Dorthin, wo sonst schwere Stahlteile bearbeitet werden, luden die Stadt Genthin und die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) zum zweiten Neujahrsempfang. 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur kamen in der Werkhalle der Firma Sibau zusammen.

Genthin l Rückblicke und Ausblicke prägten den offiziellen Teil des Neujahrsempfanges in der Werkhalle der Firma Sibau. Unter den Gästen fanden sich Vertreter der lokalen und regionalen Politik, der Wirtschaft sowie aus den sozialen und kulturellen Bereichen. Genthins Bürgermeister Thomas Barz machte die Probleme der Kommunen deutlich. "Die gestiegenen Ausgaben und eine unausgewogene Verteilung der Einnahmen zwischen Bund, Land und Kommune schnüren den Städten und Gemeinden die Luft ab."

Genthin habe mit dem Konsolidierungskonzept einen wichtigen Schritt zum Ausgleich der kommunalen Finanzen getan. "Es ist uns dadurch gelungen, einen Haushalt in 2014 für das Jahr 2015 zu beschließen, der noch im Dezember genehmigt wurde." Rund 5,5 Millionen Euro will die Stadt im laufenden Jahr investieren. Größte Posten seien der zweite Bauabschnitt der B1 mit mehr als 600 000 Euro sowie die Sanierung des Wasserturms mit 1,2 Millionen. Mit 1,7 Millionen schlagen die durch Stark III geförderten Maßnahmen in den Kitas Parchen, Tucheim, Käthe Kollwitz und der Grundschule Tucheim zu Buche.

Barz kündigte an, zwei bis drei Mitarbeiter mehr im Außendienst des Ordnungsamtes abzustellen und den Bauhof technisch zu modernisieren, um den Bürgern eine saubere Stadt zu bieten. Auch auf die im vergangenen Jahr lebhaft geführte Diskussion um die Sportstätten ging der Bürgermeister ein. Erschreckend sei es, dass "Kinder und Jugend nach vorne geschoben wurden". Der Bürgermeister kritisierte das "Gerede und Geschrei", das rund um das Thema stattgefunden habe, schlug als Konsequenz aus der Diskussion vor, ein Sportstättenentwicklungskonzept zu entwickeln. Dieses solle dem Stadtrat demnächst unterbreitet werden. "Wir wollen dabei Vereine und Bürger im Rahmen von Umfragen beteiligen und einen klaren Demografiecheck einfließen lassen.

Der Bürgermeister lobte die Arbeit vieler Ehrenamtlicher in den Ortsfeuerwehren, bei der DLRG und dem DRK. Im Hinblick auf die Wirtschaft, nannte Barz die Insolvenz des Waschmittelwerkes einen "Schock" und stellte diesem die zahlreichen neuen Arbeitsplätze, die im vergangen Jahr geschaffen wurden, als erfreulich gegenüber.

Für die Unternehmer der Stadt sprach Sibau-Geschäftsführer Heinrich Baumgärtel. Er sah die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate vorsichtig optimistisch. "Unsere Auftragsbücher sind wieder etwas voller." Er mahnte aber auch: "Wir können unsere Infrastruktur nicht auf Verschleiß fahren und dabei das Wohlstandsniveau halten." Sibau habe in den vergangen Jahren umfänglich investiert, um den Standort mit rund 100 Mitarbeitern zukunftsfähig aufzustellen.

Mit einem Blick zurück auf das, was seit der Wende geschaffen wurde, beschäftigte sich auch der ehemalige Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer. "Auch bei Ihnen in Genthin hat sich das Stadtbild nachhaltig verändert." Böhmer machte deutlich, dass viele Investitionen aufgrund von Krediten von Bund, Ländern und Gemeinden möglich geworden sind. "Das war in der Vergangenheit manchmal nicht anders möglich, aber man kann diesen Weg nicht endlos fortführen." Böhmer mahnte die Entscheidungsträger zu einer verantwortungsvollen Politik, die auch die künftigen Generationen im Blick habe und für Frieden in Europa und der Welt sorge. "Die Welt ist heute zusammengewachsen, wie wir es uns früher nicht hätten vorstellen können." Somit galt die Mahnung des ehemaligen Ministerpräsidenten für die Entscheider der großen wie kleinen Politik.

Fast ein Heimspiel absolvierte die Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg, Dietlind Tiemann. Sie warb 66 Tage vor dem Start der Bundesgartenschau in Brandenburg für die Veranstaltung und lobte die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ihrer einstigen Heimat Genthin. Eine gute Zusammenarbeit bescheinigte auch Landrat Steffen Burchhardt (SPD) der Stadt Genthin. Er konnte nicht selbst vor Ort sein und wurde per Videoaufzeichnung zugespielt. Burchhardt beklagte die finanzielle Misere des Kreises, der mit immer weniger Mitteln immer mehr Aufgaben erfüllen müsse. "Genthin und die Kreisverwaltung ziehen an einem Strang", machte der Landrat deutlich.

Nach dem offiziellen Teil kamen die Gäste in kleinen Runden zu Gesprächen zusammen. Die musikalische Begleitung lieferte der Sänger Robby Schulze, der dabei auch den im vergangenen Jahr entstandenen "Genthin Song" präsentierte. Erfolgreich waren die Organisatoren von Stadtverwaltung und Touristinformation mit ihrer Ablaufplanung. Pünktlich um 22 Uhr war alles abgebaut und die Sibau-Spätschicht konnte ihre Arbeit beginnen.

   

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