Die Baugrubenumschließung für die zweite Kammer der Schleuse Zerben ist fertig, das Wasser ist abgepumpt. Aus diesem Anlass lud Baubevollmächtigter Thomas Herrmann von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung kurzfristig zu einer Besichtigung ein. Denn was er hier zeigen konnte, gibt es nur sehr selten zu sehen.

Zerben l "Wir sind in der vorigen Woche fertig geworden mit dem Lenzen (Abpumpen des Wassers) der Kammer", berichtete Thomas Herrmann. "Das Unterhaupt ist noch mit Wasser gefüllt." Jetzt, im trockenen Zustand, können viele Bau-Details gezeigt und erklärt werden, zum Beispiel die Herstellung der Schlitzwände, begründete er die Einladung. Die Gäste waren vor allem Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung aus verschiedenen Regionen, denn für die Fachleute ist eine solche Information am Objekt besonders interessant und wichtig.

Beeindruckend ist es aber auch für Laien. Das Interesse der Anwohner aus der Region am Schleusenbau war von Anfang an groß. Was sie allerdings vom Bau der zweiten Schleusenkammer bisher sehen konnten, war nur die berühmte "Spitze des Eisbergs", denn das meiste spielte sich in der Erde und unter Wasser ab. Was daraus geworden ist, sieht man jetzt - nach dem Abpumpen des Wassers.

Zwölf Meter tiefe Grube für die eigentliche Kammer

Zu sehen sind zwölf Meter hohe Betonwände, eine betonierte Sohle, aus der jede Menge riesige "Schrauben" (GEWI-Pfähle) herausragen, und knapp unter der Oberkante der Baugrube dicke Versteifungen aus Beton, die verhindern, dass die Betonwände nach innen gedrückt werden. Diese Versteifungen werden im Zuge des Baufortschritts der eigentlichen Schleusenkammer schrittweise wieder entfernt. Es hätten auch Streben aus Stahl verwendet werden können, erklärt Thomas Herrmann. Das wäre aber noch teurer geworden.

In den nächsten Wochen wird alles, was jetzt noch freiliegt, Stück für Stück wieder überbaut, "deshalb haben wir nur dieses kleine Zeitfenster, um es anzuschauen."

Laut war es in der Grube, denn mehrere Mitarbeiter haben mit großen Kärchern die Betonwände von Bodenresten gereinigt, damit später der Beton der eigentlichen Schleusenkammer sauber anschließen kann. Und per Radlader und Kran wurden Betonreste aus der Grube entfernt, die zuvor noch an den Betonstreben hafteten und während des Abpumpens abgelöst wurden. Sie stammen von einer Beton-Sauberkeitsschicht, auf der, bedeckt von einer Folie, die Streben betoniert wurden.

Andere Mitarbeiter dichteten kleinere Risse im Beton ab, durch die noch Wasser in die Grube eindringen konnte. In der Sohle hatten zuvor schon Taucher mit Hilfe von Injektionsnadeln (Packern), die jetzt noch herausschauen, Risse verpresst, als der Wasserspiegel erst ein Stück abgesenkt worden war. Bei voller Baugrube waren diese Risse nicht sichtbar, weil wegen des ausgeglichenen Drucks kein Wasser einströmte.

Sorgfältiges Abdichten für die Sicherheit notwendig

Das sorgfältige Abdichten ist sehr wichtig, denn während des Betonierens der eigentlichen Schleusenkammer darf absolut kein Wasser mehr einströmen, das dann auch Boden und Feinteile mitbringen und die Sicherheit des Schleusenbauwerks gefährden würde.

Ungefähr 8500 Kubikmeter Beton wurden allein für die Herstellung der Unterwasserbetonsohle gebraucht, die jetzt frei liegt. "Wir haben Montagfrüh angefangen und waren am Donnerstag fertig", beschreibt Thomas Herrmann, wie zügig das trotzdem ging. Die GEWI-Pfähle, die jetzt herausragen, sind schon vorher eingebracht worden. Vom Ponton aus sind Bohrungen erfolgt, fast 1000 Stück insgesamt. Die Pfähle haben eine Länge von 18 Metern. Sie wurden in die Bohrlöcher fallen gelassen, "und die Kunst ist es, dass sie am Ende alle nahezu gleich hoch sind." Mit Muttern und Kontermuttern sind Stahlplatten daran befestigt, unter die dann auch der Beton fließen musste. Das habe Firma Bauer gemacht.

Die Schlitzwände an den Seiten gehen noch etwa fünf, sechs Meter tiefer als die Betonsohle. Es sind gegriffene Schlitzwände, also das Material zwischen zuvor eingebrachten Lamellen wurde ausgehoben, und dann wurde hochbetoniert.

Die zulässige Ablenkung der Lamellen beträgt ein Prozent von der Höhe, was hier über die Gesamtlänge bis zu 17 Zentimeter ausmacht - im schlimmsten Fall bei zwei nebeneinanderliegenden jeweils zur anderen Seite - nach innen oder außen - also das Doppelte. An einigen Stellen ist das deutlich anhand der Absätze im Beton zu sehen, die später bei der Anschlusskonstruktion berücksichtigt werden müssen, betont Thomas Herrmann.

Zwei Jahre bis jetzt, weitere zweieinhalb wird es dauern

Bevor es mit dem eigentlichen Schleusenkammerbau losgeht, muss aber alles noch einmal genau vermessen werden, um sicher zu gehen, dass die Maße auch stimmen.

Auf die Sohle werde nun zunächst eine Dränschicht kommen, erläuterte Thomas Herrmann. Weiterhin kommen Brunnen hinein, die während der Zeit der Bauphase betrieben und am Schluss verschlossen werden. Der Raum unten werde sich dann später mit Grundwasser füllen. Installiert werde in den nächsten Wochen auch der Blitzschutz, der mit in die GEWI-Anker integriert werde.

Gebaut werde dann abschnittsweise: Mit dem Baufortschritt bei der Herstellung der Sohle werden auch die Wände hochgezogen. Diese werden zwischen einem und drei Metern dick.

Zwei Jahre Bauzeit und zirka 25 Millionen Euro hat es bis hierher gebraucht, unterstrich Thomas Herrmann - im Grunde "nur" für die Vorbereitungen zum eigentlichen Schleusenbau. Noch weitere zweieinhalb Jahre wird es nun dauern, bis die Schleuse komplett fertig ist.

 

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