Musik und Gespräche, um Vorurteile abzubauen - Mit dieser einfachen Idee startete der Sänger Robby Schulze ein Benefizkonzert. Am Freitag brachte er mit seinen Liedern Genthiner und syrische Flüchtlingen zusammen.

Genthin l Am Ende waren alle Besucher im Genthiner Konzertsaal auf den Beinen. Der Titel "Bodies moving" mit seiner eingängigen Melodie machte das Mitsingen leicht und aus dem Publikum einen großen Chor aus syrischen Gästen und Genthiner Besuchern.

Nur zur Gitarrenbegleitung präsentierte Schulze sein Programm aus englischen und deutschen Titeln. Dadurch entstand schnell eine besondere Nähe zum Publikum und eine ganz besondere Atmosphäre. Unterstützt wurde der 30-Jährige durch Sängerin Jenny Röllike, die den Titeln mit ihren manchmal nur kurz eingestreuten Gesangspart eine eigene Note gab. Auch auf dem im Januar erscheinenden Album "Laute Dinge leise" wird sie als Backgroundsängerin zu hören sein.

Musik spiegelt Seelenleben der Flüchtlinge

Schulze wechselte zwischen seinen englisch- und deutschsprachigen Titeln und streute auch manche Coverversion in das Repertoire. Bei Leonard Cohens "Hallelujah" übertraf sich Robby Schulze selbst. Die gefühlvolle Darbietung ließ es ganz still im Saal werden. Es gab niemanden, der in diesem Augenblick nicht konzentriert zuhörte. Dabei passten auch seine eigenen Kompositionen in den Rahmen. Textzeilen wie "Wir sind das Schiff, wo ziehen wir hin, wann legen wir ab?", spiegeln durchaus das Seelenleben der Flüchtlinge wider.

Mit dem Benefizkonzert sollten die syrischen Flüchtlinge in Genthin willkommen geheißen und ein gegenseitiges Kennenlernen ermöglicht werden. "Ich bin überwältigt von der Anteilnahme und der wunderbaren Stimmung", meinte Schulze, der das Konzert unter dem Eindruck der Verwerfungen des Bürgerkrieges in Syrien und der damit verbundenen Flüchtlingskatastrophe in dem arabischen Land initiierte. Daran erinnerte auch Genthins Bürgermeister Thomas Barz in seinen Eröffnungsworten. "Der Bürgerkrieg in Syrien tobt seit drei Jahren, drei Millionen Menschen sind in die Nachbarländer geflohen." Es sei eine wahre Katastrophe, die sich dort abspiele, da die Hälfte der Flüchtlinge Kinder und Jugendliche seien. "Wir müssen dafür sorgen, dass diese Menschen eine Chance haben, bei uns Asyl zu bekommen."

Das Konzert solle ein Signal für das gemeinsame Engagement eines friedliches Miteinanders sein. Barz wandte sich direkt an die syrischen Anwesenden: "Seien Sie unsere Gäste, sol ange Sie unsere Unterstützung brauchen." Der Schirmherr des Abends, Landrat Steffen Burchhardt( SPD), nannte die Idee für das Konzert "großartig". Er habe diese gern mitgetragen. Er hoffte, dass die Flüchtlinge gut aufgenommen wurden.

Gespräche mit Flüchtlingen in den Pausen

Der Abend wurde durch lange Pausen unterbrochen, in denen sich Gespräche mit den Flüchtlingen ergaben. 60 syrische Flüchtlinge sind in Genthin untergebracht. Einige von ihnen hatten das Konzert besucht und erzählten auf Englisch von Erlebnissen in ihrer Heimat, aber auch von der Ankunft in Deutschland. Manche Syrer sind erst vor wenigen Tagen in Genthin eingetroffen, andere bereits schon mehrere Wochen in der Kanalstadt. "Die Menschen in Genthin sind sehr freundlich und lächeln viel", hat beispielsweise Jamil Ekhdeir festgestellt. Seine Familie ist noch in der umkämpften Stadt Aleppo. Mit dem Handy telefoniere er oft nach Hause. Auch wenn die Verbindung schlecht sei, so erfahre er, dass die Familie noch am Leben ist. "Es ist für uns alle nicht leicht", meinte Ahamad Battrish, der an diesem Abend als Übersetzer fungierte.

Er sei dankbar, dass sie in Genthin aufgenommen worden seien. "Wir sind froh, dass es diese Geste gegeben hat und wir in den schweren Zeiten nicht allein gelassen wurden", betonte er. Auch wenn sich viele Flüchtlinge in den Gesprächen an ihre Heimat erinnerten, manche auch Fotos von ihren daheim gebliebenen Verwandten zeigten, dominierten die heiteren Momente. Fotos wurden aufgenommen, Robby Schulze um Autogramme gebeten und einfach locker geplaudert. Denn manch syrischer Gast hofft darauf, in Deutschland den ersten Schnee zu erleben. "Das gibt es bei uns nicht", sagt Jamil Ekhdeir, "Dort regnet es nur." Gemeinsam hatten sie einige Dankesworte vorbereitet, die Khaled Al Assadi stellvertretend für die Flüchtlinge vortrug. "Wir haben die Hilfe benötigt und wir bedanken uns, dass Sie für uns da sind", sagte er in seiner auf Deutsch gehaltenen Rede. Am Ende des Abends waren viele Besucher begeistert. "Das war eine ganz tolle Atmosphäre", bestätigte Zuhörerin Carolin Heise. Der Landtagsabgeordnete Sören Herbst meinte: "Die Veranstaltung sollte ein Vorbild für andere Städte in Sachsen-Anhalt sein." Die Einnahmen aus dem Konzertabend sollen für ein kleines Geschenkpaket mit Dingen des Alltags verwendet werden.

   

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