Aufklären über das Thema "Gewalt in der Partnerschaft" ist Anliegen des DRK-Regionalverbandes, der Frauenhäuser im Jerichower Land und der Interventionsstelle in Magdeburg. Einen aktuellen Anlass bot der Tag gegen Gewalt gegen Frauen.

Burg/Genthin l Einen Beitrag leisten, dass das Thema Gewalt gegen Frauen in der Partnerschaft nicht aus dem Blick gerät. Diese Botschaft möchte Autorin Inge Merkentrup mit ihrem Roman "Schatzmutter schießt scharf" vermitteln.

Einen Anlass für die Lesung in der Burger Stadtbibliothek "Brigitte Reimann" bot der weltweite Tag gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November. Vertreter des DRK Regionalverbandes, der Frauenhäuser in Burg und Genthin und der Interventionsstelle Magdeburg klärten anschließend schwerpunktmäßig über Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften auf.

"Es sind die Kleinigkeiten, die den Frauen in ihrer Beziehung auffallen und sie erkennen lassen, dass sie sich in ihrer Partnerschaft doch nicht so wohl fühlen", sagte Autorin Merkentrup, die selbst im nordrhein-westfälischen einen Frauengesprächskreis betreute. Seit 2009 liest sie aus der Geschichte um ein junges Ehepaar, dessen Verhältnis zunehmend von psychischer und körperlicher Gewalt bestimmt wird. Bis zu dem Punkt, an dem ein Gefühl von Ohnmacht die junge Ehefrau beschleicht. Das Ende der Geschichte ließ Merkentrup offen.

Dass sich häusliche Gewalt oft aus alltäglichen Partnerschaftsmotiven entwickelt, belegte Lissy Herrmann von der Interventionsstelle für häusliche Gewalt und Stalking in Magdeburg. Zwei Dinge machte sie besonders deutlich. Es gebe keine körperliche Gewalt ohne psychischen Gegenpart. Und: "Gewalt an Männern durch die eigene Partnerin ist noch ein weit größeres Tabuthema."

Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) war in diesem Zusammenhang daran interessiert, wie sich gesellschaftliche Zusammenhänge auf Gewalt in der Beziehung auswirken.

"Je schlimmer das soziale Umfeld, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit für häusliche Gewalt", berichtete Karl Heinz Summa aus eigener Erfahrung in der Arbeit des "Weißen Ringes" im Jerichower Land.

Fest steht für Susann Schuster, Leiterin des Burger Frauenhauses: "Es ist wichtig, Frauen zu ermutigen, dass sie Anzeige gegen den Partner erstatten." Danach hätten sie deutlich mehr Kraft für weitere Schritte. Die tägliche Arbeit im Burger Frauenhaus zeigt, dass die Zahl der Frauen zwischen 20 und 30, die Hilfe benötigen, steigt. Sie bringen zudem zusätzliche "Pakete" mit. Damit meint Schuster psychische Erkrankungen, die eine umfangreichere Nachsorge einfordern.

Zwei Frauenhäuser gibt es im Jerichower Land. In Burg stehen sechs Aufnahmeplätze und eine Beratungsstelle für häusliche Gewalt zur Verfügung. Das Frauenhaus des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) in Genthin bietet vier Opfern häuslicher Gewalt einen Schutzraum.

Andy Martius, Vorstand im DRK-Regionalverband, ist froh, dass es wenigstens zwei Frauenhäuser im Landkreis gibt, die sich um Betroffene kümmern. In Burg und Genthin bereits seit über 20 Jahren. Sachsen-Anhalt weit gibt es 20 dieser Einrichtungen. Allein in Sachsen-Anhalt wandten sich im Jahr 2013 insgesamt 1400 Betroffene von häuslicher Gewalt oder Stalking an eine der vier Interventionsstellen im Land. 95 Prozent davon waren weiblich.

Ein Frauenhaus bietet weiblichen Betroffenen einen Schutzraum, der ihnen Abstand zur derzeitigen unerträglichen Lebenssituation gibt. Hier haben Frauen die Möglichkeit darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll und die professionelle Unterstützung, dies in Angriff zu nehmen.

Hilfe bekommen Betroffene von Gewalt in Partnerbeziehungen aber auch bei der Opferschutzbeauftragten Ines Kubbe des Revierkommisariats im Jerichower Land, Ambulanten Frauenberatungsstellen oder der Opferberatung der sozialen Justiz.

"Niemand ist vor Gewalt in Partnerbeziehungen gefeit, denn die Gründe sind so alltäglich, dass man sie nicht aus dem Blick verlieren sollte", betonte Herrmann.

Gastleserin Merkentrup lobte die vorgestellte Arbeit in den Frauenhäusern des Jerichower Landes. Der Eindruck der Autorin: "Ihre Arbeit ist sehr konkret und sie wissen, wovon sie sprechen."

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