Nach langer Vorbereitungszeit kann der Gladauer Ortsteil Dretzel nun wieder ein eigenes Wappen führen. Die Genehmigung dafür liegt jetzt vor.

Dretzel l "Der Ortsteil Dretzel bekennt sich mit dem neuen Wappen selbstbewusst zu seiner Tradition und Identität", macht Falk-Holger Schmidt, Vorsitzender des Feuerwehrvereins Dretzel, deutlich. Der Deutsche Herold, der die Wappenrolle führt, schuf 2011 mit einer weiteren Ortswappenrolle eine neue Möglichkeit, Orten, die ihre Selbstständigkeit verloren haben, mit einem Ortswappen, welches außerhalb von hoheitlichen Aufgaben und Amtshandlungen geführt wird, ein Symbol für die Identifikation seiner Bewohner zu schaffen.

Um dem Ortsteil Dretzel ein "symbolisches Gesicht" zu geben und der Bevölkerung ein verbindliches und heraldisch korrektes Zeichen ihrer heimatlichen Herkunft zu vermitteln, beschloss der Feuerwehrverein Dretzel, die Stiftung eines Wappens. Falk-Holger Schmidt: "Dieses soll außerhalb von Amtshandlungen bei öffentlichen Veranstaltungen im Ort präsentiert werden, um den Dretzeler Bürgern ein Gefühl der Verbundenheit mit ihrem Ort zu vermitteln." Die Stifter wollen mit dazu beitragen, dass das Dorf selbstbewusst und gleichberechtigt, auf Augenhöhe mit den anderen Ortsteilen Genthins, Mitglied dieser neuen, größeren Gemeinschaft wird.

Unterstützung fand der Feuerwehrverein bei den Dretzeler Unternehmen und Gewerbetreibenden. "Sie haben es durch ihr Sponsoring ermöglicht, die Wappenstiftung zu finanzieren", so der Vereinsvorsitzende. Denn die Wappenstifter standen vor der schweren Aufgabe, einerseits mit dem Wappen die dörfliche Tradition darzustellen und andererseits die strengen heraldischen Regeln einzuhalten. Falk-Holger Schmidt: "So durfte unser grasendes Schaf nicht perspektivisch gezeichnet werden. Die Farben durften nicht willkürlich (blauer Himmel über grüner Wiese) verwendet werden, da auch sie heraldische Bedeutung haben." Vor allem aber musste das Alleinstellungsgebot Beachtung finden. Das bedeutet, das Wappen und seine Elemente dürfen ausschließlich für Dretzel gelten. Dazu reicht die Darstellung eines Schafes bei weitem aber nicht aus.

Wappen von 1973 kam nie zur Genehmigung

Dretzel ist ein Dorf mit über tausendjähriger Geschichte und Tradition. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier 1973 plante der damalige Gemeinderat ein Wappen des Dorfes, das auch die Festschrift der Feier zieren sollte. Falk-Holger Schmidt: "Auf der Grundlage eines alten Siegels der bis 1950 selbständigen Gemeinde Dretzel wurde es von einem Magdeburger Grafiker entworfen." Es zeigte ein grasendes Schaf, das nun Symbol für Dretzel wurde. "Leider wurde dieses Wappen nie ins Genehmigungsverfahren geführt", bedauert der Vereinsvorsitzende noch heute.

1997 wurde für die Gemeinde Gladau, zu der Dretzel seit 1950 gehört, von der Landesregierung ein Gemeindewappen als Hoheitszeichen genehmigt. Dieses Wappen, eine aus einem Ölbaum aufsteigende rote Taube, basiert auf der Tradition der Gladauer Kirchengemeinde. Als mit der Gebietsreform Gladau 2009 wie auch Dretzel Ortsteile von Genthin wurde, verlor das Gladauer Gemeindewappen seine Bedeutung, da es die Gemeinde Gladau nicht mehr gab.

Das Dorf Gladau erhielt aber die Genehmigung, dieses Wappen als Ortswappen weiter zu führen. Falk-Holger Schmidt: "Die Dretzeler Geschichte und Tradition wird von diesem Gladauer Wappen nicht widergespiegelt." Nach langer Diskussion und mit fachkundiger Unterstützung von Heraldiker Jörg Mantzsch hat sich Dretzel nun ein Wappen gegeben, welches auch mit der Überreichung eines Wappenbriefes amtlich bestätigt wurde.

Neues Wappen erfüllt alle Anforderungen

In der Blasonierung heißt es: "In Rot mit rotem Balken belegten silbernen Schildfuß ein weidendes Schaf." Alle Elemente haben dabei eine Aufgabe hinsichtlich des Alleinstellungsgebotes. So stammt das Schaf aus einem historischen Gemeindesiegel. Der historische Name Dretzels, "Dritzele", leitet sich aus dem Slawischen ab und geht auf den Wortstamm "drei, Drittel, der Dritte" zurück. Aus diesem Grund ist der Schildfuß in drei Teile geteilt. Falk-Holger Schmidt: "Damit ist der Ortsname symbolisch dargestellt."

Nachweisen lässt sich auch eine frühe Belehnung im 14. Jahrhundert mit den Knappen Henning und Werner von Kracht, die auch die Erbauer des ersten Dretzeler Schlosses waren. Das brandenburgische Geschlecht derer von Kracht trägt im Wappen eine Greifenklaue mit rotem Balken über einem silbernen Flügel. "Der rote Balken im Schildfuß bezieht sich also auf diese alten Dretzeler Lehnsherren", so Falk-Holger Schmidt. Das Dretzeler Wappen trägt Rot und Weiß. (In der Heraldik ist Weiß Silber.) Dabei trägt es sowohl die Farben des Magdeburger Erzstiftes, dem das Dorf von Otto dem Großen geschenkt worden war, als auch die brandenburgischen Farben derer von Kracht: Rot und Weiß. "Damit waren alle vier Alleinstellungsmerkmale gegeben und das Wappen genehmigungspflichtig", so der Vereinsvorsitzende.

"Nun bleibt für den Feuerwehrverein als Wappenstifter nur zu hoffen, dass die Bürger von Dretzel sich bald mit diesem Wappen identifizieren und es als Symbol für die tausendjährige Geschichte und Tradition ihres Dorfes, als Symbol für ihre Heimat annehmen", wünscht sich abschließend der Vereinsvorsitzende Falk-Holger Schmidt.

   

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