Einige kleine Papier-Engelchen sind noch übrig von den unzähligen Bastelstunden des Freundeskreises der Kirchengemeinden Hohenseeden und Reesen im Advent. Insgesamt 1600 Euro, schon abzüglich der Kosten, kamen so aus Spendeneinnahmen zusammen - eine enorme Leistung, die den Frauen aber mehr Freude als Mühe bereitet hat.

Hohenseeden l Diese Woche haben sich die Frauen mal ohne ihr Bastelzeug in der Bibliothek auf dem Grundstück der Familie von Reinersdorff getroffen. Bei Kaffee und Gebäck saßen sie gemütlich beisammen, tauschten ihre jüngsten Erlebnisse aus, freuten sich über das, was sie vor den Feiertagen geschafft haben und blickten auch schon wieder nach vorne. "Bestimmt werden wir vor Ostern erneut basteln", ist Gabriele von Reinersdorff zuversichtlich.

Wenn es auch einige Mitglieder des Freundeskreises altersbedingt nicht mehr so gut von der Hand geht, so ist doch für alle das Dabeisein das Wichtigste. Jeder macht, was er kann, bringt Ideen mit. Trübe Gedanken in der dunklen Jahreszeit bleiben "ausgesperrt". Die gemeinsamen Bastelnachmittage - und das waren im November und einem Teil des Dezembers vier pro Woche, von Montag bis Donnerstag, sind auch gut für die Seele.

"Es war wirklich eine schöne Runde", betont Gabriele von Reinersdorff und fügt an: "Die Frauen waren ganz fleißig!" Unmengen Tannengrün wurden gewickelt und gebunden, es wurde dekoriert und gestaltet, und so manche neue Idee wurde auch wieder umgesetzt. Ein eigener Adventsmarkt wurde diesmal nicht veranstaltet, aber das war auch gar nicht nötig. "Es hat sich herumgesprochen. Die Leute sind gekommen, um etwas auszusuchen. Den größten Teil haben wir auf dem Bauernmarkt verkaufen können."

Sanierung des Kirchturms wird 80 000 Euro kosten

Allein für die Adventsgestecke sind abzüglich der Materialkosten 1000 Euro zusammengekommen. Die sind für die Sanierung des Hohenseedener Kirchturms bestimmt, wofür schon seit einiger Zeit tüchtig gebastelt und Spenden gesammelt werden. "Wir haben jetzt erfahren, dass die Sanierung 80 000 Euro kosten wird. Bisher hieß es 70 000", erklärt Gabriele von Reinersdorff die schwierige Situation. "Wir allein schaffen das nicht", bezieht sie sich auf die Kirchengemeinde. "Das geht nur mit Unterstützung des ganzen Dorfes!"

Inzwischen sei auch ein Antrag auf Förderung im Rahmen von "Leader" abgeschickt. "Wir hoffen 2017/18 ins Programm zu kommen." Eher werde es ganz sicher nichts.

Aber selbst dann, wenn es mit dieser Förderung klappt, wäre damit nur ein Teil der Kosten gedeckt. Der größte Teil müsste aus anderen Quellen kommen. Und ein Teil müssen Eigenmittel sein, die durch Aktionen wie das Adventsbasteln des Freundeskreises in kleinen Schritten anwachsen.

Die kleinen Papier-Engelchen haben vor den Feiertagen zusätzlich 600 Euro Spenden eingebracht, die aber je zur Hälfte an das Kinderhospiz der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg und an das evangelische Hospiz in Stendal geflossen sind. Irgendwo hatte Gabriele von Reinersdorf mal einen Tannenbaum, geschmückt nur mit Lichtern und solchen Engelchen, gesehen und fand ihn wunderschön.

Kleine Engelchen bringen 600 Euro für Hospize ein

Und so fingen sie und weitere Frauen an, ebenfalls Engel zu falten - aus den Seiten alter Liederbücher und Notenhefte, die nicht mehr gebraucht wurden. Verbunden mit dem Anliegen, für die Hospiz-Arbeit zu sammeln, fanden die kleinen Figuren reißenden Absatz. Die Kiste mit den Engelchen wurde auch zu verschiedenen Veranstaltungen mitgenommen - zum Weihnachtsmarkt in Reesen zum Beispiel, zum Adventssingen bei den Johannitern, zur Weihnachtsfeier des Rotary-Clubs, zum Sportverein, zur Hausärztin...

Briefe mit herzlichen Dankesworten kamen inzwischen von den Pfeifferschen Stiftungen und vom Hospiz in Stendal. "Es bereitet mir und dem Team des Kinderhospiz besondere Freude, dass so viel Beistand und Solidarität für die lebensverkürzt erkrankten Kinder und Jugendlichen zu spüren ist", schrieb unter anderem Vorsteher Christoph Radbruch aus Magdeburg. Beide Hospize sind auf Spenden angewiesen, da die Finanzierung allein mit anderen Mitteln nicht gesichert ist.

Das Gefühl, helfen zu können, ist für die Frauen des Freundeskreises immer wieder Motivation weiterzumachen. Das gilt besonders auch für Gabriele von Reinersdorff, die im vorigen Sommer ihren Mann verloren hat. Für sie persönlich habe den Anstoß ein Zettel mit einem Zitat von Friedrich von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident, gegeben, den ihr eine Bekannte mitbrachte: "Die Kirche hat nicht den Auftrag, die Welt zu verändern. Wenn sie aber ihren Auftrag (die Nächstenliebe) erfüllt, verändert sich die Welt."

Ihr Anliegen ist es, weitere Menschen für den Freundeskreis zu gewinnen. "Wir sind kein Verein", betont sie. "Jeder kann kommen, wie er Zeit hat, und seine Ideen einbringen. Wir sind offen für alle!"