Lange wurde um die Genthiner Kfz-Zulassung gebangt. Nun verkündet Landrat Steffen Burchhardt den ausgearbeiteten Kompromiss. Montags und mittwochs bleibt die Zulassung zwischen 8.30 und 16 Uhr geöffnet. Kritik kommt aus Autohäusern und "Schilderbuden".

Genthin/Burg l "Die Zulassungsstelle in Genthin wird in reduziertem Umfang aufrecht erhalten", verkündet Kreissprecher Henry Liebe per Pressemitteilung am Sonntagabend. Dies hätten Landrat Steffen Burchhardt und die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags einstimmig beschlossen.

Reduzierter Umfang heißt, die Zulassungsstelle öffnet montags und mittwochs zwischen 8.30 und 16 Uhr und ist in dieser Zeit mit zwei Personen besetzt. "An den anderen Tagen steht die Zulassungsstelle in Burg zu den bekannten Öffnungszeiten zur Verfügung", heißt es in der Pressemitteilung weiter (siehe Infokasten).

"Kompromiss zwischen Erhalt und Einsparung"

Landrat Steffen Burchhardt

Landrat Steffen Burchhardt schreibt: "Es freut mich, dass ein Kompromiss gefunden wurde, die Zulassungsstelle in Genthin zu erhalten und dennoch Einsparungen zu realisieren." Welche Einsparungen das genau sind, konnten gestern weder Steffen Burchhardt noch Henry Liebe beantworten, beide befanden sich im Urlaub.

Grund zur Freude sieht Andreas Riedel nicht. Er betreibt eine der beiden "Schilderbuden" vor der Zulassungsstelle. Seine drei Mitarbeiter prägnieren die frisch zugelassenen Kennzeichen. Riedel sagt: "Das ist ein Schlag ins Gesicht." Er hat beim Landrat vorgesprochen und erörtert, unter welchen Umständen er seine Prägnierstelle weiterbetreiben kann. "Unter diesen kann ich es nicht", stellt er klar und begründet: "Zwei Öffnungstage reichen nicht aus, ich habe Miet- und Lohnkosten zu zahlen." Die Konsequenz: "Hier verlieren drei Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz." Riedel kritisiert außerdem die neuen Öffnungszeiten: "Der lange Donnerstag, an dem bis 17 Uhr geöffnet war, wurde komplett gestrichen. Ein Werktätiger hat nun keine Chance mehr, in Genthin ein Auto an- oder abzumelden, ohne einen Tag Urlaub zu nehmen." Diese Leute würden nun nach Burg fahren, prognostiziert Riedel. Nach Burg wird wohl auch die Kundschaft aus den Autohäusern fahren.

Dirk Polotzek ist Inhaber des Genthiner Autohauses "Krebs". Er sagt: "Das ist eine Katastrophe." Die meisten Autohäuser melden für ihre Kunden deren alte Autos ab. "Wenn ein Kunde am Mittwochabend sein Auto bei mir lässt, kann ich das am Montag in Genthin abmelden. Das sind fünf Tage, für die der Kunde weiter Versicherung und Steuern zahlt." Geht nicht, sagt Polotzek und wird in solchen Fällen nach Burg fahren.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht"

Andreas Riedel, Betreiber der "Genthiner Autoschilder GmbH"

So sieht es auch Klaus-Peter Dittrich vom Mazda-Autohaus in Hüttermühle. "Ich fahre dann wegen einer Abmeldung nach Burg. Eine halbe Stunde hin, eine halbe zurück und dort plane ich drei Stunden Wartezeit ein. Bürgerfreundlich ist das nicht." Die Zeche zahlt laut Dittrich der Kunde. "An- und abmelden wird teurer." Der Autohändler argumentiert weiter: "Wenn in Genthin nur an zwei Tagen geöffnet ist, geht da montags und mittwochs die Post ab. Da kommt man unter drei Stunden Wartezeit dann nicht mehr raus." Auch die Burger Kundschaft würde am Mittwoch nach Genthin kommen, da die Burger Zulassungsstelle mittwochs keine Sprechzeit hat.

"Keine Zukunft für die Genthiner Zulassung"

Uwe Komorowski, Autohändler

Ähnlich sieht es Autohändler Uwe Komorowski aus Parchen. "Das ist keine Lösung. So hat die Genthiner Zulassungsstelle keine Zukunft." Erwin Schmidt vom gleichnamigen Autohaus ergänzt: "Das ist ein fauler Kompromiss."

Eine baldige Schließung der Genthiner Zulassungsstelle sagt Klaus-Peter Dittrich unter diesen Umständen voraus. "Daran sieht man deutlich, dass der Landrat überhaupt kein Interesse an Genthin hat." So äußert sich auch Dirk Polotzek: "Alles wird nach Burg geholt und links und rechts davon wird alles kaputt gemacht. Traurig."