Das Genthiner Stadtkulturhaus soll ein Zentrum für Bildung, Kultur und Sport werden. Am Dienstag kamen Vertreter von Vereinen, Schule, Kita und Hort zusammen, um zu klären, was so ein Zentrum alles braucht. Die Liste ist lang, wie die Zusammenfassung zeigt.

Genthin l Wenn es zur von Bürgermeister Thomas Barz angestrebten Komplettsanierung des Stadtkulturhauses kommt, agieren dort bald sehr viele Menschen unter einem Dach. Deshalb hatte der Stadtchef ins Rathaus geladen, um mit Vertretern von Kultur- und Sportvereinen sowie Verantwortliche von Grundschule, Kita und Hort über die Bedürfnisse aller Beteiligten zu sprechen.

"Sicher setzt das Kompromissbereitschaft voraus", sagte Barz zur Einstimmung.

In den Rathaussaal kamen am Dienstagabend auch die Architekten Steffen Lauterbach und Olaf Herbst. Sie planen den Umbau und wollten von den Genthinern wissen, welche Ansprüche sie an das Zentrum haben.

Kultur

Zuerst durften die Karnevalsvereine aufzählen, was sie vom neuen Haus erwarten. Michael Kliemann vom Genthiner Carnevalsclub (GCC) eröffnete die Runde mit einer Frage: "Wird der Saal saniert? Oder kommen nur Gitter vor die Fenster, damit die beim Sport nicht kaputtgehen?" Damit spielte er auf die wohl größte Herausforderung, die gleichzeitige Nutzung als Veranstaltungssaal und Sporthalle, an. Thomas Barz erwiderte: "Bei aller Kompromissbereitschaft wird das ein ästhetischer Raum." Allen Anwesenden versicherte er, dass ein erfahrenes Planungsteam am Werk ist: "Wir sind nicht bekloppt."

Michael Kliemann konkretisierte seine Ansprüche an die Mehrzweckhalle: Veranstaltungssaal mit 400 Plätzen, variable Bühne, mindestens 100 Quadratmeter für Lagerräume, die Möglichkeit Veranstaltungen gastronomisch zu betreuen und ein verdunklungsfähiger Saal.

Bernhard Horn vom GCC ergänzte: "Momentan fehlt im Stadtkulturhaus jede moderne Kommunikation. Es wäre gut, wenn es nach der Sanierung PC-fähig wäre."

Die Vertreter der übrigen Kulturvereine bestätigten Kliemanns Ausführungen und fügten der Wunschliste noch einige Punkte hinzu. So wollen auch der Carnevalsclub Waschmittelwerk (CCW) und das Genthiner Amateurtheater (GAT) ihre Lagerräume behalten. Auch Umkleideräume, Ton- und Lichttechnik und ein kleiner Lagerraum für das Blasorchester kamen auf die Liste.

Jürgen Wagner vom GAT und Touristinfoleiterin Marina Conradi sprachen sich für 500 Plätze im Saal aus. "Der Platz muss mit Stuhlreihen oder Tischen genutzt werden können", sagte Conradi und forderte außerdem Trennwände für kleinere Veranstaltungen. Von der Idee insgesamt zeigte sie sich begeistert: "Hervorragend. Das wäre etwas wirklich innovatives für Genthin."

Bildung

Vollkommen neu wäre vor allem die Zusammenlegung von Kita und Schule. Kinder von 0-10 könnten so an einem Ort untergebracht werden. Thomas Barz erklärte, warum man Kita und Schule nicht in ihren alten Räumen lassen will: "Beide Einrichtungen müssten saniert werden. Einzeln sanieren können wir sie nicht, weil nicht genügend Kinder da sind. Dafür sehen wir keine Chance auf Fördermittel."

Die Schulleiterin der Diesterweg-Grundschule Ute Kliem zählte einige Voraussetzungen an ein Schulgebäude auf: "Kita- und Schulkinder haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Wenn die Kita schläft, lernt die Schule. Wenn die Schule spielt, lernt die Kita." Es müsse also für Ruhe gesorgt werden. Schalldichte Fenster und ein Belüftungssystem kamen deshalb auf die Wunschliste. Außerdem wären drei separate Spielplätze für Krippe, Kita und Schule nötig.

Martina von Witten von den Johannitern, die Träger der Kita "Max und Moritz" sind, ergänzte: "Wir brauchen Platz für 50 Kita- und 35 Krippenkinder." Außerdem verwies sie auf die Vorteile, die man auf dem bisherigen Gelände in der Altenplathower Parkstraße hat. "Das ist parkähnlich mit vielen Bäumen, die Schatten spenden. Wir haben viel Liebe hineingesteckt." Sie machte außerdem deutlich, dass Krippe und Kindergarten voneinander getrennt werden müssten. "Da gibt es verbindliche Auflagen vom Jugendamt." Insgesamt bescheinigte sie der Idee vom Bildungszentrum aber "sehr viel Charme".

