Drei Ehrenamtliche erteilen im Genthiner Integrationstreff 85 syrischen Flüchtlingen Deutschunterricht. Auf Montag, Dienstag und Donnerstag in der Zeit von 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr ist der Stundenplan verteilt. Nach wie vor bemüht sich der Landkreis derweil um ein sogenanntes niederschwelliges, gefördertes Kursangebot.

Genthin l Montag, kurz vor 13.30 Uhr. Während Heike Stark und Regina Hofmeister die verschiedensten Dinge kurz vor Beginn des Deutschunterrichts zu besprechen haben, trifft auch Helmut Bahr, der Dritte im Bunde, aus Annenhof ein. Aus seiner Aktentasche nimmt er einen Packen vorbereitetes Unterrichtsmaterial. "Der Kopierer ist heute kaputtgegangen. Die Blätter werden wohl kaum reichen. Mal sehen, wie wir heute zurecht kommen", sagt der Ruheständler. Viel Zeit zum Lamentieren bleibt den ehrenamtlichen Lehrkräften nicht. Es muss improvisiert werden - Denn es warten die ersten syrischen Schüler auf den Unterrichtsbeginn.

Heute geht es um die Angabe der Uhrzeit. "Wir vermitteln ganz einfache Grundbegriffe. Ich heiße ... Guten Tag", berichtet Regina Hofmeister, die eine junge syrische Familie in ihrer persönlichen Bekanntschaft hat und schon vor den Unruhen in Aleppo zu Besuch weilte.

Die drei Deutschlehrer haben sich auf ehrenamtlicher Basis zusammengefunden, um Hilfe zu leisten, wo Hilfe dringend benötigt wird. Bildungsträgern wollen sie in keinerlei Hinsicht Konkurrenz machen. Die Initialzündung ihres Engagements ging von dem Benefiz-Konzert von Robby Schulze im Dezember aus. Hier wurde von den syrischen Flüchtlingen durchweg der Wunsch geäußert, die deutsche Sprache zu erlernen.

Heike Stark, Regina Hofmeister und Helmut Bahr fanden sich daraufhin zusammen und reagierten: Unterrichtsmaterialien mussten organisiert, Räume beschafft und weitere Ehrenamtler geworben werden.

"Dankenswerterweise", sagt Helmut Bahr, "hat uns Cornelia Otto vom Integrationstreff Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt". "Sie ist ein wirklicher Schatz", ergänzt Heike Stark, die im beruflichen Leben als selbständige Mediatorin tätig ist.

Ausreichend seien die Räumlichkeiten trotz dieser Hilfe aber immer noch nicht. Nach wie vor müssten Türklinken bei öffentlichen Institutionen geputzt werden. Bisher allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Vonnöten ist auch eine Verstärkung des ehrenamtlichen Lehrpersonals. Bei 85 Schülern kann bei den gegenwärtigen Gegebenheiten jedem Schüler wöchentlich nur eine Doppelstunde erteilt werden. Viel zu wenig.

Die Syrer, sie sind in Besitz eines offiziellen Flüchtingsstatuses, mit dem sie einen dauerhaften Aufenthaltstitel erhalten, dürfen laut Gesetz einen geförderten Deutsch-Kurs absolvieren.

Anerkannte Dozenten sind wie Goldstaub

Der Landkreis bemühe sich, einen niederschwelligen Sprachkurs für die syrischen Flüchtlingen anzubieten, sagte Kreissprecher Henry Liebe auf Volksstimme-Anfrage. Dafür müsste allerdings ein anerkannter Dozent gewonnen werden. "Doch der ist wie Goldstaub zu finden", macht der Kreissprecher klar.

So beschränken sich die Möglichkeiten der syrischen Flüchtlinge in Genthin, die deutsche Sprache zu erlernen, vorerst allein darauf, den ehrenamtlichen Deutschunterricht im Integrationstreff wahrzunehmen.

Regina Hofmeister, Helmut Bahr und Heike Stark sehen aber auch in der Integration der Syrer beispielsweise in den Sportvereinen Genthins oder möglicherweise sogar in Familien eine gute Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen. "Wir haben in den Syrern bisher sehr gut ausgebildete und zugängliche Menschen kennengelernt, hinter denen ein schweres Schicksal liegt. Es ist eine Bereicherung, diese Menschen kennenzulernen", ermuntern die ehrenamtlichen Lehrer die Genthiner, einen Schritt auf die Flüchtlinge zuzugehen.