Strahlende Kinderaugen - und auch ganz viele strahlende und verträumt dreinblickende Erwachsene: Das ist es, was für die meisten Menschen das Schönste an Weihnachten ist. In Redekin gab es das diesmal schon knapp drei Wochen vor dem Heiligen Abend - beim Weihnachtsmärchen des Redekiner Amateurtheaters.

Redekin l Seit acht Jahren führen die Redekiner beim Weihnachtsmarkt ein Märchen auf. Diesmal war es die erste selbstgeschriebene Geschichte. Zwar gab es immer viel Applaus und Anerkennung für die Laienschauspieler und ihr Technik-Team. Diesmal jedoch war das Publikum "hin und weg". Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Autorin Christine Graf war es gelungen, eine weihnachtliche Geschichte rund um Märchenfiguren und vor allem beliebte Figuren aus dem Kinderfernsehen, mit denen schon Eltern und Großeltern aufgewachsen sind, zu "weben". Und die Darsteller haben diese Figuren toll verkörpert, haben "Schnattchen" und "Pitti", Herrn Fuchs und Frau Elster und all ihre Freunde richtig zum Leben erweckt.

Die Idee dazu hat Christine Graf schon ein paar Jahre mit sich herumgetragen, erzählt sie. Dieses Jahr nun hat sie sich hingesetzt und eine Geschichte aufgeschrieben. "Bei der ersten Leseprobe waren einige noch nicht so überzeugt", schmunzelt sie. Und dann kam die erste Probe auf der Bühne, noch ganz ohne Kostüme. "O ja, das wird toll", waren sich nun alle einig.

Als dann die Aufführung bevorstand, war die Bühne allein schon ein Hingucker. Mit viel Liebe zum Detail wurde die Dekoration für den "Märchenwald" erweitert. Tischlermeister Fritz Bolle hat dabei geholfen. "Er hat uns das Fenster vom Fuchsbau gebaut", erzählt Christine Graf. Und ihr Sohn Alex hat eine alte Stalltür für den Fuchsbau hergerichtet.

Dann gab es da noch das Hexenhaus, die Wohnung von Familie Igel, das Waldpostamt, die Weihnachtsmannwerkstatt und -backstube, das Wolkenhaus von Frau Holle ...

Der Inhalt der Geschichte "Weihnachten im Märchenwald" in kurzen Worten: Die Märchenwaldbewohner schreiben ihre Wunschzettel für den Weihnachtsmann, natürlich mit ganz typischen Wünschen für die einzelnen Figuren. Herr Fuchs lädt dazu alle in seinen Bau ein. Dann bringen sie sie zum Waldpostamt, wo Postbote "Rudi Rentier" sie in Empfang nimmt. Beim Päckchenpacken helfen Schneewittchen und die sieben Zwerge. Die Hexe hat die Wunschzettel-Aktion verpasst und klaut nun die frisch gebackenen Lebkuchen vom Weihnachtsmann-Schlitten. Die ganze Gesellschaft holt sie sich später zurück. Zwischendurch wird noch Frau Holle um Schnee gebeten, und das Sandmännchen kommt zu den kleinen Zwergen.

Mit der Bescherung für die Märchenwaldbewohner endet die Geschichte, und die Bescherung der Kinder, die zugeschaut haben, schloss sich gleich an. Nun gab es tatsächlich zwei echte Redekiner Weihnachtsmänner auf der Bühne: Friedhelm Bierhals im Märchen und Alfred Magnus für alle anderen. Er kam wie schon seit Jahren in der Kutsche von Uwe Teickner.

Es wäre kein "echtes" Redekiner Märchen, wenn es dabei nicht auch einige "Redekiner Extras" geben würde. Auf die freuen sich viele Zuschauer immer schon besonders. Und als das RAT das Märchen später für die Senioren im Jerichower Bürgerhaus aufgeführt hat, da wurden ganz locker "Jerichower Extras" daraus.

