Auch in diesem Jahr sucht die Volksstimme unter dem Motto "Du bist spitze!" den Lokalmatadoren. Acht Kandidaten stehen zur Auswahl. Wir präsentieren die Nominierten im Porträt. Heute: Rüdiger Schnapp, Vorsitzender des Fördervereins der Schlagenthiner Kirche.

Schlagenthin l Die Kirche in Schlagenthin präsentiert sich den Besuchern als kleines Schmuckstück. Das Fachwerk ist wiederhergerichtet, die markante Engeldecke erstrahlt in neuem Glanz und auch die Innenbeleuchtung wurde erneuert. Dass die Kirche aus dem 13. und 17. Jahrhundert heute wieder Besucher von Nah und Fern anzieht, ist einem sehr engagierten Förderverein zu verdanken. Wo immer dieser etwas anschiebt, ist einer nicht weit: Rüdiger Schnapp. Der rührige Vereinsvorsitzende hat als Ur-Schlagenthiner seine Heimat fest im Blick.

"Man hängt doch an der Gegend, aus der man stammt und muss sie erhalten", sagt er. Die Kirche war ihm dabei immer eine besondere Herzensangelegenheit. Auch zu der Zeit, als Schnapp sich im Gemeinderat mit politischen Entscheidungen beschäftigen musste. "Die Kirche wurde immer mal ein wenig hergerichtet, aber sie lag lange im Dornröschenschlaf." Wann immer das Gespräch auf das Gotteshaus kam, war sich Schnapp sicher: "Man muss da etwas machen."

Im Sommer 2008 war klar, es wird etwas gemacht. Ein Förderverein soll gegründet werden. Auch der Vorsitzende war schnell gefunden. Die Vorstandsmitglieder Yvonne Pilz und Daniela Möcker machten dem rührigen Schnapp charmant unmissverständlich deutlich: "Rüdiger, du musst es machen." Und der machte, brachte den Verein auf den Weg, arbeitete mit den Kollegen eine Satzung aus, ließ den Verein in das Vereinsregister eintragen. Schnell entwickelte sich die zwölfköpfige Runde zu einer schlagkräftigen Truppe.

"Mit meinen Kollegen habe ich viel Glück gehabt", meint Schnapp und fügt hinzu: "Ich bin nur ein Teil des Vereins, ohne die Hilfe meiner Mitstreiter ginge es gar nicht." Ein Teil der Schnappschen Bescheidenheit, bekennt der Vorsitzende doch, dass er auch gern aus der zweiten Reihe mitgewirkt hätte. "Mir rutscht heute noch das Herz in die Hose, wenn ich vor vielen Menschen sprechen muss." Viele Menschen hat er oft um sich. Ob beim traditionellen Sommerfest im Kirchhof, wo die Dorfbewohner bei Live-Musik und bester Stimmung zusammenkommen und bei Sonnenschein Biergartenatmosphäre aufkommt, auch beim traditionellen Kulturwinter mit Vorträgen und Lesungen. Auch die Konzerte in der Kirche sind Publikumsmagneten. Dann ist es oft so rappelvoll, dass nicht wenige Zuhörer stehen müssen.

Alles Maßnahmen, um den Kirchenbau herzurichten. In den vergangenen fünf Jahren wurde erst die Außenfassade erneuert, dann der Innenbereich saniert. "Als ich vor rund acht Jahren das erste Mal hier war, sah es noch recht trostlos aus, aber heute geht einem beim Anblick der Kirche das Herz auf", lobte vor geraumer Zeit Pfarrer Johannes Möcker aus Anlass der Sanierung der Engeldecke.

Hier hatte der Förderverein eine besonders pfiffige Idee: Um den Eigenanteil der Sanierungskosten bei Geldspendern einzutreiben, wurden Patenschaften für die Engel vergeben. Zahlreiche Unterstützer aus der Region, bis hin nach Brandenburg fanden sich zusammen, um Paten zu werden.

Am Ende kam der Eigenanteil von 11 600 Euro für die rund 200 000 Euro teure Sanierung spielend zusammen. "Rüdiger Schnapp hat immer und überall für die Aktion getrommelt", erinnert sich Vereinskollegin Hannelore Pilz. Manche Schlagenthiner sagen nicht ganz im Ernst, der Vorsitzende nerve mit seinem Engagement, doch der kontert ebenso verschmitzt: "Ich werde euch noch weiter nerven." Denn nach wie vor muss einiges in der Kirche getan werden. "Wir beginnen jetzt mit dem Sammeln von Geldern für die Restaurierung von Altar und Kanzel." Ein Teil des Erlöses des Konzertes wird bereits in den Spendentopf wandern. Schnapp rechnet nach einer vorläufigen Schätzung mit Kosten von rund 60 000 Euro.

Da viele Spender nicht als Paten für die Engel zum Zuge gekommen seien, plane man eine erneute Patenschaftsaktion. "Jeder Spender erhält eine Urkunde und wird auf einer Tafel in der Kirche verewigt." Seit geraumer Zeit lässt sich das Gotteshaus auch wieder von der Straße aus erblicken, da ein vorgelagertes Gebäude abgerissen werden durfte. "Die nun freie Fläche werden wir mit Rasen und Parkplätzen noch herrichten", verspricht der Vereinsvorsitzende, der sagt: "Sie sehen, uns geht die Arbeit so schnell nicht aus."