Redekin l Jeden zweiten Sonnabend im Monat trifft sich die Jugendfeuerwehr Redekin zur Ausbildung am Gerätehaus. Diesmal hatten sich die beiden Regionalbereichsbeamten Anja Andres und Lutz Pelzer zu einem Besuch angemeldet. Im Gepäck hatten sie ein kleines Dankeschön für die beiden Jungs und jede Menge Informationen, die im Ernstfall lebenswichtig sein können.

"Ihr habt alles richtig gemacht!", lobte Anja Andres. "Ihr habt erkannt: Das könnte sich um Fundmunition handeln, zumindest aber: Da stimmt irgendetwas nicht." Das Protokoll über die Meldung bei der Polizei hatten die beiden Polizeibeamten mitgebracht und lasen es auch noch einmal vor.

Es war 15.19 Uhr an jenem Dienstagnachmittag, als die Mutti von Leon Simonan bei der Polizei anrief und mitteilte, dass die Jungs auf der Crossstrecke zwischen Nielebock und Altenplathow einen etwa 30 Zentimeter langen, rostigen Gegenstand gesehen haben, der wie eine Bombe aussieht. Leon wurde daraufhin von Polizeibeamten abgeholt, um ihnen die Fundstelle zu zeigen. Daraufhin forderten diese den Kampfmittelbeseitigungsdienst an.

Dieser traf um 18.23 Uhr ein und konnte bestätigen, dass es sich um eine Fliegerbombe handelte. Sie war sogar noch deutlich größer als anfangs zu erkennen war, da sie unterm Moos lag: Etwa 60 bis 80 Zentimeter lang und zehn bis zwölf Zentimeter breit lautet der Eintrag im Protokoll der Polizei.

Dass in dem Gebiet zwischen Altenplathow, Nielebock und Scharteucke unwahrscheinlich viel Munition lag und bestimmt auch immer noch etliches liegt, darauf wies Polizeiobermeister Lutz Pelzer die Jugendlichen hin. Denn dort befanden sich die Silvawerke, eine Munitionsfabrik, die im 2. Weltkrieg auch Ziel von Bombenangriffen war. Im Laufe von Jahrzehnten hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst dort Unmengen herausgeholt.

Trotzdem brauche man keine Angst zu haben, dass beim Spaziergang oder Fahrradfahren Munition hochgeht, betonte er. Zwar werde die Gefahr, dass Fundmunition explodiert, durch sehr langes Liegen größer, weil der Zünder verrostet und nur noch kleine Erschütterrungen reichen können, um ihn auszulösen.

Zu Unfällen sei es aber tatsächlich in der Vergangenheit nur dann gekommen, wenn Bürger sich nicht richtig verhalten haben.

Solche Beispiele sind auch in einem Infoblatt, das die Beamten den Jugendlichen mitbrachten, aufgeführt: In einem Fall hatte ein Mann mit einem Gasbrenner an der Fundmunition herumhantiert. Er und sein Sohn starben durch die Explosion. In einem anderen Fall hatte ein Mann eine Granate in den Schraubstock gespannt. Auch er starb durch die Explosion.

Leon Simonan und Dominik Jeltsch erzählten, was sie erlebt hatten: Sie sind mit Fahrrädern auf einer Crossstrecke dort gefahren. Dort habe es eine Holzabfahrt gegeben, die über Winter kaputt gegangen war. Sie haben Holz gesucht, um sie zu reparieren. Dabei sei ihnen aufgefallen, dass der Bereich offenbar schon mit Metalldetektoren abgesucht worden war: "Alle fünf, sechs Meter war ein Loch, und daneben lag ein altes Metallstück, und ein Stück weiter war ein großes Loch." Und dort habe etwas aus der Erde geschaut, was erst aussah wie die Spitze von einem Holzpfahl. Erst beim Anfassen merkten sie, dass es kein Holz war, und als sie das Moos hochhoben, haben sie die Granate gesehen.

Die Jungs erlebten aber auch, dass man nicht unbedingt ernst genommen wird mit einer solchen Meldung: "In der Nähe waren Kinder, denen haben wir gesagt: Geht mal nicht dorthin, da ist eine Bombe, wir alarmieren die Polizei!" Ein Mädchen habe nur gesagt: "Ja, ja, schon klar", so als ob die Jungs spinnen. Von der Polizei allerdings wurden sie ernst genommen. "Bei zweifelhaften Funden lieber mal umsonst melden, als es nicht zu tun", betonten Anja Andres und Lutz Pelzer.

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