Das Dorfgemeinschaftshaus "Haus Fienerland" in Fienerode hat ausgedient. In Kürze steht es zum Verkauf. Der Vorschlag kam von Ortsvorsteher Ludger Schattmann, nachdem in dem Gebäude über Jahre hinweg keine Veranstaltungen stattfanden.

Fienerode l Das "Haus Fienerland" dürfte die längste Zeit seinen wohlklingenden Titel getragen haben.

Doch der Abschiedsschmerz von dem geschichtsträchtigen Haus wird sich sowohl bei der Stadt als auch bei Ortsbürgermeister Ludger Schattmann in Grenzen halten.

Denn der Vorschlag, die Immobilie zu veräußern, kam vom Ortsbürgemeister persönlich und wohl auch etwas überraschend. "Das kam für mich unvorbereitet, ich habe Herrn Schattmann nicht zu dieser Entscheidung gedrängt", versicherte auch Bürgermeister Thomas Barz vor den Mitgliedern des Hauptausschusses. Gleichwohl wertete er diesen Schritt als Indiz dafür, dass die immensen Sparbemühungen der Stadt auch von den Ortsbürgermeistern mitgetragen werden.

Ludger Schattmann sagte gegenüber der Volksstimme, dass eine weitere Bewirtschaftung der Immobile keinen Sinn mehr mache. Es gebe keine Nachfrage: So hätten in den Jahren 2013 und 2014 in den Räumlichkeiten keinerlei Feierlichkeiten oder Versammlungen mehr stattgefunden. Hingegen sind für das vergangene Jahr bei der Stadt Bewirtschaftungskosten in Höhe von knapp 1200 Euro angefallen.

Die Diskussion im Hauptausschuss in der vergangenen Woche, bei der der Verkauf des Dorfgemeinschaftshauses als Informationsvorlage zu behandeln war, lenkte Heinrich Telmes (Pro Genthin) in eine sachlich knappe Richtung. "Ich bin erstaut, dass Ludger Schattmann inzwischen seine Meinung über das Dorfgemeinschaftshaus geändert hat. Wenn er als Ortsvorsteher sagt, es geht nicht mehr, können wir zu einem Verkauf stehen", so Heinrich Telmes.

Vor gut zehn Jahren sah der Fieneröder Gemeinderat für das Dorfgemeinschaftshaus eine gute Zukunft voraus. Es wurde 2000/2001 mit Mitteln der Dorferneuerung saniert und sollte zu einem Kommunikationszentrum mit einem Festplatz entwickelt werden. Die Immobilie wurde daraufhin einer einfachen Dach- und Fassadensanierung unterzogen, erhielt neue Fenster und Türen. Gleichzeitig entstanden ein Versammlungsraum und eine kleine Küche, während ein Teil der Immobilie jedoch unsaniert blieb.

Nicht uninteressant für einen heutigen Verkauf: Im Zuwendungsbescheid war seinerzeit kein gesonderter Zweckbindungsvermerk oder eine -frist ausgewiesen. Doch die großen Pläne mit dem neuen Dorfgemeinschaftshaus gingen nicht auf. Die Fieneröder zieht es für Veranstaltungen und Versammlungen in die hiesige Gaststätte.

Mittlerweile befindet sich die kommunale Immobilie, wie Bürgermeister Thomas Barz einräumte, wieder in einem sanierungswürdigen Zustand. Außerdem sei die Wohnung im Gebäude unsaniert und nur mit hohen Aufwendungen herzurichten.

Das "Haus Fienerland", hieß es auf der Hauptausschusssitzung, wird nun auf der Internetseite der Stadt Genthin zum Kauf angeboten.

"Haus Fienerland", erbaut im Jahr 1912, diente bis zum Tod des Lehrers Erich Rogge im Jahr 1954 als Schule, die sowohl Kinder aus Fienerode, aber auch aus Hüttermühle besuchten. Acht Klassen wurden hier von einem Lehrer unterrichtet. Zu DDR-Zeiten wurde die alte Schule als Konsum-Verkaufsstelle genutzt.