Wild aus heimischen Wäldern frisch auf den Tisch - diesen Wunsch können sich jetzt auch jene "Feinschmecker" leichter erfüllen, die keine Jäger im Bekanntenkreis haben. Die neue Wildkammer der Hohenseedener Bauernscheune macht es möglich.

Hohenseeden l Gerhard Flügge, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen, ist selbst Jäger. Einer der "Schwarzkittel", die derzeit bereits abgezogen in der Wildkammer hängen, hat er zwischen den Feiertagen erlegt. Aber nicht allein die Jagdleidenschaft des "Chefs" war Grund dafür, dass die Agrargenossenschaft die Wildkammer eingerichtet hat. Alle Jäger aus der Gemarkung und darüber hinaus haben die Möglichkeit, hier ihr erlegtes Wild abzuliefern. Außerdem wird die Kammer mit ihrer geräumigen Gefrierzelle auch genutzt, um Rindfleisch aus eigener Produktion hier anbieten zu können.

Sowohl Wild als auch das Rindfleisch können die Kunden am Tresen der Bauernscheune zum Mitnehmen bekommen, aber auch als Mahlzeit auf dem Teller hier oder nebenan im Eiscafé.

"Das Wild wird hier von den Jägern in der Decke angeliefert, wird verwogen und mit einer Wildmarke versehen", erläutert Gerhard Flügge den Ablauf. Anhand der Nummer auf der Wildmarke ist das Stück Wild eindeutig gekennzeichnet - das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Dann kommt das Wild mit Decke sofort in die Kühlung und bleibt dort maximal fünf bis sechs Tage, damit es gut abgehangen ist, und wird anschließend sofort verwertet. "Es wird aus der Decke geschlagen, wie wir Jäger sagen, und zerwirkt."

Vakuumverpackt und bei minus 19 Grad eingefroren

Das erledigt Manfred Krüger. Er ist Rentner und hat diese Aufgabe als Mini-Job nebenbei übernommen. Erfahrung bringt er reichlich mit, denn er ist seit 43 Jahren selbst Jäger und besitzt zudem den Sachkundenachweis für das Zerlegen des Wildes. "Er ist auch Mitglied unserer Pächtergemeinschaft", betont Flügge.

Das Fleisch wird vakuumverpackt und kommt sofort in die Gefrierzelle, wo es auf unter minus 19 Grad Celsius heruntergekühlt wird. Der Temperaturverlauf in der Gefrierzelle wird aufgezeichnet und ist so jederzeit nachvollziehbar. Damit ist die Haltbarkeit gesichert.

Ein Teil des Fleischs wird zu Wurst und Schinken verarbeitet - allerdings nicht vor Ort, sondern in einer Fleischerei im Nachbardorf. Beides gibt es dann ebenfalls hier zu kaufen.

"Die Gefrierzelle nutzen wir auch zur Lagerung von Rindfleisch", berichtet Gerhard Flügge weiter. "Schlachten lassen wir in einem Schlachtbetrieb hier in der Region." Auch das Rindfleisch wird portionsweise vakuumverpackt eingefroren und kann so direkt gekauft werden oder landet ebenfalls hier in der Küche.

Diese neuen Angebote im Zusammenhang mit der Wildkammer sind im Herbst langsam angelaufen. Freilich musste die Kammer erst nach und nach mit Wild bestückt werden. Inzwischen ist der Vorrat angewachsen. Fünf Wildschweine und ein Reh sind zwischen den Feiertagen angeliefert worden. Daneben wurde auch der Rindfleischvorrat aufgestockt.

Wildkammer wird gemeinsam bewirtschaftet

"Unser Ziel ist es, lokal zu bleiben", betont Flügge. "Wir wollen es nicht riesig ausdehnen. Man soll beim Kauf wissen, wo das Fleisch herkommt."

Die Installation der Wildkammer ist im Rahmen von "Leader" gefördert worden. Den Großteil der Kosten hat die Agrargenossenschaft aus Eigenmitteln bezahlt. "Die Bewirtschaftung der Wildkammer erfolgt gemeinschaftlich durch die Jagdgenossenschaft, die Pächtergemeinschaft und die Bauernscheune", erklärt Gerhard Flügge. Er ist sichtlich zufrieden, dass aus der Idee, die schon vor geraumer Zeit geboren wurde, nun endlich Realität geworden ist - und zuversichtlich, dass das Angebot auch von den Kunden angenommen wird. Denn die Nachfrage nach frischer Ware aus der Region, von der man weiß, wo sie herkommt, liegt im Trend.

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