Am Freitagabend lud die evangelische Trinitatisgemeinde zu einem Rundtischgespräch ein, das die Betreuung von Syrern in Genthin thematisierte.

Genthin l "Es ist erstaunlich, welch konkrete Ergebnisse das Rundtischgespräch nach nur anderthalb Stunden erbracht hat", resümierte ein sichtlich überraschter Pfarrer Johannes Möcker, der die Leitung der Zusammenkunft hatte.

Der Einladung der evangelischen Kirchengemeinde waren neben evangelischen, auch katholische Christen, Genthiner ohne Konfession und selbstverständlich etliche Syrer gefolgt. Letztere stellten sich übrigens in deutscher Sprache vor.

"Wir merken, dass unser bisheriges Sprachangebot zu wenig ist."

Heike Stork

Helmut Bahr gab eingangs einen kleinen Einblick der ehrenamtlichen Arbeit einer kleinen Gruppe - bestehend aus drei Hilfswilligen, die in ihrer Freitzeit im Intergrationstreff montags, mittwochs und freitags den Syrern in Doppelstunden einfache Grundbegriffe der deutschen Sprache vermitteln. Bahr berichtete von Schwierigkeiten, weitere Räumlichkeiten für den Unterricht ausfindig zu machen. Ab dieser Woche stünde jedoch ein Raum bei der Genthiner Tafel zur Verfügung.

Derzeit könne der Unterricht nur in großen Gruppen erteilt werden, viel effektiver sei ein Unterricht mit zwei bis drei Syrern. Regina Hofmeister warb für weitere Interessenten, die die deutsche Sprache vermitteln könnten. "Jeder ist dazu in der Lage. Hilfreich sind ein paar Brocken Englisch oder eine Verständigung mit Händen und Füßen", sagte sie. Heike Stork, auch sie erteilt Unterricht, unterstrich, dass ein tägliches Sprachangebot enorm wichtig sei. "Wir merken, dass unser bisheriges Angebot zu wenig ist."

"Die Integration in Sportvereinen scheitert bisher an Versicherungsfragen."

Wahid Kulijew

Helmut Bahr, der inzwischen sehr intensive Kontakte zu den Syrern pflegt, artikulierte den Wunsch der Flüchtlinge, Menschen der Stadt Genthin kennenzulernen und Sport treiben zu können. Die Syrer wüssten, dass das Erlernen der deutschen Sprache der Schlüssel für ihre weiteres Leben in Deutschland sei, machte Bahr klar.

Wahid Kulijew, Betreuer der Flüchtlinge, informierte daraufhin, dass es durchaus entsprechende Angebote von Genthiner Sportvereinen gebe, die Syrer zu integrieren. Bisher hapere es aber an der Klärung von Versicherungsfragen. Verantwortliche hätten jedoch eine zügige Bearbeitung in Aussicht gestellt.

Pfarrer Johannes Möcker teilte dann die Anwesenden, den bisherigen Gesprächsverlauf resümierend, in zwei Gruppen auf.

So konnte sich eine Gruppe, die Interesse am Erteilen von Deutsch-Unterricht geäußert hatte, und eine weitere, die sich für Zusammenkünfte mit den Flüchtlingen engagieren will, zusammenfinden und austauschen.

Die erste Gruppe verständigte sich auf einen Spielenachmittag, den es zukünftig jeden Freitag von 17 bis 19 Uhr im Gemeinderaum geben wird. "Zusammensitzen - small talk in german", fasste Pfarrer Möcker salopp das Anliegen dieses Angebots zusammen.

In die Liste derer, die Interesse haben, Deutsch-Unterricht zu erteilen, trugen sich sechs Personen ein. "Gar nicht schlecht", kommentierte Pfarrer Johannes Möcker. Die Interessenten äußerten allerdings auch den Wunsch, erst in ihr neues Ehrenamt hineinschnuppern zu können, um für sich festzustellen, ob sie der Aufgabe gewachsen sind. Heike Stork als Koordinatorin erklärte sich den Interessenten gegenüber bereit, sie mit der Aufgabe vertraut zu machen und sicherte ihnen Unterstützung zu. Der Deutsch-Unterricht soll dann, ersten Vorstellungen zufolge, donnerstags in der Zeit von 17.30 bis 19.30 Uhr im Gemeindehaus erteilt werden.

Petra Schiele, Streetworkerin im Morushaus, stellte in Aussicht, dass mit Rücksprache mit dem Leiter der Einrichtung ein Raum für den Deutsch-Unterricht genutzt werden könnte oder auch die Spiele, die in der Jugendeinrichtung vorgehalten werden, von den Syrern in Anspruch genommen werden können. Und: "Wir sind bemüht, die Jugendlichen zur Toleranz zu erziehen, deshalb ist es für sie wertvoll, mit den syrischen Gästen zu sprechen."

Heike Stork regte die Teilnehmer des Rundtischgespräches außerdem an, über persönliche Patenschaften nachzudenken.

Für Genthiner, die sich an den Angeboten, die während des Rundtischgesprächs entwickelt wurden, beteiligen möchten, besteht die Möglichkeit, sich mit der evangelischen Gemeinde in Verbindung zu setzen. Derzeit leben knapp 90 syrische Flüchtlinge in Genthin. Der Landkreis bemüht sich laut eigenen Angaben um einen Deutsch-Kurs, der den Flüchtlingen gesetzlich zugesichert ist. Es fehlt allerdings an einem anerkannten Dozenten.