Genthin gedenkt am Montag der Opfer der größten Eisenbahnkatastrophe in der deutschen Verkehrsgeschichte, die sich auf dem Bahnhof der Kanalstadt am 22. Dezember 1939 ereignet hat. 196 Menschleben und über 100 Verletzte waren seinerzeit zu beklagen.

Genthin l Viele Jahre totgeschwiegen rückt sie nach der politischen Wende im Jahr 1989 in das öffentliche Bewusstsein: die Genthiner Eisenbahnkatastrophe, die sich nunmehr zum 75. Mal jährt.

Deutschlandweit findet dieser traurige Jahrestag in den Berichterstattungen verschiedener Medien Beachtung.

In Genthin ist das Unglück Gegenstand einer Gedenkveranstaltung, die am Montag um 18 Uhr im Kreishaus (Brandenburger Straße 100) stattfinden wird. Der Förderverein Genthiner Stadtgeschichte, die Stadt- und Kreisbibliothek Edlef Köppen und das Kreismuseum lassen sich dafür in die Pflicht nehmen. Die Schirmherrschaft hat die Stadt Genthin übernommen.

Der Verlauf dieses Gedenkens wird allerdings von vergleichbaren Veranstaltungen erheblich abweichen.

Hochgelobt von Kritikern

Denn im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Hörspiel von Gert Loschütz "Besichtigung eines Unglücks", das diese Katastrophe thematisiert.

Gert Loschütz wurde für dieses Hörspiel von Kritikern aller Couleur hoch gelobt.

Er habe sich sehr lange mit den Recherchen beschäftigt, um dieses Hörspiel schreiben zu können, sagte Loschütz gegenüber der Volksstimme. Bei seinen Studien der zeitgeschichtlichen Unterlagen stieß er auch auf die Geschichte einer Frau, die das Unglück schwerverletzt überlebte und sich im Johanniter-Krankenhaus unter einem falschen Namen ausgab.

Die Gäste des Gedenkens werden bei dem Hörspiel eine literarisch-künstlerische Bekanntschaft mit ihr schließen.

Was kann der Zuhörer erwarten? Die "Funkkorrespondenz" schreibt über Loschütz` Werk: ...es gelingt dem Autor in einer faszinierenden dokumentarischen Recherche, die Spuren des Unglücks aufzudecken, die äußeren Gründe, die in einem menschlichen Versagen münden. .... Auf der zweiten Ebene, die gewissermaßen in den Zug und das Schicksal seiner Opfer hineinleuchtet, kann der investigative Autor Loschütz über Schicksale und deutsche Verwerfungen berichten, die ganz unmittelbar mit dem Krieg und der Judenverfolgung in Deutschland zusammenhängen."

Erstmalige Aufführung in Genthin

In Genthin wird dieses Loschütz-Hörspiel erstmalig zu verfolgen sein. Der Autor favorisierte als Ort für diese Aufführung ursprünglich den Genthiner Bahnhof. "Leider wird dies aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein", sagte er. Im Anschluss an die Hörspielaufführung können sich die Besucher mit Dokumenten über das Eisenbahnunglück vertraut machen, die der Förderverein Genthiner Stadtgeschichte zu einer kleinen Ausstellung zusammengefügt hat. Einführende Worte zur Ausstellung wird Wolfgang Bernicke vom Förderverein Stadtgeschichte sprechen, der die Schau auch regieführend begleitet.

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