Vom Sorgenkind zur Vorzeigeschule. Auf die "Sekundarschule am Baumschulenweg" passt diese Beschreibung, wie sich beim Tag der offenen Tür am Freitag zeigte.

Genthin l Schnaps. Das war der erste Gedanke von Monika Reinhold, nachdem sie erfuhr, an welche Schule es sie als Schulleiterin verschlagen sollte. Kein Wunder. Die ehemalige Ernst-Thälmann-Oberschule, später Sekundarschule Süd, galt nicht gerade als Vorzeigeobjekt. Eher als Schule, wo niemand hinwollte. Eine, wo auch nach der Wende noch die Tapeten der 70er hingen. Eine, an der Sanierung und Modernisierung scheinbar spurlos vorbei gingen.

Daran erinnert nichts mehr, als Monika Reinhold am Freitag zum Tag der offenen Tür durch die "Sekundarschule am Baumschulenweg" führt. 1971 Gründung als Ernst-Thälmann-Oberschule, später umbenannt in Sekundarschule Süd, seit 2006 Ganztagsschule, 2009 bis 2011 Komplettsanierung... Schulgeschichte im Schnelldurchlauf. Seit 2011 steht im Süden Genthins eine Sekundarschule mit vielfältigen Ganztagsangeboten zum Lernen bereit.

Dieses Angebot präsentieren Schüler und Lehrer zum Tag der offenen Tür, der im Winter stattfindet, weil das für die Viertklässler die Zeit der Laufbahnempfehlung und damit die Zeit der Entscheidung für eine weiterführende Schule ist.

Zu sehen gibt es viel. Zum Beispiel spannende Volleyball- und Tischtennisspiele in der neuen Sporthalle.

Im Eingangsbereich der Schule verkaufen Lukas Lechner und Enno Steuer von der Schülerfirma Krea(k)tiv ihre getöpferten Produkte. Der Kundenstamm wächst stetig, auch die Stadt Genthin gehört dazu. Wanduhr, Wasserturm, Schalen in verschiedenen Größen: Das Angebot von Krea(k)tiv ist groß. Für Anfänger an der Töpferscheibe empfehlen sich kleine Tonschalen. Zehntklässlerin Sarah Pflaumbaum zeigt Lena Kraft, wie es funktioniert. Lena ist mit ihren Eltern gekommen, zur Zeit besucht sie die vierte Klasse der Tucheimer Grundschule. Einen Wechsel nach Genthin kann sie sich nach dem heutigen Tag gut vorstellen.

Monika Reinhold ist mit den prominenten Gästen, ihrer Führung haben sich neben Bürgermeister Thomas Barz auch Landrat Steffen Burchhardt und Stadtratsvorsitzender Gerd Mangelsdorf angeschlossen, in der Schulbibliothek angekommen. "Hier steht an zwei Tagen in der Woche Berufsberaterin Jeanette Olschewski von der Arbeitsagentur zur Verfügung", erklärt Reinhold.

Für die Viertklässlerinnen Zoe Würfel und Beate Lipetz von der Uhland-Grundschule käme die Berufsberatung noch ein bisschen früh, die Bücher gefallen ihnen aber gut. "Noch besser finde ich den Musikraum", erzählt Zoe, der es vor allem die Gitarre angetan hat.

Musik - nicht das beliebteste Thema an der Schule. Monika Reinhold: "Wir haben keinen Musiklehrer, darum fallen etliche Unterrichtsstunden aus." Das Land Sachsen-Anhalt, das für die Einstellung der Lehrer verantwortlich ist, hat die Stelle zwar ausgeschrieben. Bewerbungen gibt es aber nicht.

Hier kann Landrat Steffen Burchhardt nicht helfen, ein paar Meter weiter, im Kunstraum, ist er dann doch gefragt. "Geplant war ein großer Raum", erklärt Monika Reinhold. "Für den Übergang während der Bauzeit wurde eine Trennwand gezogen. Die muss nun raus. Aber vom Landkreis kommt seit Monaten keine Antwort." Der Landrat zückt sein Smartphone, das Problem wird notiert. Vielleicht kommt nun Bewegung in die Sache.

Neben kleinen Problemen gibt es an der Schule aber vor allem viel zu bestaunen. Die Fachkabinette für Biologie, Chemie und Physik zum Beispiel, in denen Schüler und Lehrer einen Einblick in den Unterricht geben.

Oder die moderne Ausstattung im Computerkabinett. Auch der Laptopwagen mit 20 Geräten kommt gut an. An einem Smartboard (der Nachfolger der guten alten Tafel) erklärt Lehrerin Petra Schulenburg die Plattform "Moodle".

Mit deren Hilfe können die Schüler zu Hause online lernen, Übungsaufgaben lösen oder im virtuellen Klassenzimmer kommunizieren.

Aber davon wird ja niemand satt, darum verkaufen die Schüler Thomas Runge, Marie-Sophie Dake und Anna-Lea Riehn Salat und Obstspieße. Am Stand von Sophie Schenk und Maria Beyer gibt es russische Pelmeni. Bevor der Rundgang beim in der Aula aufgebauten Kuchenbuffet endet, bekommen die Besucher noch den Snoozleraum zu sehen. Hier liegen Matten, Sitzsäcke, Decken und Kissen zum Ausruhen bereit. Natürlich bei gedämpften Licht und sanfter Musik.

Nicht ganz so angenehm ist es für die Schüler im Trainingsraum. Hier muss rein, wer permanent den Unterricht stört. "Das ist eine Entlastung für den Fachlehrer und der Schüler hat Gelegenheit, über sein Fehlverhalten nachzudenken", erklärt Schulleiterin Reinhold. "Unter Aufsicht und mit pädagogischem Plan." Für diesen ist meistens Schulsozialarbeiterin Susanne Krause zuständig.

Neben Kuchen haben die Neuntklässler in der Aula Stände vorbereitet, an denen sie ihre Praktikumsbetriebe vorstellen. Adrian Bieschke verbrachte zum Beispiel 14 Tage beim "Autodienst Bolle" und beschreibt diese Zeit mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation. Sein Fazit: "Das Praktikum hat Spaß gemacht und mich in meinem Berufswunsch bestärkt. Ich will Mechatroniker werden."

So fest wie Adrians Berufswunsch steht auch: Wenn Monika Reinhold die Sekundarschule eines Tages an einen Nachfolger übergibt, wird dieser eines nicht brauchen. Einen Schnaps auf den Schreck.