum - endlich weihnachtet es. "Ich bin wie alle Mitwirkenden richtig aufgeregt", bekannte Hauptdarstellerin Elke Hinze, bevor sich der Vorhang öffnete. Auch die Jüngeren bibberten ihrem Auftritt entgegen. "Hoffentlich klappt alles", wünschten sich Emma und Melissa, die in jeweils zwei Rollen zu sehen waren. Seit September hatten die fast 30 Darsteller geprobt, Text gelernt, an den Rollen gefeilt.

Herausgekommen ist ein unterhaltsames, auch erzieherisch wertvolles Stück, für das sich Eckhard Neumann in diesem Jahr entschieden hat. Auch in dieser Spielzeit hat er ein sicheres Händchen dafür gehabt, mit einem schmalen Budget für Kulissen und Garderobe eine Aufführung auf die Bühne zu bringen, an der große und kleine Zuschauer mit Auge und Herz über 60 Minuten gefesselt bleiben.

Das ist vielen originellen Dialogen, dem Spielwitz und sicherlich so manchem Gag, der Eingang gefunden hat, zu verdanken. In der Inszenierung gelang es, die Sprache und Gestik der Tiere so umzusetzen, sodass es dem großen und kleinen Publikum Freude machte, dem munteren Treiben auf der Bühne zuzuschauen. Die heiter, humorvollen Töne gelingen genau so wie die melancholisch nachdenklichen. Etwa wenn die Katze, nachdem sie kein Quartier findet, feststellen muss: "Ich dachte, es wären Freunde, jetzt jagen sie uns fort wie Feinde."

Auch in diesem Jahr gab es für die "Altstars" Frank Zelmanski als Herr Bockowitsch, Elke Hinze als Fürstin Koschka und Jürgen Wagner als Baron von Hahn Paraderolle. Für gat-Mitbegründerin Lisa Wolf wurde eigens eine Rolle geschaffen. Sie alle geben dem Weihnachtsmärchen den erwarteten und gewohnten Glanz. Gleichwohl setzte auch der Nachwuchs, insbesondere die Ferkel - besetzt mit Emma Heinrich, Nele Schaldach und Melissa Skiba - ein Achtungszeichen. Ihr fröhlicher und unbekümmerter Ausruf "Schwein sein ist schön" erheiterte das Publikum. Das gat erntete nach der Vorstellung einen riesigen Applaus, an dem auch die Techniker einen Anteil haben. Selbst bis zur letzten Zuschauerreihe sorgten sie für eine sehr gute Tonqualität. Zum Schluss übergab Genthins Bürgermeister Thomas Barz an Ensemble-Leiter Eckhard Neumann einen Regenschirm mit dem Wappen der Kanalstadt. Die Mitglieder des gat sollten wissen, dass die Stadt sie nicht im Regen stehen lassen würde, sagte er bei der Übergabe.

 

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