Ihren 95. Geburtstag hat gestern Elfriede Bathe in Güsen gefeiert. Schon am Vormittag kamen Gratulanten, und für den Nachmittag war "Trubel" angesagt in ihrem Haus im "Breiten Weg", obwohl längst nicht alle aus der mittlerweile großen Familie die Möglichkeit hatten, von zum Teil recht weit her zu kommen.

Güsen l "Wie bitte? 95?" Das könne doch gar nicht stimmen, meinen sicher viele, die Elfriede Bathe bisher nicht kannten. Man würde sie mindestens ein Jahrzehnt, eher mehr, jünger schätzen, und das nicht nur wegen ihres frischen Aussehens. Auch recht fit in jeder Beziehung ist sie noch und wäre es noch mehr, wenn da nicht vor einiger Zeit der Oberschenkelhalsbruch gewesen wäre, den sie aber gut überstanden hat. Seitdem hat sie allerdings "Gartenarbeitsverbot"...

Elfriede Bathe stammt aus der Altmark, aus dem Dörfchen Badingen in der Nähe von Stendal. Nach Güsen ist sie durch die Arbeit gekommen: Wie so viele andere war sie während des Krieges in der Munitionsfabrik Pennigsdorf beschäftigt. In der Küche hat sie hier gearbeitet. Und auch ihr künftiger Mann war dort.

Kennengelernt hat sie ihn aber nicht bei der Arbeit, sondern, als sie eine Freundin in Güsen besucht hat, die ganz in der Nähe vom Haus ihres Mannes wohnte. In diesem Haus lebt Elfriede Bathe noch heute - jetzt ganz allein. Nebenan wohnt ihr Sohn Helmut, drittes von vier Kindern, und schaut täglich nach ihr. Da er seit Jahresbeginn auch Rentner ist, hat er noch mehr Zeit. Die älteste Tochter Rosi wohnt in Burg, also auch nicht weit weg.

Zu den vier Kindern sind acht Enkel und inzwischen schon neun Urenkel sowie ein Ururenkelchen dazu gekommen. Ein hübsch gestalteter Stammbaum mit vielen Fotos - zwar nicht mehr auf dem allerneuesten Stand, kündet davon.

Geheiratet hatten Elfriede Bathe und ihr Mann 1949. Sie hat dann in der Landwirtschaft gearbeitet, erst privat, später in der LPG, und zwar überwiegend in der Pflanzenproduktion. Sie hat die Arbeit auf dem Feld gern gemacht, und die viele frische Luft hat wohl dazu beigetragen, sie jung zu halten. Nebenbei hatten sie früher auch privat noch ein Stück Acker und den großen Garten, in dem sie bis vor gar nicht langer Zeit immer noch fleißig gewirtschaftet hat.

Rentnerin geworden ist Elfriede Bathe noch zu DDR-Zeiten - mit 60 Jahren, wie es damals üblich war. Aber sie brauchte sich nie über Langeweile beklagen. Vor allem in den Ferien waren die Enkelkinder ganz viel bei ihr, da herrschte nicht selten "Jubel und Trubel" im Haus. Im Sommer sind sie zum nahen Badeloch gegangen, "und Güsen hatte ja damals auch noch eine Bedeanstalt", erinnert Elisabeth Scheck, stellvertretende Ortsbürgermeisterin, die zum Gratulieren gekommen war.

Tochter Rosi erzählt auch davon, wie sie und ihre Geschwister früher ihre Oma in Badingen besucht haben: Mit dem Fahrrad sind sie dorthin gefahren - über die Elbe nach Bittkau, wo es damals noch eine Fährverbindung gab, und weiter auf Nebenstraßen und Wegen. Das sei damals ganz selbstverständlich gewesen.