Seit gut einem Jahr ist Dr. Thomas Wieser nun als Spezialist für Schmerztherapie im AWO Fachkrankenhaus Jerichow tätig. Sein Rückblick auf dieses erste Jahr fällt äußerst positiv aus. Das Patienteninteresse ist groß, die Zusammenarbeit mit Kollegen entwickelt sich ausgezeichnet.

Jerichow l "Ich bin sehr zufrieden", sagt Dr. Thomas Wieser und betont: "Ich konnte hier auf sehr viele Ressourcen zurückgreifen, so dass es wirklich relativ rasch gelungen ist, ein anspruchsvolles Therapieprogramm für die Patienten zusammenzustellen."

Mit den Ressourcen meint Dr. Wieser zum Beispiel die gut aufgestellte Physiotherapie des Krankenhauses. "Die ist Gold wert für mein Konzept!" Und eine Vielzahl weiterer Begleittherapien könne er für seine Patienten nutzen: Ergotherapie, Musiktherapie, Sporttherapie, Genusstraining... "Das hat man in diesem Umfang selten!"

Schmerz-Psychotherapie sei ein relativ spezialisierter Bereich innerhalb der Psychotherapie. Für diesen Bereich sei ihm von Anfang an eine Stelle zugesichert worden, die er auch besetzen konnte. "Ich habe hier eine sehr gute Mitarbeiterin bekommen: Anne-Sophie Pehrs. Sie ist Reha-Psychologin."

Für Schmerz-Psychotherapie gebe es eine spezialisierte Zusatzausbildung. Man arbeite unter anderem mit kognitiver Verhaltenstherapie. Die kritischen Punkte bei Schmerzpatienten können hierbei gezielt bearbeitet werden.

Weiterhin stehe ihm eine Ergotherapeutin zur Verfügung: Kerstin Hentschel sei ganz breit ausgebildet, unter anderem auch in Methoden, die an die Feldenkrais-Therapie angelehnt sind.

Ganz wichtig sei auch die Pflege: Hier habe er ein sehr einfühlsames und auch neugieriges Team übernehmen können, betont Dr. Wieser. "Es macht mir großen Spaß, sie weiterzubilden. Die Pflege ist auch gleichwertig in die Therapie eingebunden."

So konnte er relativ zügig ein gutes Programm zusammenstellen, und die Patienten kamen auch sehr schnell - anfangs viele auf eigene Initiative, nachdem sie von dem neuen Angebot gehört hatten, mittlerweile aber überwiegend auf Überweisung von Hausärzten und anderen Ärzten. "Ich denke, ich bin hier anerkannt worden als ein zusätzlicher Baustein im Rahmen der Patientenversorgung."

Zu wenig Schmerztherapie

Die schmerztherapeutische Versorgung liege immer noch sehr im Argen, betont Wieser. "Es gibt viel zu wenig!" Glücklicherweise sei man inzwischen aufgewacht und die Politik habe das Problem auf dem Schirm. Zwischen dem Bedarf und dem Angebot an Schmerztherapeuten klaffe aber immer noch eine enorme Lücke. Im Jerichower Land sei es noch ganz dünn.

Eine schöne Erfahrung für ihn sei gewesen, dass er sich gleich in das Schmerztherapie-Netz einklinken konnte: "Universität Magdeburg, Pfeiffersche Stiftungen und Gommern machen eine gemeinsame Schmerzkonferenz, da bin ich von Anfang an als Zuhörer hingefahren und bin jetzt auch als Redner dort tätig. Wir haben eine sehr gute, konstruktive Zusammenarbeit aufgebaut." Das sei auch deshalb so gut, weil die Schwerpunkte jeweils etwas andere sind.

Im Moment betreut Dr. Wieser nur Patienten, die stationär im AWO Fachkrankenhaus behandelt werden. Bisher dürfe er noch nicht ambulant tätig werden, aber er arbeite daran, dass das künftig möglich ist, betont er. Deshalb sei der Anteil an Kopfschmerzpatienten bei ihm bisher noch nicht so hoch. "Kopfschmerzen kann man relativ gut ambulant behandeln", erklärt er. Schwierige Fälle, auch mit psychischer Komponente, wären bei ihm gut aufgehoben. Im Moment könne er hier mitunter nur beratend tätig sein.

Der überwiegende Teil seien derzeit Patienten mit Rückenschmerzen, weiterhin Polyneuropathien - eine der häufigsten Erkrankungen in der Neurologie, oft Folgeerkrankung von Diabetes.

