Genthin l Franz Schuster, Ortsvorsteher in Paplitz, bekommt den Unmut seiner Bürger über die gegenwärtig schlappe Internetkapazität im Dorf aus erster Hand zu spüren. "Wenn ich gewusst hätte, was hier läuft, hätte ich mir hier nie ein Haus gekauft", musste sich Schuster von einem verärgerten Neu-Paplitzer sagen lassen.

Die verfügbare Geschwindigkeit in Paplitz von 384 kbit/s (Das langsamste DSL 1000 hat 1.024 kbit/s) war vor einem Jahrzehnt angemessen. Nicht von ungefähr drängte nun Franz Schuster (Ländliche Wählergemeinschaft/Fiener) im städtischen Bau- und Vergabeausschuss: "Mich würde interessieren, was aus der Landesinitiative `Schnelles, flächendeckendes Internet für alle` geworden ist. Was ist denn nun, kommt es oder nicht?", fragte er. Paplitz, Heimatort Schusters, hinkt zugegebenermaßen neben der Kernstadt sowie den Ortsteilen Mützel, Tucheim, Schopsdorf und in Kürze Parchen im politisch gewollten Breitbandausbau hinterher.

Das schnelle Internet war in dem Fienerdorf bisher daran gescheitert, dass mit den Funkmasten in Ziesar (Brandenburg) und Tucheim keine zeitgemäße Netzversorgung gewährleistet werden kann. Mehr Glück mit dem Ausbau des Hochleistungsdatennetzes hatten beispielsweise Mützel und Hüttermühle. Die Stadt Genthin nahm für diese Orte das Breitbandausbauförderprogramm Sachsen-Anhalts in Anspruch und erhielt so einen Zuschuss in Höhe von 170 000 Euro. Die zuwendungsfähigen Kosten beliefen sich seinerzeit auf über 190 000 Euro.

Thomas Barz erinnerte vor den Bauausschussmitgliedern nun daran, dass der Landkreis 2013 ein entsprechendes Unternehmen mit einer Studie beauftragt hatte, die Anfang 2014, allerdings mit mehrmonatiger Verspätung, fertiggestellt war. Mittlerweile sei der Landkreis aber auch zurückgerudert, weil bei dem Vorhaben auch Geld eine Rolle gespielt habe. Bürgermeister Thomas Barz: "So haben wir Zeit verloren."

Inzwischen, so das Stadtoberhaupt zum aktuellen Stand, haben verschiedene Anbieter Ausbaupläne für das Areal der Einheitsgemeinde Genthin erarbeitet und diese auch im Rathaus vorgelegt. "Diese Ausbaupläne legen wir übereinander und sehen dann, wo die weißen Flecken sind." Bis Ende März sollen Ergebnisse des Abgleiches vorliegen. Für diese "weißen Flecken" könnten dann, wie in Mützel und Hüttermühle geschehen, wieder Fördermittel beantragt werden, stellte Barz den Bauausschussmitgliedern in Aussicht.

Bürgermeister Thomas Barz warb unter den Räten allerdings für einen gezielten Einsatz der Fördermittel: "Diese weißen Flecken müssen wir uns genau ansehen und entscheiden, wo wir Geld in die Hand nehmen."