Altenplathow l "Sie kenne ich aus der Zeitung, jetzt sehe ich Sie endlich auch mal persönlich", begrüßte Gertrud Rademacher munter den Genthiner Bürgermeister. Thomas Barz war einer der zahlreichen Gratulanten, die der Altenplathowerin am Sonnabend ihre Aufwartung machten. Die Seniorin feierte an diesem Tag ihren 95. Geburtstag.

Dazu hatten sich zahlreiche Verwandte und Bekannte eingefunden. Gertrud Rademacher kam mit fünf Jahren mit ihren Eltern und fünf Brüdern nach Genthin. Hier verbrachte sie ihre Kindheit und die Jugendzeit. "Mein Vater war ein eingefleischter Badener, der hat sich hier nie wohl gefühlt, aber da meine Mutter aus Genthin kam, ist er geblieben", erinnert sich die Jubilarin. Sie selbst ist sehr mit Genthin und Altenplathow verbunden.

Ihren Ehemann lernte sie hier kennen und brachte in der Kanalstadt ihren Sohn zu Welt. Beide, Ehemann und Sohn, sind bereits verstorben. Regen Kontakt pflegt die 95-Jährige mit Enkelin Eike Liebe, die nebst Lebensgefährten aus Anlass des Ehrentages der Großmutter aus dem Württembergischen Bissigen nach Altenplathow gereist war.

"Wir telefonieren jeden Tag", erzählt Eike Liebe. "Du sagst ja gar nichts", meine die Großmutter stets nach geraumer Zeit. "Du lässt mich ja auch nicht zu Wort kommen", erwidert die Enkelin dann immer wieder. Über solche Anekdoten wurde in der Geburtstagsrunde gelacht. Gertrud Rademacher hat auch mit 95 die Gabe, eine Gesellschaft fröhlich zu unterhalten. Gute Laune verbreitete sie einst auch in ihrem Beruf. Sie war Köchin mit Leib und Seele.

Viele ehemalige Waschmittelwerker konnten sich von der Kochkunst Gertrud Rademachers überzeugen, als sie von 1955 bis 1981 in der Betriebsküche arbeitete. "Das fiel schwerer als heute, denn es wurde alles ganz frisch zubereitet", sagt die Jubilarin. Nicht selten wurde für mehr als 1000 Personen gekocht. Besonders berühmt sei einst ihr Eintopf gewesen.

"Für mich hat sie immer Gehacktesstippe gekocht", erinnert sich Enkelin Eike. Sehr engagiert war Gertrud Rademacher auch in der Gewerkschaft. Vertrauensperson war sie dort. "Heute ist sie das wohl älteste Mitglied der Gewerkschaft Papier, Keramik und Chemie", fügt Schwiegertochter Monika Rademacher hinzu.

Gertrud Rademacher lag früher sehr der Garten am Herzen, den sie mit ihrem Mann gemeinsam bewirtschaftete. Heute ist es etwas ruhiger, aber eines hat sich die Jubilarin bewahrt. "Ich lese jeden Tag die Volksstimme und weiß, was in Genthin passiert." Ein kleiner Volksstimme-Biber, einst ein Geschenk zur diamantenen Hochzeit schaut ihr dabei über die Schulter.

Mit den Gästen ging es am Geburtstag nach Brettin. Im Parkschlösschen wurde gemeinsam gefeiert. Zuvor machte die Altenplathowerin noch einen Termin mit dem Bürgermeister ab. "Wir sehen uns an Ihrem 100. Geburtstag wieder", sagte Thomas Barz zum Abschied.