Mit maximal acht stationären Plätzen hatte Dr. Wieser angefangen. Jetzt sei dies auf zwölf Betten erweitert worden. Die Verweildauer betrage in der Regel zwischen 12 und 16 Tagen. Der Heilungsverlauf erstrecke sich aber über viele Monate.

Vernetzung ist ganz wichtig

Die stationäre Therapie diene nur als Anschub und solle einen Prozess einleiten, der dann relativ rasch ambulant weitergeführt werden könne. Deshalb sei die Vernetzung mit anderen Ärzten - Neurologen, Hausärzten und Orthopäden vor allem - so wichtig.

Regelmäßig sei er deshalb auch in der Fortbildung tätig. "Hier in Jerichow haben wir die Mittwochsfortbildungen, die für den ganzen Kreis gedacht sind." Im Mai wird es ein großes Symposium geben. Dabei werden auch er uns seine Mitarbeiter ihr Konzept vorstellen, um mit den Kollegen in Kontakt zu treten.

Seine Patienten hier werden immer mit einem ausführlichen Arztbrief entlassen, wo auch die weitere Behandlung aufgezeigt wird, erklärt Wieser. "Ich freue mich, dass ich auch viele Anrufe direkt von den Ärzten bekomme."

Sein Ziel im ersten Jahr seien 100 Patienten gewesen. Es wurden dann tatsächlich 125. Dieses Jahr werde auf etwa 300 Patienten orientiert, damit seien die Kapazitäten auch ausgeschöpft.

Die Patienten kommen hauptsächlich aus dem Jerichower Land, weiterhin aus dem Landkreis Stendal, aus Magdeburg und darüber hinaus, ja selbst bis aus Thüringen. Es sind sowohl sehr junge Patienten als auch ganz alte von mehr als 80 Jahren dabei. Einige kommen nach Operationen, "wobei wir uns wünschen würden, dass sie vorher kommen!"

Sehr am Herzen liege ihm die Behandlung der ganz alten Patienten. "Für sie haben wir ein spezielles Angebot." Polyathrosen, degenerative Gelenkserkrankungen seien hier die Hauptprobleme. "Diese Patienten können oft einfach nicht zur Physiotherapie." Und auch die komplexe Medikamenteneinnahme sei mitunter ein Problem. Es gebe Untersuchungen dazu, dass diese Patienten nach zwei, drei Wochen stationärer Schmerztherapie deutliche Erleichterungen erfahren.

Kopfschmerzpatienten hat Dr. Wieser zwar aus oben genannten Gründen im Moment nicht so viele, aber er ist hier durchaus auch Spezialist. Die Vielfalt bei Kopfschmerzen ist groß, wobei er es besonders mit schweren und/oder noch nicht vollständig geklärten Fällen zu tun hat. "Wir haben Patienten mit schwerer Migräne alle zwei Tage und solche, wo bisher keiner weiß, woran es eigentlich liegt." Hier werden dann alle diagnostischen Möglichkeiten genutzt, um die Ursachen aufzuspüren.

Lebensqualität verbessern

Die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten sei sein wichtigstes Anliegen, sagt Dr. Wieser. In dieses Fachkrankenhaus gekommen sei er, weil hier psychische und soziale Faktoren überdurchschnittlich berücksichtigt werden können. "Unser großes Plus ist, dass wir den ganzen Menschen im Blick haben."

Die Rückmeldung der Patienten sei gut. "Die meisten gehen froh nach Hause." Es gebe freilich auch immer mal wieder Rückschläge, räumt Wieser ein. "Gestresst" seien die Patienten, wenn sie den Therapieplan sehen, lacht der Arzt. "Die Patienten werden wirklich gefordert" unterstreicht er und zählt einige Punkte auf: "Wirbelsäulengymnastik, Bewegungsschulung, Gruppen-Psychotherapie, ärztliche Visite, für die ich mir sehr viel Zeit nehme, Ergotherapie - Töpferei, Gärtnern..., Entspannung jeden Tag - das ist ein ganz wichtiges Element, und abends gibt`s noch einen Marsch."

Ein ganz wichtiger Aspekt, der oft zu kurz kommt, sei: "Schmerzpatienten sollten so viel wie möglich über ihre Erkrankung und die Medikamente, die sie bekommen, wissen. Sie sollen die Erfahrung machen: Wenn ich das und das tue, geht es mir besser."