Die Begegnungsstätte an der Genthiner Schillerstraße, die bisher durch die Volkssolidarität getragen wurde, schließt zum 31. März. Der Träger kann die Grundfinanzierung nicht mehr sichern. "Damals HO", die Begegnungsstätte an der benachbarten Gröblerstraße, wird die Mieter zukünftig betreuen.

Genthin l Ortschronist Günter Heine aus Wust, der vor einigen Tagen in der Begegnungsstätte an der Schillerstraße einen Vortrag vor Senioren hielt, kehrte von dort mit gemischten Gefühlen zurück. "Unter den Bewohnern des Hauses herrscht Verunsicherung über die bevorstehende Schließung", sagte er mit Sorge.

Zu Recht.

Dass die Schließung der Einrichtung unmittelbar bevorsteht, bestätigte gestern Martina Richter, Geschäftsführerin der Volkssolidarität, Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land, auf Volksstimme-Anfrage.

Bis sich die Türen schließen, wird allerdings nicht Trübsal geblasen. Fasching, Kaffeenachmittage, Spielerunden und Vorträge - all das steht noch auf dem Veranstaltungsplan für den Monat Februar.

Die Gerüchteküche über eine bevorstehende Schließung der Begegnungsstätte, die dem altengerechten Wohnen angeschlossen ist, brodelte schon eine geraume Zeit.

Jetzt wurden Tatsachen geschaffen.

Martina Richter macht eine Gemengelage an Gründen für die Entscheidung des Trägers verantwortlich. Als Hauptgrund führt sie allerdings den Umstand an, dass die Einrichtung von den Genthinern nicht so angenommen wurde, wie sich dies der Träger erhofft habe.

Martina Richter ging auch darauf ein, dass bei anderen vergleichbaren Wohnanlagen, in denen so genanntes Servicewohnen angeboten wird, mit den Mietern üblicherweise Serviceverträge abgeschlossen werden. Diese Service-Verträge seien in Genthin jedoch nicht zustande gekommen. Über diese Verträge wird ein entsprechendes Dienstleistungsangebot finanziert. Zusätzlich könnten Angebote vermittelt werden. Weil für die Genthiner Anlage keine solche Verträge existieren, musste das Personal durch die Volkssolidarität finanziert werden. Zu diesen Kosten kommen dann noch die Mieten für die Gemeinschaftsräume.

"Wir haben die Schließung der Begegnungsstätte Schillerstraße nicht leichtfertig vorgenommen"

Martina Richter, Geschäftsführerin Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land

Überlegungen des Trägers gingen ursprünglich dahin, dass die Begegnungsstätte von verschiedenen Gruppen der Volkssolidarität oder auch Interessen- und Selbsthilfegruppen genutzt werden könnte.

Daraus wurde allerdings nichts. Die Genthiner Realität sah anders aus: Entweder nahmen diese Gruppen weiter den "Lindenhof" in Anspruch oder fanden einen Anlaufpunkt in der jetzigen Begegnungsstätte "Damals HO", die von Marina Krause an der Gröblerstraße geführt wird.

"Somit wird die Begegnungsstätte Schillerstraße vorrangig von Mietern genutzt", stellt Martina Richter fest.

Die Suche nach einer Alternative zur Schließung blieb, so die Geschäftsführerin, ergebnislos. Die Fakten sprechen für sich: Die Mieter lehnten den Abschluss von Serviceverträgen ab, einem städtischer Zuschuss wurde eine Absage erteilt, andere Gruppe sind nach wie vor nicht bereit, die Begegnungsstätte Schillerstraße zu nutzen und die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) kann nicht auf die Miete verzichten.

Die Volkssolidarität sieht nun in der Kooperation mit der Begegnungsstätte "Damals HO" eine Möglichkeit, den Bewohnern der Schillerstraße auch weiterhin ein geselliges Beisammensein zu ermöglichen.

"Damals HO" befände sich in unmittelbarer Nachbarschaft, damit seien wertvolle Synergien zu erzielen, argumentiert die Geschäftsführerin. Und: "In Zukunft wird es unumgänglich sein, mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten, um solche Angebote wie Begegnungsstätten überhaupt vorhalten zu können", ist sich Martina Richter sicher.

Die Geschäftsführerin versicherte gestern gegenüber der Volksstimme: "Wir haben die Schließung der Begegnungsstätte nicht leichtfertig vorgenommen und alle Möglichkeiten geprüft."

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