Die Turnhalle für die Diesterweg-Grundschüler wäre gleichzeitig Veranstaltungssaal für Karnevalsvereine und Amateurtheater. Ute Kliem fragte: "Was ist mit dem Sportunterricht, wenn die Vereine dort proben?" Sie zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich Lösungen finden. "Primär ist die Nähe zu den Vereinen eine sehr schöne Sache und ein Riesenvorteil für die Kinder." Diese könnten nachmittags in Arbeitsgemeinschaften der Vereine weiter betreut werden.

Petra Böttge vom DRK-Hort der Diesterweg-Grundschule vollendete die Wunschliste für die Kinder: "Wir brauchen etwa 100 Quadratmeter Fläche, ein Büro, einen Personalraum mit Telefon und Internet. Wir hätten auch gerne eine Kinderküche, Rückzugsmöglichkeiten für die Kleinen, einen Hausaufgabenraum und einen Schuppen für Fahr- und Spielzeug."

Sport

Für die Sportvereine war Rolf Hoppe vom SV Chemie anwesend. Er begrüßte die Entscheidung, dass Ballspiele in der Halle möglich sein werden. Eine kontinuierliche Nutzung durch die Sportvereine könne bei so vielen Akteuren allerdings nicht gewährleistet werden. Thomas Barz entgegnete: "Hier zeichnen alle ein Bild vom pulsierenden Stadtkulturhaus." Er zählte die Veranstaltungen durch und kam nur auf 15 bis 20 im Jahr. "Bleiben immer noch genügend Wochenenden für Sportwettkämpfe. Und wenn es zu Überschneidungen kommt, gibt es Ausweichmöglichkeiten."

Frank Zelmanki vom CCW zeigte sich irritiert, dass überhaupt ein Sportverein mit am Tisch saß. "Ich dachte, es geht nur um Schulsport." Thomas Barz machte deutlich, dass nicht nur der SV Chemie die neue Halle mitnutzen solle, sondern alle Sportvereine.

Für den Genthiner Schützenverein sprach Wolfgang Kurth. "Wir haben in den Kellerräumen einen Schießstand. Eine Neuzulassung können wir uns nicht leisten. Wir wollen deshalb unsere Räumlichkeiten im Stadtkulturhaus behalten." Das Mitwirken der Sportvereine sieht er positiv: "Die Übungsleiter, die die Kinder nachmittags betreuen, kommen ja zum größten Teil vom SV Chemie.

Platz

Nachdem klar war, was jeder braucht, stellte sich die Frage, ob der Platz dafür ausreicht. Thomas Barz: "Wir wollen nicht mit aller Macht alles ins Stadtkulturhaus quetschen. Wir würden das gesamte Areal nutzen." Der Bürgermeister sagte auch: "Wenn uns eins nicht fehlt, dann ist das Platz."

Geld

Im Gegensatz zum Platz fehlt es an Geld. Barz: "Wir brauchen Stark-III-Fördermittel. Wenn wir die nicht bekommen, ist das Projekt hinfällig." Architekt Steffen Lauterbach hat schon öfter mit Hilfe von Stark-III-Mitteln gebaut und macht Mut: "Das ist ein gutes, innovatives Konzept, das auf großes Interesse bei der Landesregierung stößt." Außerdem würde zwar erst einmal in die Sanierung investiert, dann aber kräftig gespart. Barz konkretisierte: "Die veralteten Gebäude von Grundschule und Kita verschlingen Unsummen." Mit einem energetisch modernen Neubau könne man "wahnsinnige Einsparungen" erreichen.

Altenplathow

Wolfgang Kurth vom Schützenverein äußerte Bedenken, dass Schule und Kita aus dem Zentrums Altenplathows entfernt werden. "Viele Kinder können jetzt zur Schule laufen, das entfällt, wenn sie bis zum Stadtkulturhaus müssen." Schulleiterin Ute Kliem widersprach: "Die Hälfte unserer Schüler kommt aus Parchen. Von den Altenplathowern bringen bereits jetzt mindestens 60 Prozent ihre Kinder mit dem Auto zur Schule." Und: "Besser eine Schule am Stadtkulturhaus als gar keine Schule in Altenplathow."

Wann geht es los?

Im März soll die Machbarkeitsstudie fertig sein. Diese gibt auch Aufschluss darüber, ob das Projekt förderfähig durch Stark III ist. Dann stimmen Bau- und Vergabeausschuss sowie Stadtrat darüber ab, ob ein Fördermittelantrag gestellt wird. Entscheiden sich die Gremien für einen Antrag und wird dieser bewilligt, kann die Sanierung beginnen. Architekt Steffen Lauterbach sagte: "Für die Vereine bedeutet die Zeit der Sanierung natürlich eine Durststrecke." Thomas Barz ergänzte: "Wir können die Sanierung nicht wegen einer Veranstaltung unterbrechen. Der Umbau hat dann Vorrang."