Kein Problem war die Lösung des Heimaträtsels für unsere Leser. Der Genthiner Marktplatz wurde von allen Anrufern erkannt. Aufgenommen wurde das Bild vom Standesamt.

Genthin l "Das ist der schöne Marktplatz von Genthin", sagte Christiane Merten gestern am Volksstimme-Telefon. Und war damit eine von vielen Lesern, die die richtige Antwort nennen konnten.

Vorn im Bild ist ein Radfahrer zu sehen. Über diesem erkannte Christiane Merten eine zu DDR-Zeiten sehr beliebte Gaststätte. "Grüne Kachel" hieß die im Volksmund, weil draußen grüne Kacheln dran waren. "Dort konnte man schön essen", so die Neuderbenerin.

Ewald Asmus aus Paplitz war ebenfalls gern in der Grünen Kachel zu Gast. Nicht zuletzt wegen der guten Gespräche. "Der Wirt war wie ich ein Pferdefreund. Da konnte man immer so schön fachsimpeln." Früher sei man auch nicht mit dem Auto, sondern mit der Kutsche nach Genthin gefahren. An der Gaststätte Duckstein konnte man die Pferde ausspannen und verschnaufen lassen.

Der Genthiner Detlef Göbel nahm per Email am Heimaträtsel teil und schrieb: "Die Grüne Kachel war auch Verkaufsstelle der damaligen weißen Flotte mit dem Schiff Frohsinn."

Wo sich die Genthiner heute mit Bratwurst, Burgern und Pommes eindecken, in "Thommys Imbiss" nämlich, stand damals ein Kiosk.

Erna Zahn aus Brettin hat in diesem Kiosk viele Jahre gearbeitet. "An Wochentagen haben wir bis zu 1000 Würstchen verkauft", erinnert sie sich. Genauso wie an die lange Schlange, die sich mittags vor dem Kiosk bildete. Der hatte auch sonntags geöffnet. "Fotografiert ist das Bild vom Kirchplatz aus", sagt Erna Zahn.

Café Hahn und die Bauernscheune seien ebenfalls beliebte Adressen auf dem Marktplatz gewesen. Auch einkaufen konnte man am Markt. "Dort gab es ein Kurzwarengeschäft, wo man Deckchen und Nähzeug kaufen konnte", sagt Helga Neuber aus Genthin.

An einen weniger angenehmen Ort erinnert Günter Müller. "Am Kiosk, wo heute der Imbiss ist, war der Eingang zum Bunker." Bei Fliegeralarm hätte sich dort während des Zweiten Weltkriegs die Genthiner Bevölkerung versammelt. Ein weiterer Eingang zum Bunker ist an der Apotheke zu finden.

"Vor drei Jahren zum Klassentreffen haben wir den Bunker mit Altbürgermeister Wolfgang Bernicke noch einmal besichtigt. Das war sehr interessant", sagt Günter Müller. Auf dem Marktplatz hat zu dieser Zeit ein Denkmal zu Ehren der Opfer des Ersten Weltkrieges gestanden. "Als Kinder sind wir immer mit dem Dreirad drum herum gefahren."

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand man auf dem Marktplatz den Ernst-Thälmann-Gedenkstein. Thälmann war Politiker der Weimarer Republik und Vorsitzender der KPD. 1944 wurde er von den Nazis im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

Der Marktplatz hieß ihm zu Ehren zeitweise auch Ernst-Thälmann-Platz. Auf diesem stand ein Springbrunnen. "Zum Glück war der nicht tief, denn einmal ist mein Sohn reingefallen", erzählt Günter Müller. Und Karla Lopatar aus Nielebock ergänzt: "Mit Brunnen hat mir der Marktplatz viel besser gefallen als heute."

Das Losglück war in dieser Woche Ewald Asmus aus Paplitz hold. Das kleine Überraschungspaket kann werktags zwischen 9.30 und 16 Uhr in der Redaktion (Brandenburger Straße 55-57, Eingang Kleine Schulstraße) abgeholt werden.

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