Das hatte noch vor wenigen Tagen kaum jemand zu hoffen gewagt: Die Güsener Natur- und Waldfreunde hatten das schönste Wetter bei ihrer Grünkohlwanderung. Der Sonnenschein lockte dann auch etwa 80 Wanderfreunde zum Startpunkt an der Jagdhütte.

Güsen l Diesmal ging es sehr zügig los mit der Tour, so dass gar nicht erst jemand die "Chance" hatte, sich kalte Füße zu holen. Denn nach allzu milden Temperaturen in den Wochen zuvor war es über Nacht endlich wieder winterlich-frostig geworden. Die Landschaft hatte sich mit einem zarten weißen Kleid aus Reif geschmückt, das die Sonne glitzern ließ, bis die Pracht in den wärmenden Strahlen bald dahinschmolz. Im Schatten hielt sich der Frost etwas länger - und zum Glück auch auf den Waldwegen, die nun nicht mehr schlammig, sondern schön fest waren.

Trotzdem hatte Hans-Werner Tusch, Vereinsvorsitzender der Waldfreunde, ganz kurz vor der Tour noch die geplante Route etwas verändert. Denn als er den Weg durch ein besonders schönes Waldstück noch einmal überprüfte, hatte er extrem schlechte Verhältnisse vorgefunden - verursacht durch Holzeinschlag und -transport.

Interessantes über die Geschichte der Bahnstrecke

So ging es also erstmal gerade aus und bei "Bude 100" über die Bahnlinie, dann ein Stück parallel zu dieser in Richtung Genthin, wo dann eine kurze Pause eingelegt wurde und Hans-Werner Tusch einiges über die Örtlichkeit und die Bahnverbindungen hier erzählte. "Wir wären auf dem zunächst geplanten Weg um die Kossaten-Wiese herum gegangen", erklärte er zu Beginn.

An der Stelle, wo nun alle standen, habe es früher auch einen Bahnübergang gegeben. Da alle Übergänge früher auch ein Bahnwärterhäuschen hatten und diese entlang der Strecke von Berlin angefangen nummeriert wurden, kam es zu dem Begriff "Bude 100" für den noch offenen Übergang im Güsener Wald. Der einstige Übergang hier war "Bude 99". Wann genau dieser Übergang geschlossen wurde, habe er nicht herauskriegen können, sagte Tusch. Es muss in den 60-er Jahren gewesen sein.

Etwa 300 Meter weiter hinter "Bude 100" habe es noch einen weiteren Bahnübergang gegeben, die sogenannte "kleine Barriere", die auf Klingeln oder Zeichen bei Bedarf geöffnet wurde.

Ein Stück weiter in der anderen Richtung befindet sich "Block Parey" oder "Bude 98". "Die hatte damals bei der Eingleisigkeit die Aufgabe, Weichen zu stellen und die Schranke zu bedienen. Noch ein Stück weiter in Richtung des ehemaligen Bahnhofs Bergzow-Parchen gab es noch einen Übergang, die "Bude 97". Der Übergang hier war die kürzeste Strecke Parchen-Parey. "Der Bahnübergang ist auch schon lange geschlossen."

Einige interessante Daten hatte Tusch zur Bahnlinie Berlin-Magdeburg herausgesucht: "Sie ist eine der ältesten in Deutschland. Der erste Abschnitt wurde 1838 (Berlin-Potsdam) gebaut. Bis 1846 wurde die Strecke komplett ausgebaut und hat eine Länge von 141, 9 Kilometer. Erst Mitte der 70-er Jahre wurde sie durchgehend zweigleisig ausgebaut, weil bis 1948 ein Gleis demontiert und als Reparationsleistung in die damalige Sowjetunion gebracht wurde. Zur Zeit wird hier bis 160 km/h gefahren ... Der Bahnhof Güsen liegt bei 106,2 Kilometer von Berlin."

Auch an die anderen Bahnstrecken hier erinnerte Hans-Werner Tusch: Güsen war ein Knotenpunkt, wo die Strecken nach Ziesar und nach Jerichow abzweigten. "Die Strecke Güsen-Jerichow wurde 1919 begonnen, Ende 1925 fertiggestellt, hat eine Länge von 21,1 km. Der Personenverkehr wurde 1999 eingestellt."

Die Strecke Güsen-Ziesar wurde am 2. April 1917 in Betrieb genommen und am 1. Januar 1998 eingestellt, fuhr Tusch fort. Die Strecke ist 25,6 Kilometer lang.

Die längst zugewachsenen Bahngleise Richtung Ziesar überquerten die Wanderfreunde später noch - kurz vorm Güsener Bahnhof, wo die Tour endete. Die Strecke Richtung Jerichow wird bis zum Schwellenwerk noch genutzt, das heißt, man kann auf dem Abschnitt im Güsener Wald durchaus noch ab und zu einem Güterzug begegnen.

Rast mit Lagerfeuer und Glühwein

Auf halber Strecke der Wanderung war wie gewohnt eine Rast mit Lagerfeuer vorbereitet, und Hämmerlings vom Gasthof "Zur Eisenbahn" schenkten hier Glühwein, Tee und anderes aus.

Die Wanderfreunde haben diese schöne Tour wieder sehr genossen. Viele waren schon oft dabei. Eine große Gruppe von Chemie Genthin war wieder angereist und ein Paar sogar bis aus dem Bördekreis. Der Älteste war mit 78 Jahren Manfred Nachtigall. Günter (77) und Marga (75) Schiering waren auch wieder dabei und noch viele anderen rüstige Senioren.

Für die Wanderung im nächsten Jahr haben die Natur- und Waldfreunde den Kanal ins Auge gefasst, verriet Hans-Werner Tusch. Dort wird zu Zeit tüchtig gebaut, und in diesem Zuge werden auch neue Wege entlang des Ufers entstehen. Und viel Interessantes zur Geschichte gibt es auch hier zu berichten.

 

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