Parchen l Vom höchsten Punkt der Alten Burg kann Karl Hoppe den Parchener Kirchturm sehen. Dahinter blitzen die Flügel von neumodischen Windrädern hervor. Die Legende sagt, dass die Kirche einst mit Steinen von der Alten Burg errichtet wurde. "Aber das ist eher unwahrscheinlich", sagt Hoppe. Der 61-jährige Genthiner hat Anfang des Jahres ein vier Hektar großes Areal rund um die Burg bei einer Internet-Auktion ersteigert. Jede Menge Weideland. "Nein, hier stand keine Burg." Er glaubt an die Theorie, dass es sich hier um die Reste eines Jagdschlosses handelt.

Soweit die Historie Parchens. Eine sehr viel jüngere Tradition ist das Parchener Osterfeuer auf einem kleinen Hügel der Alten Burg. Der damalige Bürgermeister Horst Kühne hat das Entfachen des Osterfeuers als Brauchtum im April 1992 aufgegriffen. Parchen gehörte zu den ersten Dörfern nach der Wende im Jerichower Land mit einer solchen Osterfeuerveranstaltung. Bei gutem Wetter kamen in den 90er Jahren bis zu 1000 Besucher. Seit 1994 sind die Jagdhornbläser immer mit von der Partie. Erst später begannen die anderen Dörfer ihre eigenen Feuer zu entfachen.

Seit mehr als 20 Jahren erinnert ein riesiger Steinblock auf einem Burghügel an die Geschichte dieses Ortes. Auf diesem Findling steht die Aufschrift "1197 Alte Burg".

Alte-Burg-Besitzer Karl Hoppe meint: "Hier sollte die Osterfeuer-Tradition fortgesetzt werden." Er hat auch schon Vorstellungen, wie diese Veranstaltungen ablaufen könnten: "Die Getränke- und Verkaufsstände ziehen ein ganz kleines Stück weiter zum großen Weg. Dort soll dann auch das Feuer lodern." Hoppe hat den Burghügel bereits aufgeräumt, eine alte Feldsteinmauer saniert und Wege dorthin passierbar gemacht. "Ich könnte mir gut vorstellen, dort Führungen für die Besucher zu machen." Für ihn ist das "Stöbern in den Schätzen der Region" nicht mehr als ein Hobby.

Hoppe hat nur eine Bedingung: "Das Holz für dieses Feuer sollte erst kurz vor dem Verbrennen zur Feuerstelle gebracht werden dürfen." Er will damit ausschließen, dass Leute ansonsten ihr Gerümpel dort entsorgen.

Das Gerümpel sei der Grund, warum das Osterfeuer im nächsten Jahr zum ersten Mal an der Klapperhalle stattfindet. So begründete Ortsbürgermeister Dr. Hubert Schwandt die bereits gefallene Entscheidung vor dem Parchener Ortschaftsrat. Genthins Bürgermeister Thomas Barz ergänzte: "Wir sprechen von 27 Tonnen Müll, deren Beräumung die Stadt im vergangenen Jahr 4500 Euro gekostet haben." Fazit: Das Gelände an der Klapperhalle gehört der Stadt, dort lässt sich von den Stadtmitarbeitern leichter kontrollieren, was zum Verbrennen gebracht wird. Darum zieht das Osterfeuer ins Dorfzentrum.

Eine Entscheidung, die Kritiker auf den Plan ruft. Marika Schröder vom Heimatverein zum Beispiel: "An der Klapperhalle ist kein großes Feuer möglich", sagt die Parchenerin. Sie kritisiert, dass es keine richtige Absprache mit dem Heimatverein gegeben hat. "Die Alte Burg ist ein so besonderer Ort. Dort konnten die Kinder Eier trudeln, Besucher aus umliegenden Dörfern reisten an. Das wird sich mit dem Umzug an die Klapperhalle erledigt haben." Der Veranstaltung wird die Besonderheit genommen, kritisiert Schröder.

Ähnlich sieht das der Parchener Günther Schulenburg. "In unmittelbarer Nähe zum Feuer stehen die Klapperhalle und das Feuerwehrhaus. Das muss ein sehr kleines Feuerchen werden." Das Müll-Problem würde man mit dem Umzug auch nicht lösen: "Dann bringen die Leute ihren ganzen Dreck zur Klapperhalle", sagt Schulenburg. Hingehen will der Ortschronist aber dennoch. "Trotz Vorbehalten werde ich es ausprobieren."

Elke Lendner, Vorsitzende des Heimatvereins, sagt, dass der Verein in dieser Frage gespalten sei. "Es gibt durchaus auch Fürsprecher für die Klapperhallen-Variante."

Kritik kommt auch von den jüngeren Parchenern. Sabrina Richter (24) sagt zum Beispiel: "Das ist ein Bruch mit der Tradition. Ich finde das sehr schade. Schon als Kind habe ich an der Burg Eier getrudelt." Weil das Osterfeuer aber Gelegenheit sei, alle wiederzutreffen, wird sie auch zur Klapperhalle gehen.

Michael Herwig (29) sieht den neuen Veranstaltungsort positiv: "An der Alten Burg waren am frühen Abend die meisten durchgefroren und gingen nach Hause. Nun gehen danach sicher mehr zum Ostertanz, da die Klapperhalle ja in unmittelbarer Nähe zum Feuer ist. "Das kann eine Bereicherung für Parchen werden."

Wo würden Sie lieber die Flammen des Osterfeuers lodern sehen? Alte Burg oder Klapperhalle? Rufen Sie uns heute ab 11 Uhr unter (039 33) 87 34 26 an oder schreiben Sie eine Mail an kristin.schulze@volksstimme.de