Die Landesliteraturtage 2014 präsentierten Schriftsteller und ihr Werk. Während die Veranstalter und ein Großteil der Akteure mit dem Verlauf zufrieden sind, kritisieren einige Autoren den Lesemarathon heftig.

Genthin l Die Landesliteraturtage waren im vergangenen Herbst ein wahrer Vorlesemarathon. Unter der Federführung der Stadt Genthin gab es 130 Veranstaltungen. Insgesamt waren acht Kommunen im Jerichower Land in die Durchführung involviert. Ein letztes Mal in großer Runde kamen in der vergangenen Woche die Verantwortlichen der Landesliteraturtage im Kultusministerium Magdeburg zusammen. Neben den Vertretern des Ministeriums waren auch Teilnehmer des Friedrich-Bödecker-Kreises, der Stadt Genthin sowie der Stadt- und Kreisbibliothek Genthin anwesend.

"Wir haben in der Runde für uns ein positives Fazit gezogen", fasste es Genthins Bürgermeister Thomas Barz zusammen. Man habe sich vor der Veranstaltung neun Monate intensiv auf die Durchführung vorbereitet. Erstmals sei als Kontakt zwischen Autoren und Veranstaltern ein Autorenbeirat ins Leben gerufen worden.

130 Veranstaltungen sind Kritikern zu viel

"Mit den Thementagen wurden Edlef Köppen und Brigitte Reimann einem breiten Publikum bekannt gemacht." Letztlich hätte die Veranstaltung einen breiten Überblick über die vielfältige Literaturszene des Landes Sachsen-Anhalt und des Landkreises gegeben. Somit sei das Motto "Literarische Reise durch das Jerichower Land" passend gewählt worden. Doch nicht alle mögen sich dieser Bilanz anschließen.

Wasser in den Wein gießen einige Autoren, die schon seit Längerem, Kritik an der allgemeinen Ausrichtung der Landesliteraturtage üben. "Masse statt Klasse", hat etwa der Autor Christoph Kuhn, einen Beitrag für die Mitteldeutsche Zeitung überschrieben. Der Hallenser las während der Literaturtage in der Sekundarschule Brettin, war also hautnah im Veranstaltungsbetrieb dabei. Kuhn kritisiert, dass einige Lesungen nur zwei, drei oder überhaupt keine Besucher hatten. Mangelnde Werbung seitens inkompetenter und unmotivierter Veranstalter macht Kuhn dafür verantwortlich und sieht dies nicht als Sonderfall für die dünn besiedelte Region Genthin, sondern als strukturelles Problem. Denn solche Pleiten häuften sich bei den Landesliteraturtagen.

Der Autor kritisiert, dass trotz der regelmäßigen Auswertungen seitens der Veranstalter kaum Änderungen vorgenommen werden. Die Macher zeigen sich ob der Kritik wenig berührt. "Eine Einzelmeinung", nennt sie Jürgen Jankowsky, Geschäftsführer des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt. Thomas Barz wird noch deutlicher: "Es liegt nicht nur an den Ausrichtern, wie eine Lesung frequentiert wird, sondern auch an Autor und Buch selbst." Für Barz liegen geringe Besucherzahlen nicht am System. "Wir leben in einem Landkreis mit 90 000 Einwohnern. So viele wie in einer größeren Kleinstadt, auch dort würden Sie wenig besuchte Veranstaltungen haben trotz kurzer Wege und vieler potenzieller Interessenten." Jedoch muss auch der Genthiner Bürgermeister einräumen, dass nicht alles glatt gelaufen ist.

Nicht alle Lesungen konnten stattfinden

Im Fall des Autors Dieter Mucke lief es sogar richtig schief. Er sollte in der Stadthalle Möckern lesen. "Als ich eintraf, waren nur der Hausmeister und eine Dame dort, die mich nicht kannte", ist er auch heute noch ärgerlich. Unvollrichteter Dinge reiste der Autor wieder nach Halle.

"Dabei hatte ich mein Programm ausgearbeitet und hätte es gern vorgestellt", sagt der für seine Werke mehrfach ausgezeichnete 79-Jährige. Die verantwortlichen seien mit ihm ins Gespräch gekommen und hätten den Fehler bedauert. Dennoch: "Zwei Tage habe ich dadurch verloren", schimpft Mucke. Wie es dazu kommen konnte, lässt sich nicht mehr klären. "Es tut uns natürlich leid, dass diese Lesung nicht geklappt hat", sagt Thomas Barz. Jedoch sei das ein Einzelfall gewesen. Seitens der Autoren ist andererseits auch viel Lob für die Organisation zu hören. "Ich fühlte mich gut betreut und unterstützt", sagt beispielsweise Torsten Rohde. Der Genthiner las erstmals aus seinem Roman "Ich bin nicht süß, ich hab nur Zucker" und konnte damit viele Besucher anziehen. "Es war ein sehr positiver Zuspruch." Rohde lobte auch die Auftaktveranstaltung mit Wolfgang Rüb. "Die Besucher waren da und es war ein sehr würdiger Rahmen", resümiert Rüb, der aber auch einschränkte: "Das war bei einer Auftaktveranstaltung so zu erwarten, andere hatten es sicher weniger leicht."

Als nicht ganz leicht empfinden es auch einige der Autoren, überhaupt in die Auswahl für die Landesliteraturtage zu kommen. "Es ist doch beschämend, dass gestandene Autoren eine Bewerbung schreiben müssen als wären sie Debütanten", sagt Dieter Mucke. Er sei als Mitglied des PEN in Autorenlisten zu finden, wodurch man ihn recht einfach zu Lesungen einladen könne. An dem Bewerbungsverfahren ändert sich auch in den Vorbereitungen für die Landesliteraturtage 2015 in Wernigerode nichts. "Diese Phase läuft im Moment", bestätigt Klaus Grünberg, Leiter der Stadtbibliothek Wernigerode. Geändert hat sich aber der Veranstaltungszeitraum. Neun statt bisher fünf Tagen werden den Literaturtagen nun eingeräumt. Am 12. September werden sie beginnen. Auch konnten sich die neuen Veranstalter einiges aus dem Jerichower Land abschauen."

Im organisatorischen Bereich haben wir vieles übernommen." Auch werden ähnlich wie in Genthin, die umliegenden Orte in die Lesereihe einbezogen. Auch ein Motto gibt es bereits "Ein Fest, bunt wie der Harz". Das sei, so Grünberg, ein Thema unter dem sich die Beiträge aller Autoren vereinen lassen. Vielleicht auch versöhnen. Denn auch die Kritiker sagen mit Bestimmtheit: Die Landesliteraturtage soll es weiterhin geben. Nur am "Wie" müsse man feilen.