Schlagenthin l "Den Winter habe ich nicht gefunden, aber Kultur habe ich dabei", begrüßte Klaus Dieter Vogt die Gäste im Schlagenthiner Gemeindehaus. Zum letzten Mal in der laufenden Saison hatte der Förderverein der Kirche zum Kulturwinter geladen.

Klaus Dieter Vogt las aus seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "Geschichten aus dem Glas", in dem er selbst Erlebtes und selbst Beobachtetes in 15 Kurzgeschichten verarbeitet hat. In jeder dieser Erzählungen spielt ein Glas eine Rolle. "Auf die Idee bin ich gekommen, als ich im Urlaub jemanden sehr unbeholfen aus einem Glas trinken sah", erzählt der gebürtige Schaumburger, der seit 1990 in Burg lebt.

Die Zuhörer lernten mit Corinna und Erik zwei häufig in den Geschichten auftauchende Protagonisten kennen. "Erik bin nicht zwangläufig immer ich", räumte Vogt ein. So ereignisreich sei sein wahres Leben nämlich nicht. An den Beiden macht der Autor die Entwicklung einer Beziehung deutlich. Egal, ob die Beiden sich im Café treffen, im Fahrstuhl stecken bleiben oder Möbel kaufen, immer ist irgendwo ein Glas in den Geschichten versteckt.

Ob als Gefäß für Latte macchiato, für Suppe oder als Behältnis für ein symbolisches Bett im Glas. Diese Geschichte hatte Vogt auch sinnbildlich mit nach Schlagenthin gebracht. Standen doch drei Gläser mit eben dieser Inschrift während der Lesung vor ihm. In der Geschichte beinhaltet das Glas aber einen Zettel mit der Anschrift einer Bettenverkäuferin im Möbelhaus. Diese hatte damit ihren Kunden zum Probeliegen in ihrem privaten Bett eingeladen.

Dass der mit diesem Geschenk Bedachte letztlich doch in sein eigenes Zuhauses bzw. Bett einkehrte, erfuhren die Zuhörer erst mit der nächsten Geschichte. Vogt lässt in seinen oft mit knappen Sätzen geschilderten Begebenheiten gern das Ende der Ereignisse offen. "Da sind Sie nun selbst gefordert", meinte er mehr als einmal.

Auch was nach der Radtour zwischen Jutta und dem Ich-Erzähler passierte, verrät Vogt ganz diskret nicht. Die Zuhörer erfuhren nur, dass Jutta am anderen Morgen mit selbst gemachten Quittengelee aus dem Glas bedacht wurde. Ein hübscher Kniff ist, dass es zu einigen Geschichten passende Rezepte gibt, die im Buch abgedruckt sind.

Vogt präsentierte den Besuchern auch einige Auszüge aus seinen Veröffentlichungen "Wagnis" und "Leben". In Letzterer hat er Menschen gefragt "Was ist Glück?" Ältere Befragte gaben Antworten wie: "Nette Menschen, gutes Wetter, ein gutes Glas Rotwein."

Ein junger Magdeburger brachte es hingegen auf eine unmissverständliche Formel: "Glück ist ne Pulle Bier und ne Olle." Mit einem Augenzwinkern entließ Vogt die Zuhörer in den Abend. Denn Glück ist auch, dass der Kulturwinter im Herbst 2015 in seine nächste Saison starten wird.

"Es gibt schon einige Planungen, derzeit werden noch Termine abgesprochen", heißt es seitens des Fördervereins.