Genthin diskutiert derzeit lebhaft über den Zustand der Sportanlagen. Anlass war vor einigen Wochen ein Volksstimme-Beitrag. Hier wurde Bernd Mittelstädt mit dem Satz zitiert: "In punkto Sportstätten ist Genthin unser Sorgenkind." Volksstimme-Redakteur Falk Heidel sprach mit dem Kreissportbund-Geschäftsführer jetzt noch einmal darüber.

Volksstimme: Herr Mittelstädt, die Sporthallendebatte ist mit vielen Emotionen angereichert worden. Neutrale Beobachter meinen, Sie haben mit Ihrer Aussage eine Stadt wachgeküsst. Wie beurteilen Sie die vielen Wortmeldungen?

Bernd Mittelstädt: Dass über die Genthiner Sportstätten diskutiert wird, ist aus meiner Sicht überfällig, aber wohl eher auf eine Reaktion auf einen Zeitungsartikel, als auf meine Ausführungen zurück zu führen. Als Sportler können wir nur begrüßen, dass Bewegung in die Sache gekommen ist. Was mir nicht gefällt, ist die Art und Weise. Da ist ein Wortwechsel entstanden, der meilenweit an den Problemen vorbei geht. Ich verstehe nicht, warum man dieses Thema nicht versachlichen kann.

Worüber ärgern Sie sich?

Vielleicht gehen wir noch mal zurück auf Anfang. Ich hatte vor dem Sportausschuss des Kreistages einen Vortrag zum Thema Kreissportbund gehalten. Nur einer von vielen Punkten befasste sich mit dem Sportstättenbau und dem Zustand der Sportstätten im Jerichower Land. In diesem Zusammenhang nannte ich Genthin ein Sorgenkind, weil der Vorstand des KSB, als auch ich persönlich, der Meinung sind, dass Genthin im Vergleich mit Städten wie Burg oder Gommern größeren Nachholbedarf hat. In diesem Punkt bin ich von der Volksstimme auch richtig zitiert worden. Als eines von vielen Beispielen nannte ich die Sporthalle an der Berliner Chaussee. Von der Schwimmhalle hingegen habe ich nie gesprochen. In der Zeitung stand auch der vermeintliche Fakt, die Halle sei 40 Jahre alt und seit dem hätte es keine Investitionen gegeben - auch das habe ich nie behauptet. Aber das sind ohnehin nur Nebensächlichkeiten, die nichts an der Tatsache ändern, dass es erhebliche Mängel bei den Sportstätten gibt. Andere Beispiele sind die Hallen an der Uhlandschule beziehungsweise in Altenplathow an der Diesterwegschule. Auch in der Judohalle gibt es erhebliche Probleme. Auf der anderen Seite freue ich mich, dass aus dem Rathaus erste Signale kommen, um tatsächlich etwas zu verändern.

"Ich kenne Herrn Leiste nicht persönlich und er mich genauso wenig."

Stadtrat Horst Leiste hat Ihnen in einem Anzeigenblatt schwere Vorwürfe gemacht.

Ich kenne Herrn Leiste nicht persönlich und er mich genauso wenig. Meines Wissens hat er im Gegensatz zu mir auch nie den Versuch unternommen, mit mir ins Gespräch zu kommen. Das bedaure ich sehr, denn in einem Gespräch wäre es sicher niemals zu den öffentlich gemachten Vorwürfen gekommen. Von daher möchte ich seine Aussagen, ich sei fehl am Platze als Geschäftsführer des KSB, beziehungsweise meine Aussagen seien verwerflich, nicht öffentlich kommentieren. Aus meiner Sicht ist hier die sportliche Fairness mit Füßen getreten worden. Meine rein sachlichen Aussagen habe ich nicht als Privatperson, sondern als Geschäftsführer des Kreissportbundes gemacht. Wenn man mir vorwirft, ich hätte mit meinen Darstellungen das Ansehen der Stadt geschädigt, kann ich das so nicht stehen lassen.

Sie kennen die Stellungnahme des Stadtrates, nachdem sich Kreissportbund-Vorsitzender Lothar Finzelberg vor diesem Gremium beschwerte.

Natürlich. Darin erkennt der Stadtrat ja auch an, ich zitiere, dass es in Genthin einen Nachholbedarf bei der Sanierung oder beim Neubau von Sportstätten gibt. Jedoch müsste der Stadtratsvorsitzende Gerd Mangelsdorf als Unterzeichner des Papiers wissen, dass es die angeblich falschen Behauptungen, die mir darin vorgeworfen werden, nie gegeben hat. Er war als Kreistagsmitglied bei der genannten Ausschusssitzung anwesend, hat meinen Vortrag gehört und in keiner Weise kommentiert oder gar widersprochen.

Der Stadtrat fordert Sie auf, die Stadt bei der Aufarbeitung der Sportstätten-Defizite zu unterstützen.

Natürlich bieten wir als Kreissportbund jederzeit, wie übrigens auch bei allen anderen Kommunen, unsere Unterstützung an. Allerdings muss die Stadt diesbezüglich auf den Sportbund zugehen, nicht umgekehrt. Wir sind zur Beratung und Zusammenarbeit bereit, wenn es gewünscht wird, was Vertreter anderer Städte und Gemeinden sicher bestätigen können. Erfreulicherweise gibt es seit einigen Tagen für den Monat Februar ein Gesprächsangebot von Bürgermeister Thomas Barz.

Sie werden das Angebot annehmen?

Da ich der Meinung bin, dass es immer besser ist, miteinander statt übereinander zu reden, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass auch Herr Leiste und Herr Mangelsdorf an diesem Gespräch teilnehmen.