Weit mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, seit zuletzt Orgelklänge durch die Ferchländer Kirche hallten - bis zum Donnerstag dieser Woche. In der Kirche steht nun eine digitale Kisselbach-Orgel. Sie klingt sehr schön, denn es wurden die Originaltöne von "echten" Orgeln abgenommen.

Ferchland l Der alles entscheidende Unterschied zu einer Pfeifenorgel ist der Preis. Ohne einen sehr reichen Sponsor hätte sich eine kleine Kirchengemeinde wie Ferchland heute nie den Einbau einer komplett neuen Pfeifenorgel leisten können.

Und zu restaurieren gab es in dieser Kirche nichts mehr. Die ehemals vorhandene Orgel wurde völlig zerstört. Ein Paar Pfeifen habe die Kirchengemeinde noch, sagt Friedrich Schwarz, Kirchenratsvorsitzender im Kirchspiel Parey. Die meisten allerdings seien verschwunden - geplündert nach dem Krieg.

Alte Pfeifen gesucht für den Orgelprospekt

Dabei würde man sie jetzt gut gebrauchen können. Denn auf der Empore über der neuen Orgel beziehungsweise dem Altar soll ein Orgelprospekt eingebaut werden, so dass zumindest optisch an eine "echte" Orgel erinnert wird.

Friedrich Schwarz bittet deshalb alle Ferchländer und eventuell auch andere Bürger aus der Region zu schauen, ob sich vielleicht im Schuppen oder auf dem Dachboden doch noch eine Orgelpfeife von der einstigen Ferchländer Orgel anfindet, die dort die Jahrzehnte überdauert hat. Es wäre einfach schön, so viel Originalpfeifen wie möglich für den Orgelprospekt zusammen zu bekommen - auch wenn die Pfeifen selbst nie mehr erklingen werden.

Empore über dem Altar als Resonanzraum genutzt

Wenn künftig auch dieser Richtung Klänge kommen, dann stammen sie von zwei zusätzlichen Lautsprechern, die Rico Hübner und Danilo Randel vom Orgelhaus "Kisselbach" auf der Empore platziert haben. Sie entschieden sich dafür, die Lautsprechermembranen nach hinten in die Empore hinein zu richten, um diese als Resonanzraum zu nutzen und so die Klangfülle, die die Zuhörer in der Kirche erreicht, zu verstärken. Neben diesen beiden externen Lautsprechern verfügt die Orgel auch über eingebaute Lausprecher. Sie alle können wahlweise zu- oder abgeschaltet und in der Lautstärke variiert werden.

Die Orgel selbst wurde in Abstimmung mit der Kirchspiel-Organistin Rosel Richter, Pfarrer Andreas Breit und Friedrich Schwarz seitlich neben dem Altar aufgestellt, und zwar so, dass der Spieler in die Gemeinde blicken kann. "Das ist besser, wenn ich einmal selbst den Gesang mit der Gemeinde begleite", erklärt Pfarrer Breit.

Zwei Manuale, Pedal, sechs Intonationen, 38 Register

Rico Hübner und Danilo Randel geben einige Erläuterungen zu dem Instrument: Es ist eine "Gloria Cantus 238". Die "2" stehe für zwei Manuale und die "38" für 38 Register. Weiterhin hat die Orgel ein 30-töniges Pedal. Das Instrument verfügt über zwei barocke, zwei romantische und zwei sinfonische Intonationen. Die Töne seien von mehreren verschiedenen Orgeln abgenommen worden.

Der Organist kann also sozusagen das passende Instrument wählen, je nachdem welches Werk er spielen möchte - ein Vorteil, den Pfeifenorgeln nicht bieten. Freilich kann eine digitale Orgel nicht die Individualität einer Pfeifenorgel bieten, aber sie hat noch einen weiteren Vorteil: Sie ist wetterunempfindlich, und das ist gerade in kleinen Dorfkirchen, in denen es viele Monate im Jahr ziemlich kalt und teilweise auch feucht ist, sehr wichtig.

Finanzieren konnte die Ferchländer Kirchengemeinde ihre neue Orgel ganz allein: "Wir haben einen Teil des Geldes aus dem Verkauf des Pfarrhauses verwendet", erklärt Friedrich Schwarz und richtet den Blick auch schon in die Zukunft: "Wir wollen ja auch noch zwei weitere Glocken anschaffen, dafür brauchen wir auch noch Geld!"