Viel Geschrei, Beleidigungen und Vorwürfe. Am Ende ein neuer Vorsitzender und ein Vorstand mit alten sowie neuen Gesichtern. Das war die Mitgliederversammlung in der Gartensparte "Am Mühlenfeld" am Sonnabend.

Genthin l Draußen steht eine Frau und verteilt Flugblätter. Inhalt: schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden der Gartensparte, Jürgen Köhler. Drinnen haben sich knapp 60 Mitglieder versammelt, die meisten diskutieren schon vor Beginn der Versammlung heftig. Die Stimmung ist gereizt. Eklat Nummer eins lässt nicht lange auf sich warten. Als der Vorsitzende Jürgen Köhler die Tagesordnung verliest, fällt ihm sein Vorgänger Peter Staats ins Wort. Er will weder Tagesordnung noch Köhler als Vorsitzenden anerkennen und fordert die Einhaltung "demokratischer Rechte". Eine Frau gibt ihm lautstark recht, eine andere ruft "Kindergarten", ein Mann fordert Staats auf, seine Kritik anständig vorzubringen.

Der Vorsitzende Jürgen Köhler erobert schließlich das Wort zurück: "Mach doch eine Eingabe, was weiß ich wohin", ruft er wütend und verliest den Rest der Tagesordnung. "So was habe ich überhaupt noch nicht erlebt", murmelt Reimar Porrini. Er ist Vorsitzender des Genthiner Stadtverbandes der Gartenfreunde und als Gast zur Versammlung gekommen.

Eine Szene, die zeigt, wie verhärtet die Fronten in der Kleingartenanlage "Am Mühlenfeld" sind. Rückblick: Im September tritt Peter Staats als Vorsitzender zurück, Nachfolger wird Jürgen Köhler. Neuer Vorsitzender und Vorstand überwerfen sich mit der Revierkomission, in der Jörg Mai und Wolfhard Meerkatz Mitglieder sind. Es geht um die Energieabrechnung, hohe Stromkosten und private Zerwürfnisse. Im Oktober tritt die Revierkommission geschlossen zurück, der Vorstand bestimmt eine neue.

In seinem Jahresbericht legt Jürgen Köhler seine Sicht der Dinge dar: "Einige Gartenfreunde denken, sie können machen, was sie wollen. Namentlich nennt er dann Richard Ortner, dessen Frau Karina vor der Sitzung die "Anti-Köhler-Flugblätter" verteilt hat. Köhler wirft Richard Ortner vor, illegal ein Spartenlokal zu betreiben. Ortner gibt zurück: "Das ist doch alles auf deinem Mist gewachsen."

An Peter Staats und Wolfhard Meerkatz gewandt sagt Jürgen Köhler: "Die Beiden haben am 9. September die außerordentliche Vorstandssitzung überfallen." Dabei hätte sich Staats "gewaltsam Zutritt zum Vorstandsraum verschafft", weil er Akten außer Haus bringen wollte. Zwar verblieben die Akten schließlich bei Köhler, Meerkatz und Staats wirft er trotzdem "ständige Anfeindungen und Geschrei" vor: "Die verleumden mich und ihre Gärten halten sie auch nicht in Ordnung."

Die Situation ist festgefahren. Der Stadtverbands-Vorsitzende Reimar Porrini hatte bereits im Oktober zum Rücktritt des kompletten Vorstandes und zu Neuwahlen geraten. Der Vorsitzende Jürgen Köhler sowie Hermann Döbberthin und David König aus dem Vorstand traten aber nicht zurück. Deshalb gelten sie als gewählt, über ihren Verbleib im Vorstand können die Mitglieder bei dieser Versammlung nicht abstimmen.

Die restlichen Plätze im Vorstand gilt es nun zu besetzen: Jürgen Köhler schlägt Dennis Volkmar, Ronald Zinnow, Kevin Milz und Lars Goldbach (siehe Infokasten) vor. Es zeigt sich, dass Köhlers Kritiker zwar laut sind, die Mehrheit des Vereins aber durchaus hinter Köhler steht. Alle Kandidaten werden mit großer Mehrheit in den Vorstand gewählt.

Erst nach der Wahl werden die Funktionen der Männer bekannt gegeben (siehe Infokasten). Köhler selbst kandidiert nicht mehr für den Vorstand. "Ich mache das jetzt 30 Jahre. Unter diesen Umständen habe ich keine Lust mehr." Mitmischen wird er in Zukunft trotzdem, er führt am Sonnabend kurzerhand ein völlig neues Gremium, den erweiterten Vorstand, ein.

Jürgen Köhler und Hermann Döbberthin sind automatisch drin, weil sie von ihren Ämtern nicht zurückgetreten sind. Des Weiteren wird Wolfram Hoffmann in den erweiterten Vorstand gewählt.

Aus den Reihen der Kritiker wollen sich Wolfhard Meerkatz und Karl-Heinz Drosihn in den Vorstand wählen lassen. Für Meerkatz gibt es keine Mehrheit, für Drosihn schon. Sehr zum Missfallen von Jürgen Köhler. Er erklärt spontan, dass der Vorstand schon voll sei. Drosihn macht er zum "Nachrücker für den Fall, dass jemand ausfällt".

An dieser Stelle wird es auch dem Stadtverbands-Vorsitzenden Reimar Porrini zu bunt. Er erklärt, Drosihn sei gewählt und somit auch Vorstandsmitglied. Die Funktionen wären zwar besetzt, es könne aber auch Mitglieder ohne Funktion geben, die stimmberechtigt an den Versammlungen teilnehmen.

Ob Drosihn das möchte, bleibt offen. Mit dem Vorstand fotografieren lassen, will er sich jedenfalls nicht. Auf die Frage, ob er vorhabe, die Vorstandssitzungen zu besuchen, sagt er: "Ich versuche es."

Neuer Vorsitzender wird David König. Er verspricht sich den Problemen anzunehmen. Neben den Unstimmigkeiten um das Personal wird im Verein auch heftig über den Stromverbrauch und die Anschaffung eines Rasentraktors, der ohne Einberufung einer Mitgliedervesammlung gekauft wurde, gestritten. Mit der Entlastung des alten und der Wahl des neuen Vorstandes scheint dennoch ein versöhnlicher Schritt getan. "Die alte Konstellation war nicht mehr tragbar", sagt der neue Kassenwart Lars Goldbach. Und der neue Vorsitzende David König verspricht einen Neustart. "Ich wünsche mir, dass wir uns alle wieder in die Augen schauen können. Und ich wünsche uns allen ein erfolgreiches Gartenjahr."

 

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