So wurde die "Redekiner Eiche" zum Wohnsitz von Frau Elster, der "Cognacweg", die Windmühlen, der "Eiskellerberg" und der Pflaumendamm waren geografische Marken. Postbote "Rudi" kam mit einem echten alten Postfahrrad zur Bühne. "Das gehört Jörg Inzinger. Der hat es mal zum Geburtstag gekriegt und fährt jeden Tag damit zur Arbeit", erklärt Christine Graf.

Sie selbst war in die Rolle von "Meister Schwarzrock", dem Raben, geschlüpft und hatte eine Glocke dabei, mit der sie die Märchenwaldbewohner zusammen rief. "Das ist die Glocke von Herrn Frankowiak", behauptete sie auf der Bühne - und die Einheimischen lachten herzlich. Denn den kannten die Älteren gut. "Er war der Gemeindediener und ist in den 60er Jahren noch mit der Glocke durchs Dorf geradelt und hat gerufen: Der Rat der Gemeinde gibt bekannt!"

Nein, die echte Glocke war es nicht, aber die existiert tatsächlich noch und ist sogar jährlich in Gebrauch, verrät Christine Graf: "Alfred Magnus hat sie, wenn er als Weihnachtsmann kommt!"

Bei der Aufführung in Jerichow wurde daraus die "Glocke der Prämonstratenser aus dem Kloster". Das stimmte immerhin zum Teil: Es war die Glocke von Jan Wißgott, Leiter der Stiftungsverwaltung Kloster Jerichow. Aber sie war natürlich nicht so alt ...

Das "geografische Umdichten" für Jerichow war nicht so schwierig: "Wir haben Mangelsdorf dazu genommen, denn von dort waren ja auch Rentner da. Da gibt es auch einen Cognacweg und einen Pflaumendamm und Windräder ..." Nicht fehlen durfte der "Burgberg".

Und dann die Wunschzettelaktion. Da wurden einige "Promis" einbezogen: Auf dem Wunschzettel von Sport-Seniorin Gudrun Jahn standen neue Turnschuhe, bei Gastwirt Rainer Lucke ein neuer Suppentopf, bei Volkssolidarität-Chefin Ingrid Klemm ein Terminkalender, beim Bürgermeister "ein Sack voll Taler".

Das I-Tüpfelchen bei der Aufführung im Redekiner Park war aber zweifellos der Auftritt des Sandmännchens: Der sollte auch ganz zünftig wie früher ausfallen, fanden die RAT-Mitglieder. Was wäre da geeigneter als ein echter "Trabi"? Einen solchen hatte Peter Frille noch zu Hause zu stehen und erklärte sich auch bereit, als Chauffeur einzuspringen. Der Trabi wurde nicht weit entfernt am Rande des Parks bereit gestellt - und gerade als es losgehen sollte, kam die Polizei! Es war Regionalbereichsbeamtin Anja Andres, die hier mal nach dem Rechten schauen wollte - und sich plötzlich als Akteur im Weihnachtsmärchen wiederfand! Sandmännchen-Darsteller Tim Lach hatte sie einfach spontan gefragt, ob sie nicht den Trabi mit Blaulicht bis zur Bühne begleiten wolle. Zeit für lange Überlegungen war eh` nicht mehr - und die Überraschung gelungen.

Für die Mitglieder des Redekiner Amateurtheaters war an jenem Abend im Park auch schon Weihnachten - zum einen wegen der gelungenen Aufführung, zum anderen wegen der überwältigenden Resonanz des Publikums. Eine Riesenfreude war die spontane 1 000-Euro-Spende von Carsten Pietrzak (Volksstimme berichtete), und auch der "normale" Spendentopf, mit dem Erika Bensch und Rotraud Schulze durch die Zuschauerreihen gegangen sind, war sehr gut gefüllt.

Damit sind die Voraussetzungen für weitere tolle Aufführungen bestens - für den Bau weiterer Kulissenteile, für neue Kostüme und weitere Technik. Unbezahlbar sind neue Ideen, aber die haben Christine Graf und ihre Truppe ja sowieso.

   

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