Genthin l Seit sein Büchlein "Ich bin nicht süß, ich hab nur Zucker" die Spiegel-Bestsellerliste in der Rubrik Taschenbücher erstürmt, ist Torsten Rohde selbst in dem kleinen beschaulichen Genthin ein mittlerweile bekanntes Gesicht. Live beim Laufen rund um Genthin, live auf dem Weihnachtsmarkt, live beim Einkaufen - Torsten Rohde, alias Oma Renate Bergmann, ist in der Kanalstadt präsent.

"Manche Genthiner gucken mich schon etwas komisch an oder drehen sich nach mir um", lächelt der Autor. "Dennoch, ich werde Genthin als Wohnort auch weiterhin treu bleiben", versichert der junge Mann, der längst ein gefragter Inter- viewpartner vieler großer Zeitungen in ganz Deutschland ist und sich als solcher eines professionellen Mediencoachings unterziehen musste.

Gute Laune ist vorprogrammiert

Das zeigte auch bei den Landesliteraturtagen in Genthin seine Wirkung, als bei einer seiner ersten Lesungen in der Stadt- und Kreisbibliothek alle Plätze restlos belegt waren. Es drängte Jung und Alt, den knuffligen Geschichten der Twitter-Oma zu lauschen. Wenn Renate Bergmann Platz am Lesepult nimmt, ist die gute Laune vorprogrammiert. Selbst in Seniorenheimen. Beste Stimmung herrschte unlängst bei einer Rohde-Lesung in einer Tangermünder Einrichtung. "Jemand kam im Anschluss auf mich zu und sagte: Meine Mutter war genauso, wie sie es beschrieben haben", erzählt der Autor mit einem verkniffenen Lächeln.

Seitdem Rohdes Büchlein im Sommer vergangenen Jahres erschien, schwappt der Genthiner auf einer einzigartigen Erfolgswelle. Mittlerweile gibt es bereits eine zwölfte Auflage. 2014 war für den Genthiner Autor ein mehr als nur sehr gutes Jahr.

Torsten Rohdes origineller Sprung von der realen in die virtuelle Welt der Renate Bergmann mit Stützstrümpfen, Rollatoren und verschiedenen Ehemännern sucht seinesgleichen. Später, für das Buch, wurden die Twitter-Meldungen in 34 kleine Episoden zwischen beschaulichem Rentnerdasein und Cyberspace eingebettet, in denen die Twitter-Oma allen noch einmal richtig die Welt erklärt.

Es gibt viele Mutmaßungen, warum Oma Renate Bergmann so gut ankommt. Sicher ist, dass Torsten Rohde mit Oma Bergmann den Zeitgeist seiner Mitmenschen trifft. Teil des großen Erfolges, ergänzt jedoch der Autor, sei zu großen Teilen Mundpropaganda, aber auch die Werbung des renommierten Verlages, in dem das Buch erschien.

Kaum zu glauben: Dabei schlug die Geburtsstunde der Twitter-Oma einst bei einer trauten Weihnachtsfeier in familiärer Runde. Auf die Schnappsidee, einen Account für die fiktive 82-jährige Dame auf Twitter zu stellen, gab es tausendfache, ungeahnte Resonanz.

Besonders stolz auf ihren Enkel ist übrigens seine Oma, die im brandenburgischen Bensdorf, nur wenige Kilometer von Genthin entfernt, wohnt. Der liebenswürdige Charme dieser Generation ist für den Autor schier unerschöpflich. Trotzdem ist es ihm peinlich, wenn er bei ihrem Kaffeekränzchen sein Buch signieren muss.

Wer Rohde in Genthin begegnet, kann ihn durchaus mit seinem Handy in einer "kreativen Phase" antreffen. Seine Twitter-Meldungen kommen spontan, egal ob im Arzt-Wartezimmer, beim Friseur oder bei seinen Langläufen.

Er wolle ein amüsantes Spiegelbild einer aktiven, liebenswürdigen und modernen Seniorengeneration zeichnen, sagte der 40-Jährige in einem früheren Volksstimme-Interview.

Gut, dass sich Ideelles mit Geschäftlichem vereinbaren lässt: Besonders in der Vorweihnachtszeit zeigte Renate Bergmann ihre ohnehin starke kommerzielle Seite. "Mein Büchlein ging als schönes Wichtelgeschenk weg wie geschnitten Brot", berichtet der studierte Betriebswirt, der auch für dieses Jahr große Pläne hat.

Oma Bergmann kommt auf die Bühne

Im Sommer wird es ein weiteres Buch aus seiner Feder geben, bei dem - wie kann es anders sein - Oma Renate Bergmann wieder die Heldin sein wird. Sein Titel "Das bisschen Hüfte, liebe Oma".

Das Jahr 2015 hält einen weiteren Höhepunkt für Rohde bereit. Im April werden die Geschichten der liebenswürdigen Oma Bergmann in Ulm als Theaterstück ihre Premiere erleben. "Ich freue mich darüber sehr. Viele Freunde haben bereits angekündigt, zur Premiere zu kommen", sagt der Autor.

Dass er 2015 für die Wahl zum Lokalmatadoren nominiert wurde, ehre ihn natürlich. Wobei er persönlich jemanden für den Titel favorisieren würde, der ein verdienstvolles Ehrenamt ausfülle. Der Genthiner Autor drückt so allen Mitbewerbern kräftig die Daumen. Wie übrigens auch Oma Bergmann.

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