Zum Jahresende läuft das Projekt "ALSO" der Diakonie Jerichower Land in Genthin aus. Damit enden zumindest vorläufig auch die bei vielen Jugendlichen beliebten Mitternachtsturniere in der Sporthalle.

Genthin l Um punkt 22 Uhr am Freitag wurde in der vergangenen Woche das ALSO-Fußballturnier in der Sporthalle an der Berliner Chaussee angepfiffen.

Sechs Mannschaften waren am Start und spielten um den Sieg beim Mitternachtsturnier. Zum letzten Mal. Denn zum Jahresende läuft die Bürgerarbeit bei der Genthiner Diakonie aus. Da die Turniere dann nicht mehr betreut werden können, wird dieses 14-tägige Angebot eingestellt. Die jugendlichen Teilnehmer als direkt Betroffene zeigen sich enttäuscht. "Es ist sehr schade drum", meint Zuschauer Andreas Suhl. "Man konnte sich hier mit Freunden treffen und es hat großen Spaß gemacht, die Mannschaften zu unterstützen." Auch Madeline Giehre, die dem Treiben auf dem Spielfeld gebannt zusah, findet die Beendigung "total schade". Man müsse gar nicht mitspielen, um einen unterhaltsamen Abend zu haben, meint die 17-Jährige. Auch auf dem Feld bedauern die aktiven Teilnehmer das Aus. "Man konnte hier Fußball spielen, ohne in einem Verein zu sein und das geht jetzt gar nicht mehr", sagt Kevin Nethe vom Team Cookie-Clan. Für Philipp Grünenbaum war die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen ein wichtiger Aspekt. "Man konnte gegen Jüngere und Ältere spielen, mit denen man sonst nichts zu tun gehabt hätte."

In den vergangenen Jahren hat sich das Mitternachtsturnier unter der Regie des Genthiner ALSO-Teams zu einer festen Größe entwickelt. "Wir hatten im Durchschnitt 40 bis 50 Teilnehmer in bis zu acht Mannschaften", sagt Franko Pfitzner von ALSO Genthin. Dazu kamen stets noch einige Zuschauer, sodass die Halle stets gut besucht gewesen sei. Die Teilnehmer waren Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Rund zwei Jahren organisiert ein Team in Genthin die 14-tägigen Turniere, die in den warmen Monaten auf dem Sportplatz und im Winter in der Sporthalle stattfanden. Die Fußballturniere waren Teil des "ALternativen freizeitpädagogischen Antigewalt-SOfortprogramms", dafür stand das Kürzel ALSO. Dieser Anspruch konnte erfüllt werden. "Es waren immer sehr friedliche Turniere und die jungen Leute sind vernünftig miteinander umgegangen", bilanziert Franko Pfitzner.

Trotz des Erfolges gibt es in absehbarer Zeit keine neuen Turniere. "Für eine Fortführung des Projektes gibt es keine Finanzierungsmöglichkeiten mehr", begründet Reinbern Erben, Vorstand der Diakonie im Landkreis, den Schritt. Selbst die Einrichtung entsprechender Stellen über das JobCenter scheiterte an der fehlenden Regelung für einen Anleiter innerhalb des ALSO-Projektes. Ein kleiner Hoffnungsschimmer kommt von der Stadt Genthin. "Die Idee, diese Turniere fortzuführen, ist nicht von der Hand zu weisen, aber uns fehlen die Mittel und die Leute", sagt Bürgermeister Thomas Barz und fügt hinzu: "Wir haben Herrn Pfitzner angeboten, das Projekt mit einer kleinen Beteiligung der Teilnehmer fortzuführen." Pfitzner seinerseits will sich über die Feiertage ein Vorgehen überlegen. "Ich werde gern im neuen Jahr noch mal mit der Stadt ins Gespräch kommen", kündigt Pfitzner an.

Sollte man sich einig werden, ist ein Obolus seitens der Jugendlichen unausweichlich. Die Bereitschaft, einen Beitrag zu entrichten, ist bei den jungen Leuten vorhanden. "Klar, wenn es mit den Turnieren weitergeht, machen wir das", war die einhellige Meinung der Besucher.