Genthin l In der zweiten Etage des Kreismuseums sieht es dieser Tage aus, wie bei einem Umzug. Kisten stehen im Gang, Regalböden sind zur Seite gelegt, Zettel für die Beschriftung der Verpackungen liegen bereit. Ein wenig Abschiedsstimmung kommt auf, als Ausstellungsinitiatorin Verena-Ramona Volk und die Helfer des Museums die mehr als 3000 Exponate aus den Vitrinen in die entsprechenden Sammelkisten verpacken. Einige der Modelle der Schau "Verkehrsgeschichte im Kleinformat" sind erst im Dezember auf den Markt gekommen, andere haben nahezu historischen Wert, da sie aus den Anfängen der Modellautoherstellung bei der Firma Wiking stammen.

"Wir haben durch die Unterstützung von Sponsoren 20 große und 20 kleine Kunststoffkisten beschaffen können", erläutert Volk. Die kleinen Kunststoffkisten werden in große Boxen gestapelt und eingelagert. Das übernimmt von nun an die Stadt Genthin. Denn Verena-Ramona Volk hat zum Ausstellungsbeginn im Dezember die komplette Sammlung an die Stadt verschenkt.

"Die Sammlung hat ein Ausmaß angenommen, das ich nicht mehr bewältigen kann", sagt Volk. "Ich hätte mir mit sieben Jahren nie vorstellen können, einmal so viele Modellfahrzeuge zu besitzen." Mit der Schenkung wolle sie der Stadt und der Region die Möglichkeit geben, besondere Modelfahrzeugausstellungen zu präsentieren, die in diesem Umfang wahrscheinlich einmalig sind. "Das kann durchaus auch ein Teil der touristischen Vermarktung werden." Die Ausstellung im Kreismuseum hat bereits erste Maßstäbe gesetzt. "Wir hatten knapp 800 Besucher allein für die Modellfahrzeugschau", berichtet Museumsleiterin Antonia Beran. Rund 60 Prozent waren Einzelbesucher, der Rest Gruppen, unter anderem sahen sich Horte der Stadt, die Genthiner und Altenplathower Feuerwehr sowie das Ensemble des Genthiner Amateurtheaters die Ausstellung an. Verena-Ramona Volk hat die Besucher in zehn Führungen begleitet. Am letzten Ausstellungstag gab es sogar einen Gast aus dem niedersächsischen Göttingen. Dieser hat den Umfang der Sammlung sehr gelobt.

"Es ist durchaus vorstellbar, dass wir mit den Wiking-Modellen auch in Zukunft ein Alleinstellungsmerkmal für die Region haben", sagt Bürgermeister Thomas Barz, er räumt allerdings auch ein, dass die Stadt von der Schenkung sehr überrascht wurde. Zumal das Geschenk mit der Auflage verbunden war, die Sammlung ständig öffentlich zu zeigen. "Diese Auflage kann die Stadt nicht erfüllen", muss Thomas Barz enttäuschen.

Aus diesem Grund haben sich die Stadt und Verena-Ramona Volk darauf geeinigt, dass die Stadt die Lagerung übernimmt und die Sammlung in regelmäßigen Abständen in Teilen zeigt. "Denkbar ist, dass bei Jubiläen beispielsweise der Feuerwehr oder bei Ausstellungen zur Stadtgeschichte die Ausstellung als weiteres Element zu sehen ist", sagt der Bürgermeister.

Damit haben beide Seiten eine belastbare Lösung gefunden. "Ich freue mich, dass die Stadt sich bereit erklärt hat, die Sammlung anzunehmen und weiterhin zu zeigen." Für Volk ist die Weitergabe ihrer in Jahrzehnten zusammengetragenen Sammlung kein schwerer Schritt.

"Es ist kein schmerzvoller Abschied, sondern eher so wie der Moment, in dem man Kinder loslassen muss, weil sie groß sind und eigene Wege gehen." Es sei ein wenig Ende und Anfang zugleich. Denn ab jetzt werden die Autos in einem neuen Kontext zu sehen sein. Im Kreismuseum gibt es einen fliegenden Wechsel. Denn in der kommenden Woche beginnt der Aufbau für die Schau "Bismarck-Orte und Erinnerungen", die ab dem 1. März zu sehen sein wird.

 

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