Mehr Platz, mehr Firmen und viel Interesse. Der zweite Berufsbildungstag der Projektgruppe Genthin 2020 brachte wieder Unternehmen und Azubis zusammen. Diesmal im Stadtkulturhaus.

Genthin l "Ich zeige dir mal, wie eine Platine gelötet wird." Elektroniker-Azubi Kai Bolle hatte alle Utensilien parat. Lötkolben, Platinen, Strom. Mit Interesse verfolgte Jonas Lückert die Ausführungen des Auszubildenden der Firma TCS.

Der Türsystem-Spezialist war beim Berufsbildungstag mit einem Stand vertreten, der ständig von Besuchern umlagert wurde. Sekundarschüler Jonas sicherte sich vor Ort einen Praktikumsplatz. "Ich habe mich sowieso für diesen Bereich interessiert und fand die Erklärungen sehr interessant." TCS setzte ganz auf die Fähigkeiten seiner Auszubildenden und nutzte den Berufsfindungstag für eine pfiffige Präsentation des Unternehmens.

"Wir haben einige namhafte Unternehmen für unseren zweiten Berufsbildungstag gewinnen können", sagt Genthin-2020-Kopf Alexander Otto. Die junge Gruppe hatte, wie schon im vergangenen Jahr, die Berufsmesse ehrenamtlich organisiert. War man im Rathaus im vergangenen Jahr räumlich sehr beengt, konnte im Stadtkulturhaus aus dem Vollen geschöpft werden.

Das Unternehmen TKS Dretzel, die QSG und die Volksbank waren in diesem Jahr neu dabei. Andere, wie die Tischlerei Ewert, haben schon Erfahrungen mit ihrer Präsentation auf dem Berufstag. "Wir stellen heute mit dem Tischler einen ganz klassischen Handwerksberuf vor, können aber auch die Möglichkeit eines dualen Studiums anbieten", erläutert Firmenchef Peter Ewert. Es gäbe für Berufseinsteiger viele Möglichkeiten. "Wir müssen dran bleiben, die jungen Leute für uns zu interessieren." Überhaupt erst einmal für den Beruf zu interessieren, war auch der Anspruch von BBE Fenstertechnik-Geschäftsführer Thorsten Karg. "Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik hört sich für viele erst einmal abschreckend an, dabei ist das eine Ausbildung, die es selten in Deutschland gibt und bei der man eine Arbeitsplatzgarantie hat, wenn man gut abschließt." Jedoch sei es schwierig, junge Leute für den als Fensterbauer bekannten Beruf zu begeistern. Einen großen Beratungsbedarf stellte auch Hartmut Schulze, Ausbildungsverantwortlicher der Sparkasse Jerichower Land, erneut fest.

"Viele junge Leute machen sich keine wirklichen Vorstellungen über ihre spätere Arbeit." Dennoch hält er den Berufstag für eine gute Sache. "Wir hatten einige sehr interessante Gespräche mit möglichen Bewerbern." Oft seien die Eltern der Motor für das Engagement der Jugendlichen. So war es auch im Stadtkulturhaus. Viele der Neunt- und Zehntklässler waren mit beiden Elternteilen vor Ort. "Wir haben auch in den Schulen Werbung gemacht und hoffen, dass unser Angebot dort unterstützt wurde", sagt Tom Golke von Genthin 2020. "Wir wissen aber auch, dass es gerade zu Jahresbeginn eine Vielzahl von solchen Angeboten gibt und es schwer ist, daraus eine gute Auswahl zu treffen."

Bürgermeister Thomas Barz, der Grüße des kurzfristig verhinderten Landrates Steffen Burchhardt übermittelte, sieht im Berufsfindungstag einen großen Vorteil: "Die Jugendlichen sind heute freiwillig hier, das ist etwas anderes als bei einem verordneten Berufsinformationstag." Zudem gebe das Angebot einen guten Überblick über das Ausbildungsplatzangebot in der Stadt, auch wenn naturgemäß nicht alle Firmen, die infrage kämen, vor Ort sein könnten.

Nicht immer waren die Rundgänge von Erfolg gekrönt. "Leider habe ich keinen passenden Beruf gefunden", musste Tim Rappe aus Parey feststellen. Der Zehntklässler aus Parey möchte in einen Beruf im Metallbaubereich gehen und hatte sich beim Werkzeugbauer Sommertools informiert. Jedoch war dies nicht so ganz sein Fall. Mancher Schüler nutzte den Berufsfindungstag, um einen Beruf auszuschließen. "Ich weiß jetzt, was ich nicht machen möchte", sagte Mark Stucke aus Genthin. "Altenpfleger." Dabei hatten die Vertreter vom DRK Jerichower Land einige Utensilien aus dem Berufsleben mitgebracht. Die Gäste konnten ihren Blutdruck messen lassen und es gab allerhand Informationen zum Berufsbild des Altenpflegers. "Man unterschätzt häufig den Umfang des Fachwissens in diesem Beruf", machte DRK-Vorstand Andy Martius deutlich. Dieser sei vergleichbar mit dem des Krankenpflegers, nur auf die Versorgung Älterer ausgelegt. Im Laufe des Nachmittages gab es denn auch einige Interessenten.

Auch der Stand der Genthin-2020-Gruppe war immer wieder gut frequentiert. Dort gab es eine Bewerbungsmappenberatung und die Gruppe warb um Nachwuchs. "Wir können immer neue Leute gebrauchen", sagte Tom Golke. Auch um Veranstaltungen wie den Berufsfindungstag zu planen und durchzuführen. Den soll es, so der derzeitige Planungsstand, auch im kommenden Jahr wieder geben.

 

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